Unter dem Radar: Der satirische Monatsrückblick (Mai/2016)

glosse

Der Mai, so weiß es der Volksmund, ist der Monat der Liebenden. Voller Romantik und Harmonie sollten diese wärmeren Tage daher kommen. Allein – von trauter Zweisamkeit oder einem Überschwang an liebevollen Gefühlen war bei den meisten Menschen in den letzten Wochen nicht viel zu sehen. Lest selbst – unser Monatsrückblick deckt auf.

Von Katzen und anderen Twitterati

Durchaus liebevolle Gefühle scheint derzeit WikiLeaks-Chefredakteur Julian Assange zu entwickeln – allerdings nicht für einen seiner Mitmenschen, sondern für einen flauschigen Vierbeiner. Die ihm kürzlich geschenkte „Botschaftskatze“ hat sogar schon einen eigenen Twitter-Account, über den Assange fleißig die obligatorischen Katzenbilder verteilt. Fast scheint es, als sei der kontroverse Aktivist ganz im Internet-Mainstream des Jahres 2016 angekommen, voller Flausch und niedlicher Haustier-Fotos.

Katzenbild von @EmbassyCat

Katzenbild von @EmbassyCat

Allerdings nur fast. Das Private ist politisch, wussten schon die 68er, und wenn man mit Julian Assange zu tun hat, gilt dieser kontroverse Slogan anscheinend sogar für Katzen. Die „Botschaftskatze“ twittert nämlich nicht nur Wortwitze und niedliche Fotos. Mindestens die Hälfte dieser Veröffentlichungen steckt voller Anspielungen auf die politische Situation. Da rantet die „EmbassyCat“ gegen die Entscheidung, ihr Herrchen weiterhin in der Botschaft festzusetzen, kommentiert südamerikanische Außenpolitik oder macht sich über die mangelnde IT-Sicherheit von Hillary Clinton lustig (letzteres ist allerdings in etwa so sportlich, wie einem Krabbelkind den Lutscher zu klauen – liebe Botschaftskatze, du bist in England, da darf etwas mehr Fair Play doch sein – Hillary ist diesbezüglich einfach keine würdige Gegnerin). Assange prägte sogar das Hashtag „#CounterPurrveillance“ für die Äußerungen seines Haustiers. Das Spiel mit den Medien hat der Australier auf jeden Fall bestens drauf – so manche kontroverse Äußerung dürfte von der Botschaftskatze kommend eher akzeptiert werden. Schaut sie euch doch an – können diese Augen lügen? Dieses flauschige Fellchen etwas böses verbergen?

Wenn man sich jetzt noch ins Gedächtnis ruft, dass es damals beim aberwitzigen und äußerst medienwirksamen Streit zwischen Julian Assange und seinem Ex-Kollegen Daniel Domscheit-Berg unter anderem um den Vorwurf ging, dass Assange Domscheit-Bergs Katze gequält haben soll, wird das Ganze eindeutig so surreal, dass wir festhalten können: Die Realität nimmt ganz schön heftige Drogen.


Der Fischer grüßt das Murmeltier

Murmeltier, Francois Trazzi unter CC BY-SA 3.0

Hallo, ich bin ein reicher nigerianischer Geschäftsmann!

Manche Dinge ändern sich nie. Dazu gehören neben dem Lauf der Natur beispielsweise Politiker-Ausreden, die Tatsache, dass viele Menschen „123456“ für ein Passwort halten – und Phishing-Mails. Aktuell kursieren wieder solche, die eine Identitätsbestätigung auf ein angebliches Postbank-Konto fordern – und anscheinend fallen auch 2016 noch immer Menschen auf dergleichen herein. Übrigens: Wenn ihr eine Stunde lang eure Leertaste gedrückt haltet, wird eure ICQ-Blume blau.

Deutschland sucht den Super-Handykäufer

Eine weitere clevere Idee der Bundesregierung zur Terrorismus-Bekämpfung: Zukünftig soll es nicht mehr möglich sein, anonyme Prepaid-SIM-Karten zu kaufen. Ergibt Sinn – schließlich hat noch nie jemand etwas von Terroristen mit gefälschten Ausweispapieren, oder solchen, die schlichtweg bisher unauffällige Unterstützer ihr Material kaufen lassen, gehört – oh wait. Sicherheitstheater vom Feinsten, aber leider so wenig überzeugend, dass statt eines Schauspiel-Preises allenfalls noch die Goldene Himbeere winkt. Wer sich davon tatsächlich von Sabotage und Mord abschrecken lässt, für den winkt allerdings die Hauptrolle in einer neuen RTL-2-Serie: „Die dümmsten Terroristen der Welt“.

Der Mai ist gegangen – die Politiker rasten aus

Angesichts so vieler weniger liebevoller als schlichtweg verrückter, dummer oder verwirrter Ideen bleibt uns nur, die gängige Theorie zum Mai heftig anzuzweifeln. Statt Amors Pfeilen scheinen eher ganz andere Substanzen durch die Luft zu fliegen. Aber tröstet euch: Bald ist schon Sommer. Rettet uns zwar auch nicht vor den Eskapaden der (Möchtegern-)Mächtigen, aber wenigstens können wir den Schmerz wahlweise mit Schirmchendrinks ertränken oder mit Eis betäuben. In diesem Sinne: Macht es gut, bleibt uns treu, bis nächsten Monat!

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