WikiLeaks im Umfeld von geplanter Türkei-Enthüllung unter Beschuss

Die Whistleblowing-Plattform WikiLeaks plant nach eigener Aussage die Veröffentlichung von Dokumenten über die türkische Regierung. Im Umfeld dieser geplanten Enthüllung berichten die Aktivisten über verstärkte Angriffe auf ihre Infrastruktur.

WikiLeaks-Flagge - von "Graphic Tribe" unter CC-BY-SA 3.0

WikiLeaks-Flagge – von „Graphic Tribe“ unter CC-BY-SA 3.0

WikiLeaks plant Enthüllungen zur türkischen Regierung

Die politische Situation in der Türkei ist derzeit chaotisch und angespannt. Nach dem gescheiterten Putschversuch am Wochenende suspendierte Staatsschef Recep Tayyip Erdogan eine ganze Reihe von Richtern und ranghohen Militär-Angehörigen. Angesichts der Schnelligkeit dieser Reaktion und der vergleichsweise geringen Effektivität des Putschversuchs häufen sich derzeit Vermutungen, dass der versuchte Staatsstreich von der Regierung selbst inszeniert worden sein könnte. Fest steht: in der Türkei kommen die Menschenrechte seit Jahren zu kurz. Neben dem Verhalten der Türkei in der Flüchtlingskrise und der Diskriminierung gegen Kurden wurde insbesondere auch das Vorgehensweisen der türkischen Regierung gegen Journalisten und die Zensur von Internet-Medien von Organisationen wie Reporter ohne Grenzen immer wieder kritisiert.

Angesichts dieser Schlagzeilen kündigte die Whistleblowing-Plattform WikiLeaks an, eine Vielzahl von Geheimdokumenten über die türkische Regierung zu veröffentlichen. Zunächst war von rund 100.000 Dokumenten die Rede. Später wurde die Zahl – in für das Projekt typischer Manier, voller Desinformation und Verwirrung – auf 300.000 E-Mails und 500.000 sonstige Dokumente korrigiert.

„Anhaltende Angriffe“

Derzeit muss sich WikiLeaks jedoch nach eigener Aussage mit „anhaltenden Angriffen“ auf die eigene Infrastruktur herumschlagen. Ein Beweis dafür, dass das mit den geplanten Türkei-Enthüllungen zusammenhängt, liegt (zumindest der Öffentlichkeit) bislang nicht vor. WikiLeaks selbst bringt die beiden Sachverhalte jedoch in seinem Tweet durch Hashtags deutlich in Verbindung.

Allerdings gestaltet sich das Finden der Verantwortlichen bei Angriffen per Netzwerk notorisch schwierig. Zudem wäre es den WikiLeaks-Aktivisten grundsätzlich auch zuzutrauen, einen Zusammenhang auch bei schwacher Beweislage konstruiert zu haben, um ihre bevorstehenden Enthüllungen noch einmal ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen und ihnen gleich eine größere Wichtigkeit zuzusprechen. Zu den vielen lobenswerten Eigenschaften der Plattform und ihres Chefredakteurs Julian Assange zählt Bescheidenheit nämlich sicher nicht. Somit bleibt abzuwarten, wie sich dieser Fall weiterhin entwickelt und was die Dokumente ans Licht bringen werden.

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5 Kommentare

  1. Vanessa sagt:

    Liegt wohl eher daran, daß die Eliten sich inzwischen alles erlauben können, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen? Wann ist denn hier der letzte Politiker zurückgetreten obwohl er offensichtlich scheiße gebaut hat? Das alles ist doch inzwischen eine totale Kultur der Verantwortungslosigkeit.
    Und man muß es auch ganz klar sagen, es ist inzwischen 99% sowieso völlig egal.

  2. Ewald sagt:

    Bestimmt genauso ein Hammer wie die veröffentlichten Mails von Hilary Clinton auf Wikileaks.
    Von denen sagte Assange, dass sie danach nicht mehr Kandidatin sein wird.
    Das war im März 2016….

    • Bloß Ich sagt:

      Und wie schrieb die Tarnkappe noch über die Panama Papers? Daß sie ein Erdbeben hervorrufen werden wie seinerzeit die Wikileaks-Dokuments? Hat ein paar Wochen laut geraschelt im Papierwald. Mehr war nicht. Von wegen Erdbeben und so. Und heute, ein paar Monate später? Interessiert sich noch ein Schwein für die Panamapapers?


      • Da hast Du leider recht


  3. „Zu den vielen lobenswerten Eigenschaften der Plattform und ihres Chefredakteurs Julian Assange zählt Bescheidenheit nämlich sicher nicht.“

    ROFL!!

    Aber leider wahr!

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