Unter dem Radar: Der satirische Monatsrückblick (Januar/2016)

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Der Januar – stets ein Moment des Neubeginns, der frischen Anfänge und vielleicht sogar der weißen Weste. Zumindest symbolisch bietet sich die Möglichkeit, ganz im Sinne der guten Vorsätze bei null anzufangen und alles besser zu machen. Ob die Mächtigen und Prominenten aus dieser Chance aber das beste gemacht haben, darf doch eher bezweifelt werden angesichts dessen, was uns im ersten Monat dieses vor kurzem noch so unschuldigen Jahres 2016 schon so alles begegnete…

Eine harmonische Winterreise nach Schlapphutistan

je suis netzpolitik.org maulwurfIm Geheimdienstland gab es in den letzten Jahren so einige Verstimmungen. Schuld daran war ein gewisser Herr Edward Snowden, der die scheuen, Schatten und Stille liebenden Geschöpfe dieser Schlapphut-Welt – beispielsweise flauschige rosa Einhörner und Sonnenbrillen tragende Ponies – brutal dem Tageslicht aussetzte und damit in vielen Fällen gar sehr verstörte. Unter diesem ungewohnten und beängstigenden Einfluss von Sonnenlicht litten auch die tapferen Mitarbeiter der BND-Abhörzentrale in Bad Aibling und ihre US-amerikanischen Kollegen von der NSA. Deren Zusammenarbeit nämlich wurde im Frühjahr 2015 ausgesetzt, weil die NSA den BND permanent mit Spionage-Zielen in Deutschland oder unter dessen Verbündeten versorgt hatte. Ups. Wofür waren Geheimdienste noch einmal gedacht? Egal, hält nicht so genau. Ist sicher alles teil der harmonischen internationalen Partnerschaft. Das eigentliche Problem war natürlich, dass die Geheimdienste – dank Snowden – bei ihrem Tun erwischt worden waren.

maulwurfshuegel bnd geheimdienst schlapphugNun ist allerdings wieder (fast) alles beim alten und es herrschen Harmonie, wohlige Dämmerung und kuschelige Betriebsamkeit im Geheimdienst-Land. Die Kooperation wurde wieder aufgenommen und in Bad Aibling spioniert man wieder fleißig für die USA. Dazu mussten die USA zwar immerhin das Zugeständnis machen, ihre Überwachungs-Anträge an den BND mit einer Begründung zu versehen. Doch wir können uns alle denken, wie genau das im Ernstfall überprüft wird. Wahrscheinlich könnten die Verantwortlichen dort auch etwas von Einhörnern und Feen hinein schreiben, ohne dass es groß auffallen würde. Der Wahrheitsgehalt dürfte jedenfalls in der Nähe dessen einer durchschnittlichen Entschuldigung für den Sport- oder Mathe-Unterricht eines bereits achtzehnjährigen Zwölftklässlers am Montag Morgen liegen. Und wenn sie nicht gestorben sind dann spionieren sie noch heute.


Gut gefordert ist halb trojanert

Bundestrojaner Maha Online-Durchsuchung Quellen-TKÜEine Menge gute Vorsätze für das neue Jahr hat offenbar die CDU/CSU. Bei denen heißt das ganze „Mainzer Erklärung“ und sieht vor allem vor, die Deutschen noch massiver als bisher zu überwachen. So soll die Vorratsdatenspeicherung, gerade erst beschlossen dank eines Stunt-Oscar würdigen Umfallers von Sigmar Gabriel, schon jetzt massiv ausgeweitet werden, indem auch der Verfassungsschutz Zugriff auf die gespeicherten Verbindungsdaten bekommt. Besser wäre, mal die Verfassung vor der Union zu schützen, aber ich schweife ab. Neben den Vorratsdaten hat es den Konservativen vor allem die Schadsoftware angetan. Mit derselben Faszination wie ein vierzehnjähriges Scriptkiddie („früher habe ich Trojaner in Visual Basic geschrieben, jetzt bin ich strafmündig und schreibe Remote-Administrations-Software“) schielen die Politiker auf ein Malware-Arsenal, das sie nur allzu gerne mal einsetzen würden. Bevorzugt natürlich gegen Terroristen, nicht näher spezifizierte Schwerkriminelle und extremistische Cybers. Und weil es ja langweilig wäre, sich an Recht und Gesetz zu halten – Law and Order ist immer am besten, wenn es nur für andere Menschen gilt – fordert man neben semi-legalen Varianten wie der Quellen-TKÜ gleich auch noch die Online-Durchsuchung, die das Bundesverfassungsgericht schon 2009 verboten hat. Mal ehrlich: können die nicht einfach joggen gehen oder versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören, wie normale Menschen?

Der Krieg der Sternchen (im Passwort-Fenster)

Star Wars: The Force Awakens

Star Wars: The Force Awakens

Wenn ein popkulturelles Phänomen auf einmal riesige Bevölkerungsgruppen mitreißt, macht das meistens Spaß, sorgt für ein Zusammengehörigkeitsgefühl und ist somit eine gute Sache. Das gilt allerdings nicht, wenn auf einmal die Mehrheit der Menschen auf die Idee kommt, die Quelle ihrer Inspiration auch gleich als Passwort zu nehmen. Jüngstes Beispiel: Star Wars. Neben Klassikern wie „123456“ und „qwerty“ (seriously, Leute? das ist etwa der Sicherheitsstandard, wie wenn ihr zuhause einen Wattebausch vor die Tür kleben würdet, statt abzuschließen – einen ROSAFARBENEN Wattebausch) fanden sich diesmal auch die Begriffe „starwars“, „solo“ und „princess“ auf der von Sicherheitsforschern ermittelten Liste der schlechtesten Passwörter. Nun ist gerade Star Wars voll von Passwörtern, die zumindest halbwegs akzeptabel wären. Unaussprechliche Alien-Namen, Droiden-Bezeichnungen, bei denen man keine Ahnung hat, wie der Drehbuchautor sie sich selbst gemerkt hat (Copy and Paste?), meterlange Reihen von Koordinaten… aber nein, was nehmen die Nutzer? „solo“. Demnächst dürfen in Filmen, bei denen Aussicht auf eine gewisse Popularität besteht, aus Sicherheitsgründen nur noch Charaktere mitspielen, deren Namen mindestens zehn Zeichen lang sind und mindestens ein Sonderzeichen beinhalten. Sonst wird das nichts. Dann hätten auch diverse Fanfiction-Autorinnen endlich die Chance auf den lang ersehnten Durchbruch, denn mit Namen wie „Padmé-Galadriel Mary Sue Swan-Skywalker“ könnten sie dann endlich punkten…

Auf in den Kampf!

unter dem radar die glosse tarnkappe.infoIn diesem Sinne: Trotz der noch relativen Jugend des neuen Jahres ist offensichtlich ohnehin schon alles zu spät. 2016 wird mindestens genau so irre wie seine Vorgänger. Also bewaffnet euch mit eurem Elben-Lichtschwert und zieht in den Kampf, wahlweise gegen schlechte Passwörter, extremistische Cybers oder (idealerweise) die Überwachungs-Pläne der CDU. Zu tun gibt es genug. Macht es gut und wir lesen uns bald wieder.

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Ein Kommentar

  1. Kate Morton sagt:

    Sehr guter Beitrag.

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