ICANN: mit Domain-Sperren das Internet zensieren?

Article by · 9. Dezember 2015 ·
eurodns domain suspended icann

Aktueller Screenshot von http://www.thepiratebay.org – ICANN: “This domain name has been suspended”

War die Abschaltung von thepiratebay.org nur der Anfang? Die Domainverwaltung ICANN hat die Domain von TPB wegen der fehlenden Überprüfung der Betreiber kürzlich außer Kraft gesetzt. Seit dem 1.1.2014 behält sich die Organisation vor, die Kontaktdaten einmal jährlich zu überprüfen. Die echten Namen und Anschriften werden zahlreiche Eigentümer von Webseiten aus dem Graubereich verbergen wollen. Wäre dies eine neue effektive Maßnahme gegen Online-Piraterie?

Zwar gibt es für das ehemals schwedische Filesharing-Portal diverse weitere Adressen, über die man die Magnet-Dateien für die Tauschbörse beziehen kann. Allerdings wird zumindest nach der Sperre kurzfristig der Besucherstrom einbrechen, weil viele Nutzer noch die URL aus alten Tagen kennen und sie in der Form in ihren Bookmarks gespeichert haben. EuroDNS teilt den Besuchern von www.thepiratebay.org mit, die Betreiber hätten die Domain verloren, weil keine gültigen Kontaktdaten vorhanden seien. Das Unternehmen mit Sitz in Luxemburg wartete erfolglos auf eine Antwort auf die E-Mails, die man den Domaininhabern geschickt hat. Die E-Mail-Adresse, die TPB für solche Zwecke nutzt, ist auto560120@hushmail.com, die nach Angaben der Kollegen vom Register dem Mitbegründer Fredrik Neij gehören soll. Bislang ist aber unklar, ob Neij derzeit noch Zugriff auf dieses E-Mail-Konto hat. Eigentlich ist die Bestätigung des Inhabers einfach. Man aktiviert einen Link aus der E-Mail und hat wieder für ein Jahr Ruhe vor weiteren Überprüfungen.

TPB befindet sich damit in guter Gesellschaft mit Popcorn Time und anderen Online-Piraten, die ihre Domain verloren haben. Unzählige Portale haben die Endung .org oder .com gewählt, auch sie könnten mittelfristig von einer derartigen Aktion betroffen sein. Sofern kein Strohmann für die Anschrift des Domaininhabers ausfindig gemacht werden kann, könnte man diversen Portalen auf diese Weise zumindest vorübergehend den Garaus machen.

Die internationale Domain-Vergabestelle ICANN schreibt auf ihrer Webseite:Der Registrar muss auch für sich selbst vollständige und korrekte Kontaktdaten angeben, einschließlich einer gültigen E-Mail- und Postadresse. Diese Kontaktdaten sollten auf der Website des Registrars veröffentlicht werden.“ Damit hätten die Rechteinhaber eine ladungsfähige Adresse. Die ICANN behält sich bei einem Wechsel des Registrars zudem vor, die Übertragung abzulehnen, sofern ein „begründeter Zweifel an der Identität des registrierten Namensinhabers oder des administrativen Ansprechpartners“ besteht.

Für viele Anbieter aus dem Graubereich wäre es jetzt sicher spannend zu wissen, wer eigentlich überhaupt Einfluss auf eine TLD z.B. aus Tonga nehmen darf, zumal die URL zahlreicher Warez-Portale und Sharehoster mit der Endung .to aufhören. Wir haben bereits im Sommer dieses Jahres über die Pläne der Privacy & Proxy Services Accreditation Issues Working Group (kurz: PPSAI WG) der ICANN berichtet. Demnach soll es auf Druck der Kreativwirtschaft nicht mehr möglich sein, als Betreiber einer kommerziellen Webseite einen Whois-Schutz in Anspruch zu nehmen. Wenn die Pläne der Arbeitsgruppe umgesetzt werden sollten, wäre dies gleichbedeutend mit dem Ende von anonymen Domains. Auch die Suspendierung von thepiratebay.org dürfte voll und ganz im Sinne der Content-Industrie sein. Auch wenn die Sperre unter dem Strich nichts bringt, so haben sie sich darüber dennoch bestimmt gefreut.

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4 Comments

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    Mike Rophone

    Also ich komme ganz normal auf die Seite, Weiß nicht was der Artikel soll.

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    Kann man nicht nen alternatives DNS System auf Blockchain Basis aufsetzen das dann zensur ressistent ist ?

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      Yaknar

      Wurde mit namecoin doch bereits versucht, als die Bitcoins noch sehr unbekannt waren: https://namecoin.info/

      Allerdings weiß ich nicht, wie aktiv oder verbreitet es aktuell ist.


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