Telegram: Russland sperrt beliebten Messengerdienst

Die zuständige Richterin am Gericht im Moskauer Bezirk Taganski, Yuliya Smolina, hat eine Sperrung des Messengerdienstes Telegram angeordnet. Die Richterin gab mit dem Urteil am Freitag der staatlichen Telekommunikationsbehörde Roskomnadzor recht, die den Fall vor Gericht brachte. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB verlangte von Telegram die Entschlüsselung privater Chats und damit Einblick in die Nachrichten einiger verdächtiger Teilnehmer. Dieser Forderung kam Telegram nicht nach. Der Dienst sollte bereits unmittelbar nach dem Urteil gesperrt werden.

Telegram hat dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB das Entschlüsseln der von Nutzern verschickten Nachrichten verwehrt. Der FSB trat am 12. Juli an den CEO von Telegram, Pavel Durow, mit der Bitte heran, Informationen zur Verfügung zu stellen, die für die Dekodierung von Nachrichten erforderlich sind, die zwischen den Benutzern von sechs Telefonnummern ausgetauscht wurden. Nachdem Telegram die gesetzte Frist verstreichen ließ, beschritt der Geheimdienst den Rechtsweg. Telegram verwies auf die Gewährleistung der Privatsphäre und der Kundenrechte. Durow hält die Forderung der Behörde für verfassungswidrig. Allein rund zehn Millionen Menschen nutzen Telegram in Russland, weltweit sind es 100 Millionen Personen. So ist die kostenlose App auch in Russland äußerst beliebt, weil Nachrichten verschlüsselt vom Absender zum Empfänger gelangen.

Laut Informationen von russland.news wurde die Klage von Roskomnadzor auf die Blockierung von Telegram am 6. April eingereicht. Am 12. April bat Roskomnadzor das Gericht, Telegram sofort nach Bekanntgabe des Urteils zu sperren. An dem Prozess nahmen ausschließlich Vertreter von Roskomnadzor und dem FSB teil. Telegrams Anwälte waren bei dem Treffen nicht anwesend. Noch am Vorabend verbot der Telegram-Gründer, Pavel Durow, seinen Anwälten vor Gericht zu erscheinen, “um die offene Farce nicht durch ihre Anwesenheit zu legitimieren“, schrieb einer der Anwälte auf seiner Webseite.

Während des Prozesses äußerte die Sprecherin von Roskomnadzor, die Forderung nach Sperrung der Messenger-App würde von der Sorge um die Sicherheit der Russen getragen. Der FSB begründete sein Anliegen mit dem Hinweis, ernsten Verbrechen nachzugehen und schloss die Untersuchung von terroristischen Attacken explizit mit ein. Das Urteil wird gemäß des Gerichtsbeschlusses solange in Kraft bleiben, bis Telegram-Mitgründer Pawel Durow den geforderten Zugang zu der App ermöglicht und die Verschlüsselung herausgibt, berichtet die Agentur TASS. Der Gerichtsentscheid kann innerhalb von 30 Tagen angefochten werden. Zuvor hatte Telegram eine Beschwerde in der Sache beim russischen Verfassungsgericht verloren.

Kritik auf die Sperrung des beliebten Messengerdienstes Telegram erfolgte von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Denis Krivosheev, stellvertrender Direktor für Osteuropa, äußerte: “Mit dem Versuch, Telegram zu blockieren, leiteten die russischen Behörden den nächsten Schritt in einer Serie von Angriffen auf die freie Meinungsäußerung im Internet in dem Land ein.”

Bildquelle: mohamed_hassan, thx! (CC0 Public Domain)

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9 Kommentare

  1. Anonymous sagt:

    dreht ziemlich frei dies Russia:
    https://www.ripe.net/ripe/mail/archives/cooperation-wg/2018-April/001252.html

    Kommentar und Tool aus I2P Kreisen:
    https://0xcc.re/russia-shame-on-you-censorship-is-lame/

    https://furu1.censorship.help/I2P-Telegram/
    “a simple bat script that launches a pre configured i2pd daemon to run in background – while it also launches the Telegram portable binary, which is preconfigured to use the SOCKSv5 proxy that the i2pd daemon will provide”.

  2. Lanzi sagt:

    Mit VPN funktioniert alles, einfach die Webversion von Telegram nehmen und gut ist es! Aber Skype von Microsoft wird in Ruhe gelassen ;) damit die Amis auch mitlesen können ;)

  3. Libertarian sagt:

    Eine bessere Werbung kann Telegram ja nicht bekommen, je mehr Regierungen Telegram blockieren desto sicherer und vertrauenswürdiger ist der Messenger. Auf der anderen Seite sollte man sich auch die Frage stellen, weshalb ein deutlich beliebterer Messenger wie Whatsapp trotz angeblicher E2E-Verschlüsselung in Russland weitergeführt werden darf, die Antwort kann nur Kooperation mit den Behörden und umgehbare Verschlüsselung lauten. Was bringt mir E2E, wenn Whatsapp das Geheimnis und die Schlüssel kennt oder bei Belieben die Verschlüsselung anderweitig umgehen kann? Dann reicht auch Transportverschlüsselung. Ich hoffe für die Russen, dass man sich bei Telegram eine massentaugliche Umgehung der Sperren einfallen lassen wird. Man könnte es mit P2P probieren, sodass sich russische Clients mit Clients aus aller Welt getarnt als normaler HTTPS-Traffic verbinden und somit das Problem von IP-Blacklisting der TOR-Nodes umgangen wird. Das sorgt natürlich für höhere Latenzen und hat viele weitere Nachteile, aber wenigstens könnte man dann überhaupt noch sicher kommunizieren. So sehr ich mich in vielen weltpolitischen Themen tendenziell auf die Seite Russlands stellen muss, in Sachen Freiheitsrechte im Internet fehlt nicht mehr viel zur Diktatur, im Vergleich zu europäischen Volkstretern kaufe ich einem Putin allerdings ab, dass er aus durchaus ehrlichen Motiven handelt, das macht es allerdings auch nicht besser. Pavel Durow ist für mich ein richtiges Vorbild, schon bei vk.com hat er bewiesen, dass er Eier hat und nicht davor scheut sich mit den ganz großen anzulegen, wenn es sein muss.

  4. Tom sagt:

    The power that local governments have over IT corporations is based on money. At any given moment, a government can crash their stocks by threatening to block revenue streams from its markets and thus force these companies to do strange things (remember how last year Apple moved iCloud servers to China).

    At Telegram, we have the luxury of not caring about revenue streams or ad sales. Privacy is not for sale, and human rights should not be compromised out of fear or greed.

    Pavel Durov, 13 April 2018

  5. anon sagt:

    So what? Unsere Regierung machts halt heimlich mit dem Bundestrojaner.
    Aus technischer Sicht macht ein Blocken auf welche Art auch immer natürlich überhaupt keinen Sinn. Es wird immer noch eine andere App da draußen geben, mit der sich auch weiterhin verschlüsselt kommunizieren läßt. Alles Kosmetik. Der Kampf gegen den Terror darf schließlich niemals enden; immer fehlt noch eine letzte Anstrengung.

    • Marek Meier sagt:

      Ein Bundestrojaner von FinFisher wieder, der wie gehabt nur Windows kann. Jeder der von der Materie etwas Plan hat nutzt Linux mit WindowsVM wenn unbedingt nötig.

  6. Marek Meier sagt:

    Finde die Nachricht verwirrend, richtig blockiert, so dass man es mit VPN nicht mehr nutzen kann oder nur so halbherzig wie in Brasilien damals wo es mit VPN ging trotz Aufforderung es zu blocken bei den ISPs?

    Ehe jemand sagt Russland und VPN´s jaja ich weiß ist wegen dem FSB etwas tricky, geht aber trotzdem. Ohne Werbung zu machen, das Premiumize dort geht weiß ich.

    • Lanzi sagt:

      Mit VPN funktioniert alles, einfach die Webversion von Telegram nehmen und gut ist es! Aber Skype von Microsoft wird in Ruhe gelassen ;) damit die Amis auch mitlesen können ;)

  1. 13. September 2018

    […] Dennoch wird, nach Angaben Durows, Telegram auch weiterhin nicht mit russischen Behörden kooperieren. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB verlangte von Telegram Einblick in die Nachrichten einiger Teilnehmer. Dieser Forderung kam Durow nicht nach. Als Folge davon ist Telegram seit dem 13. April dieses Jahres in Russland gesperrt. […]

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