Tor Project sieht Beschuldigungen gegen Jacob Appelbaum bestätigt

Eine Interne Untersuchung des Verschlüsselungsprojekts Tor gegen Jacob Appelbaum ist nun abgeschlossen. Die Vorwürfe haben sich bestätigt.

Jacob Appelbaum
Jacob Appelbaum Jacob Appelbaum auf der re:publica. Foto: Lars Sobiraj.

Eine interne Untersuchung des Verschlüsselungsprojekts Tor gegen ihren ehemaligen Sprecher Jacob Appelbaum ist nun abgeschlossen. Für das Tor-Project haben die Ermittlungen genügend Beweise erbracht, um die Vorwürfe von Zeugen als nachgewiesen anzusehen.

Vor rund sieben Wochen waren Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfe gegen Appelbaum bekannt geworden. Diese gelangten über anonyme Einträge auf einem Blog an eine breitere Öffentlichkeit. Später gaben sich einzelne Verfasser zu erkennen, andere blieben anonym.


Jacob Appelbaum: professionelle Ermittlerin sollte Anschuldigungen überprüfen

Zur Überprüfung der Angaben engagierte das Projekt nach eigenen Angaben eine „professionelle Ermittlerin„. Sie vernahm die vielen Beteiligten, um die Anschuldigungen zu überprüfen. Das Ergebnis der internen Nachforschungen teilte Tor-Geschäftsführerin Shari Steele in einem Blogbeitrag mit: „Die Ermittlungen sind nun abgeschlossen. Viele Personen innerhalb und außerhalb des Tor Projects haben Vorfälle gemeldet, wonach sie von Jacob gedemütigt, eingeschüchtert, schikaniert und verängstigt wurden, und einige von ihnen erlebten auch unerwünschtes aggressives sexuelles Verhalten. Einige dieser Vorfälle sind öffentlich bekannt, andere nicht.“

Als Reaktion auf den Vorfall kündigte Steele verschiedene Maßnahmen an, wie ein internes Prüfverfahren für Beschwerden und Richtlinien zum Umgang mit Interessenskonflikten und gegen Belästigungen. Außerdem sollen Richtlinien für Mitglieder der Tor-Community eingeführt werden, die auch einen Verhaltenskodex beinhalten: „Ich glaube, dass diese neuen Richtlinien das Tor Project und die Tor-Community deutlich gesünder und stärker machen. Wir wollen klarer machen, welches Benehmen wir von den Leuten erwarten“, äußerte Steele. Dabei gehe es um klare Regeln gegen Belästigungen ebenso wie den Umgang mit Interessenkonflikten. Die Menschen in der Tor-Community sollen im Falle eine Falles wissen, an wen sie sich wenden können. Ein neues Gremium aus Mitgliedern der Community soll dabei helfen.

Außerdem habe das Tor-Project zwei weitere Mitarbeiter entdeckt, die ein ähnliches Verhalten an den Tag gelegt hatten. Man hat die Zusammenarbeit mit beiden beendet. Als weitere Konsequenz wurde in diesem Monat die Führungsriege ausgetauscht. Betroffen waren die ehrenamtlichen Direktoren, die nicht operativ tätig sind. Unter den neuen Direktoren ist der bekannte Sicherheitsforscher Bruce Schneier.

Fazit

Auch wenn Tor Project an den Vorwürfen gegen Jacob Appelbaum festhält, so hatte Appelbaum sich selbst zuletzt am 6. Juni 2016 zu den Vorfällen gegenteilig geäußert. In einem Blogeintrag sprach er Anfang Juni von einem gezielten und bösartigen Angriff: „Um es klar zu sagen: Die Anschuldigungen von kriminellen sexuellen Fehlverhaltens gegen mich sind komplett falsch.“, seitdem aber hat er geschwiegen.

Nach Angaben der New York Times war Appelbaum nicht an der Untersuchung beteiligt. Appelbaum wollte mit den Ermittlern persönlich oder über verschlüsselte Kommunikationswege sprechen. Da man keine der beiden Forderungen erfüllt hat, verweigerte er seine Teilnahme.

Zumindest eine der Beschuldigungen, die nicht nur in den USA für Schlagzeilen sorgte, muss nach einer Stellungnahme des vermeintlichen Opfers als falsch bewertet werden. Auch hatten sich einige Fürsprecher Appelbaums gegen „den unerhörten Rufmord“ zu Wort gemeldet. Die Untersuchung der vergangenen Woche könnte offenbar von vielen Menschen dazu genutzt worden sein, um offene Rechnungen mit Appelbaum zu begleichen. Dieser reagierte bislang nicht auf das Statement und ließ Anfragen von zahlreichen US-Medien bisher unbeantwortet.

Einige halten die Vorfälle um Appelbaum für Geheimdienstoperationen. Unklar ist, wie sehr der Bericht Appelbaums Ansehen tatsächlich schadet. Polizeiliche Ermittlungen gibt es in diesem Fall noch keine.

Tarnkappe.info

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.