Die Dropbox-App auf einem Smartphone, die schon bald mit integrierter Boxcryptor-Technologie daherkommt
Die Dropbox-App auf einem Smartphone, die schon bald mit integrierter Boxcryptor-Technologie daherkommt
Bildquelle: dennizn, Lizenz

Boxcryptor: Dropbox kauft deutsche E2E-Verschlüsselung

Das Team des deutschen Unternehmens Boxcryptor darf nun seine Ende-zu-Ende-Verschlüsselungstechnologie nahtlos in die Dropbox integrieren.

Das US-amerikanische Unternehmen Dropbox hat Boxcryptor, einen deutschen Anbieter für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2E) für Cloud-Speicherdienste, übernommen. Die damit erworbene Technologie soll infolgedessen ihren Weg in das eigene Produkt finden. Eine Übertragung der Daten von Bestandskunden an den US-Konzern soll angeblich nicht erfolgen.

Dropbox kauft deutsche Ende-zu-Ende-Verschlüsselungstechnologie

Der beliebte Cloud-Speicherdienst Dropbox hat am Dienstag verkündet, das deutsche Unternehmen Boxcryptor übernommen zu haben. Der US-Konzern begründet diesen Schritt damit, dass die verschlüsselte Speicherung von Dateien für seine Kunden einen immer höheren Stellenwert einnimmt.

„Die Kombination der führenden Verschlüsselungsfunktionen von Boxcryptor und des benutzerfreundlichen Dropbox-Produkts mit unseren ohnehin schon robusten Sicherheitsfunktionen wird uns helfen, die sich entwickelnden Anforderungen unserer Kunden noch besser zu erfüllen.“

Dropbox

Aus einer Umfrage zum Thema IT-Security ging demnach hervor, dass mehr als drei von vier Befragten (77 %) nach der Covid-19-Pandemie einen Anstieg der Anzahl störender Angriffe feststellen. Das habe schließlich das Sicherheitsbedürfnis der Menschen im Hinblick auf Cloud-Dienste in den letzten Jahren besonders verstärkt.

Durch Integration der Ende-zu-Ende-Verschlüsselungstechnologie von Boxcryptor in das eigene Produkt möchte Dropbox seinen Kunden eine einfache und benutzerfreundliche Lösung anbieten, um ihre vertraulichen Daten zu schützen. Zumindest denjenigen Anwendern, die sich für einen der kostenpflichtigen Tarife des Unternehmens entschieden haben.

Für Bestandskunden bleibt laut Boxcryptor alles beim Alten

Und auch das fast 12 Jahre bestehende Unternehmen Boxcryptor, das seit jeher Sicherheitslösungen für Cloud-Speicherdienste entwickelt, bezog Stellung zu der Übernahme. „Unser Ziel war es, dass Menschen von den Vorteilen von Cloud-Technologien profitieren und gleichzeitig die Kontrolle über ihre Daten behalten können„, heißt es in der Mitteilung.

Aufgabe des Teams von Boxcryptor sei es nun, die eigene Technologie nativ in das Dropbox-Produkt einzubinden. Dadurch sei es dem Verschlüsselungsexperten möglich, noch mehr Kunden dabei zu helfen, ihre sensiblen Daten zu schützen.

„Indem wir unsere Technologie und unsere große Expertise einem globalen Technologieunternehmen wie Dropbox zur Verfügung stellen, können wir unsere Möglichkeiten zur Gestaltung der Sicherheitslösung über die globale Plattform von Dropbox besser skalieren und den Nutzerinnen und Nutzern ein verbessertes Verschlüsselungserlebnis bieten.“

Boxcryptor

Boxcryptor betont ausdrücklich, dass das Unternehmen keine bestehenden Verträge, Daten oder Schlüssel ihrer Kunden an Dropbox überträgt. Alle Bestandskunden werde der Dienst „weiterhin gemäß den Bedingungen ihrer bestehenden Verträge betreuen.“ Das bedeute auch, dass ihre Daten wie bisher bei der Secomba GmbH in deutschen Rechenzentren verbleiben. Die Einrichtung neuer Konten und der Kauf neuer Lizenzen sei jedoch ab sofort nicht mehr vorgesehen.

Wie viel derartige Versprechen insbesondere in Bezug auf US-amerikanische Konzerne wert sind, hat die Vergangenheit schon oft genug gezeigt. Fraglich bleibt außerdem, ob Boxcryptor seinen Dienst langfristig weiterhin für Dropbox-Konkurrenten wie Google Drive oder Microsoft OneDrive anbietet.

Über

Marc Stöckel hat nach seiner Ausbildung zum IT-Systemelektroniker und einem Studium im Bereich der technischen Informatik rund 5 Jahre als Softwareentwickler gearbeitet. Um seine technische Expertise sowie seine Sprachfertigkeiten weiter auszubauen, schreibt er seit dem Sommer 2022 regelmäßig Artikel zu den Themenbereichen Software, IT-Sicherheit, Datenschutz, Cyberkriminalität und Kryptowährungen.