12 Mio. Euro: ZCB verkauft illegal erwirtschaftete Kryptowährung von LuL.to

Artikel von · 29. Mai 2018 ·

Ermittlungen, die bereits seit 2015 gegen die Betreiber der illegalen Plattform LuL.to liefen, führten die bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg errichtete Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) bei zwei Hauptbeschuldigten auf die Spur der im Rahmen der kriminellen Aktivitäten illegal erwirtschafteten Gewinne inform von großen Beständen verschiedener Arten von Krytowährungen. So verkaufte man im Zusammenarbeit mit der Landesjustizkasse Bayern diese Kryptowährungen im Gesamtwert von über 12 Millionen Euro auf dem Wege einer Notveräußerung, laut Pressemitteilung 10 vom 28.05.2018.

Unter dem Motto Lesen und Lauschen stellte das Team von LuL.to Nutzern ohne Einwilligung der Urheber sowohl E-Books, darunter auch aktuelle Neuerscheinungen und Spiegelbestseller, Zeitungen und Zeitschriften (E-Paper), als auch Hörbücher gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung. Im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) wurde das illegale Portal LuL.to dann für immer vom Netz genommen. Am 21. Juni 2017 sperrte das CyberCrimeCompetenceCenter (SN4C) des LKA Sachsen die Domain www.LuL.to. Die Datenbank von LuL.to wies lt. Pressemitteilung einen Buchbestand von mehr als 200.000 Titel auf, darunter allein ca. 160.000 deutschsprachige E-Books und 28.000 Hörbücher. So sollen mehr als 30.000 Kunden die illegalen Dienste des Portals in Anspruch genommen haben. Die Ermittler des SN4C konnten im Rahmen von Durchsuchungen insgesamt über 11 Terabyte Daten sichern.

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern sah sich aufgrund der hohen Kursschwankungen bei Kryptowährungen gezwungen, den Verkauf der Coins per Notveräußerung zu realisieren. Für deren Durchführung sorgte die Landesjustizkasse Bayern. Als gestzliche Grundlage diente der § 111p StPO. Der Paragraph gestattet es, auch vor einer rechtskräftigen Verurteilung sichergestellte Vermögenswerte zu verkaufen, wenn „deren Verderb oder ein erheblicher Wertverlust droht“, so die Behörde.

Gemäß Pressemitteilung spürten die Beamten durch zeit- und personalaufwändige Ermittlungen Krptowährungsbestände von insgesamt 1.312,49 Bitcoin, 1.399,04 Bitcoin Cash, 1.312,49 Bitcoin Gold und 220,81 Ether auf. Diese wurden in mehr als 1.600 Einzeltransaktionen über eine in Deutschland ansässige Handelsplattform verkauft. In einem vom 20.02.2018 bis zum 25.04.2018 andauernden Verkaufsprozess wurden Erlöse von knapp über 12 Millionen Euro erzielt. Jedoch entscheidet man erst mit dem Urteil nach Abschluss der Hauptverhandlung über die Verwendung des Geldes, da die Notveräußerung allein dem Werterhalt der sichergestellten Vermögenswerte diente. So wäre es möglich, dass der Verkaufserlös entweder zur Befriedigung der Ansprüche von Geschädigten dient, die Staatskasse füllt oder an die Beschuldigten auszuzahlen ist.

Währenddessen dauern die weitreichenden Ermittlungen gegen die Betreiber an. Gegenwärtig erfolgen umfangreiche Auswertungen der Kunden-und Bestelldatenbanken zur Feststellung der exakten Schadenshöhe für die Rechteinhaber. Daher steht auch ein Zeitpunkt für die Anklageerhebung noch nicht fest.

Bildquelle: sik-life, thx! (CC0 Public Domain)

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16 Kommentare

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    Klothilde

    Was mit dem Geld geschieht entscheidet kein Ministerium sondern ein Gericht, da dessen Herkunft geklärt werden muss. Es ist übrigens nicht ganz unwahrscheinlich, dass dieser „Notverkauf“ später noch zum sehr teuren Bumerang werden kann…

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    Die Ueberschrift ist Quatsch. „12 Mio. Euro: ZCB verkauft illegal erwirtschaftete Kryptowährung von LuL.to“

    „Währenddessen dauern die weitreichenden Ermittlungen gegen die Betrei… Daher steht auch ein Zeitpunkt für die Anklageerhebung noch nicht fest.“

    Also nichts mit illegal

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      Die Betreiber haben

      a) den größten deutschsprachigen illegalen Online-Shop für E-Books und Hörbücher
      b) einen größeren Darknet-Marktplatz

      betrieben. Welche Einnahmen davon sollen jetzt bitte legal sein? Hallo, aufwachen!

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    Mausi

    Stehen die Erlöse eigentlich nicht den Geschädigten von Lul.to zu, also den Autoren und Verlagen?

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    BigBoss

    Und genau darum ging es doch! Lul.to konnte jahrelang agieren.
    Warum, damit das Geldsäckl immer größer wurde und hinterher unser lieber und heißgeliebter Staat mal wieder seine Einnahmen erhöhen kann. Unser Staat stellt sich ja sowie so immer gerne auch über andere Länder. Wie gut er ist usw., aber in Wirklichkeit kann er nur eines gut: Abzocken!

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    Wie steht es um die Ermittlungen gegen die User, gibt es dazu bald ein Update?

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      Ich denke, da wird leider noch sobald nichts kommen bei der Masse an auszuwertendem Material, die schwimmen in Arbeit. Ich kann den Oberstaatsanwalt nächsten Monat mal anrufen, aber was Neues wird er mir bestimmt nicht erzählen.

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        Bastian

        Ich frage mich gerade, wenn die Betreiber verknackt werden und die Erlöse für die Deckung des entstandenen Schadens verwendet werden und dafür auch ausreichen, (was bei der Wertsteigerung von Bitcoins in der vergangenen Zeit anzunehmen ist) sind dann die Nutzer überhaupt noch haftbar zu machen? Warum sollte User XYZ Abmahn- und Lizenzkosten aufgedrückt bekommen, die bereits abgedeckt sind?!

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          Einer

          @Bastian woher hast Du dass?
          Es stand nie zur Rede dass die Nutzer wirklich haftbar gemacht werden. Es wurde lediglich gesagt man werde sich dass mit den Nutzern noch einmal anschauen und überlegen. Dieser Spruch kommt aber grundsätzlich nach jedem Bust und hat sich bisher noch nie bewahrheitet.

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    Tim Thaler

    „…oder an die Beschuldigten auszuzahlen ist.“ Das wäre ja wohl der Hammer :D :D

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    Wayne

    Es wurde kein Dumping betrieben. Die Coins wurden allesamt über bitcoin.de in „kleineren“ Paketen (immer maximal 3 BTC gleichzeitig im Verkauf) angeboten, dabei hat man sich immer am aktuellen Marktpreis orientiert und nicht nach dem Motto „hauptsache billiger als die anderen“. Habe selber einige kleinere Mengen erstanden. Interessant ist, dass man sogar offnbar einen eigens dafür entwickelten Trading Bot eingesetzt hat, der den Verkauf eigenständig durchführte. Schien schon Hand und Fuss zu haben was Bamberg da gemacht hat :)
    Über die Sache mit dem Notverkauf lässt sich allerdings schmunzeln. Man muss schon davon ausgehen, dass bei der Menge an Coins viele noch aus einer Zeit stammen wo die Coins noch weit im 3 stelligen Bereich an Wert lagen. Da jetzt von einem Wertverfall zu sprechen ist schon paradox.

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    Diesel

    Die Hälfte wird erstmal selbst bei Seite geschafft worden sein, wer weis zu was für einem Dumping preis die verscherbelt wurden und wie viele von den Ermitteln die das wussten davon über Strohmänner gekauft haben, bei Geld ist jeder Betriebsblind. Wie kommen die überhaupt an die Coins dran? Haben die Betreiber die PW verraten? Glauben die im Ernst das die sich dadurch die Haftstrafe schmäler in Deutschland gibts keine Deals aller USA, Strafe ist Strafe lieber Reich aus dem Knast und 2-3 Jahre Länger gehockt, als Hartz 4 penner wieder nach 4-5 Jahren raus zu kommen.

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    Anonymous

    Ein nicht unbeträchtlicher Teil wird wohl vom Hansanet stammen.
    Das wird der Staat schön selber behalten.
    Zumindest sind dann die Kosten für den Spaß gedeckt.
    Interessant ist, das die die Kryptowährungen nicht als werthaltig ansehen. Vermutlich eine zutreffende Einschätzung.

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      Ja, das habe ich mich auch gefragt, wie viel davon vom Darknet Onlineshop stammt. Wird schwer zu sein, das voneinander zu trennen, wenn sie das überhaupt wollten?

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    Mr. W

    da stellt sich mir die Frage haben Sie einfach schnell verkauft (egal was raus kommt) oder haben Sie es angemessen verkauft ?

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      PENNYBLÖD

      bestimmt 1000€ unter aktuellem Kurs, damit es schnell weg ist. Bei dieser Stelle musste ich herzhaft lachen: „So wäre es möglich, dass der Verkaufserlös entweder [….] oder an die Beschuldigten auszuzahlen ist.“


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