Telegram: bald mehr als 2.500 Teilnehmer in unserer öffentlichen Gruppe!

Der Spiegel bezeichnet Telegram als Darknet für die Hosentasche. Doch es gibt weiterhin gute Gründe, warum wir an diesem Messenger festhalten.

„Russlands Zuckerberg“, wie Pavel Durov gerne von manchen Medien genannt wird, hat mit Telegram einen Messenger-Dienst erschaffen, der sich bisher recht erfolgreich der Kontrolle und Überwachung der Behörden und Geheimdienste entzogen hat.

Auch wenn Durov niemanden in den Quellcode seiner Server schauen lässt, so verspricht Telegram mehr Unabhängigkeit und Freiraum, als viele andere Messenger zusammen. Leider können einige Zeitgenossen mit dieser Freiheit nichts anfangen. Sie verkaufen darüber illegale Waren oder missbrauchen den Cloud-Messenger zur Verbreitung ihrer Verschwörungstheorien.

Telegram-Gruppe von Tarnkappe.info besteht seit Oktober 2017

Auf dem Foto des Spiegel-Artikels (hinter PayWall) sieht der Telegram-Gründer wie jemand aus, der gleich auf ein Kamel steigt, um wochenlang durch die Wüste zu reiten. Am Bauch ist kein Gramm Fett zu sehen, der Blick wirkt entschlossen. Die Kleidung erinnert zudem an Alec Guiness in seiner Rolle als Obi-Wan Kenobi.

Die Spiegel-Redakteure stören sich offenkundig an der Tatsache, dass Telegram so erfolgreich ist. Der Messenger wurde weltweit 550 Millionen Mal installiert. Damit belegt Durovs Software laut Statista Platz fünf hinter WhatsApp, dem Facebook Messenger und den alleine in Asien wichtigen Playern Weixin/WeChat und QQ, ebenfalls entwickelt von Tencent.

Warum sind wir immer noch bei Telegram?

Ganz einfach: Wer verschlüsselt chatten will, kann es dort tun. Der Inhalt unserer öffentlichen Gruppe ist manchen Behörden sowieso bekannt. Wir haben schon mehrere Bots entdeckt, die nichts anderes tun, als alle geposteten Inhalte direkt mitzuschneiden. Sollen sie doch.

Wir haben bei uns ein klares Regelwerk festgelegt. Wer sich nicht daran hält, fliegt schneller, als er bis drei zählen kann. 12 menschliche Admins und zahlreiche Bots sorgen für Ordnung. Und das fast rund um die Uhr. Das Angebot illegaler Inhalte, Dienstleistungen oder Waren ist verboten. Auch darf niemand zu Straftaten auffordern, keine verfassungsfeindlichen Aussagen tätigen oder Verschwurbelungs-Kram posten. Wer unsere Regeln missachtet, fliegt sofort aus der Gruppe raus.

durov, instagram

Durovs andauernder Zwist mit der russischen Führung. Quelle: Screenshot seines Instagram-Accounts.

 

Messenger aus den USA kommen nicht infrage

Wir haben von ein paar Monaten das dezentrale Netzwerk Matrix ausprobiert. Es wirkte aber unausgegoren und bietet einem bei weitem nicht die Features, die wir von Telegram gewohnt sind.

US-amerikanische Online-Dienste wie beispielsweise Slack oder Discord kommen für uns grundsätzlich nicht infrage. Datenschutz ist in den USA praktisch nicht vorhanden. Mal ganz davon abgesehen, dass sich Durov zumindest bemüht, den Geheimdiensten keinen Zugang zu unseren Daten zu gewähren. Ob sie durch selbst geschaffene Hintertüren nicht doch daran kommen, wissen wir nicht. Wo die Telegram-Server überall in der ganzen Welt verteilt stehen, weiß wohl auch nur das Team von Durov selbst. Und das ist auch so gewollt. Trotzdem muss der Exil-Russe aufpassen, damit seine Software nicht aus den App Stores von Apple und Google rausfliegt. Würde das passieren, wäre Telegram sehr bald bedeutungslos und würde das Schicksal der Chat-App Parler teilen.

Telegram ist das Darknet für die Westentasche? Ja, Kriminelle treiben sich dort auch herum. Doch nach denen muss man auch bei Facebook, Instagram, WhatsApp & Co. nicht lange suchen, ganz im Gegenteil. Cyberkriminelle setzen bekannte Messenger mit Vorliebe ein. Sie richten sich häufig nach den Vorlieben ihrer Kunden. Wird einer ihrer Accounts gesperrt, besorgen sie sich einfach einen neuen. Das ist im Clear- und Darknet kein Problem.

Telegram

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Themen unserer Gruppe

Grundsätzlich dreht sich die Konversation in unserer öffentlichen Telegram-Gruppe um die Themen, die wir primär im Blog und Forum behandeln. Das wären also Datenschutz, Verbraucherschutz, IT-Sicherheit (Cybercrime), Technik und last, but not least Urheberrecht. Doch zudem gilt: Was letztlich besprochen wird, bestimmen die Teilnehmer.

Und wie gesagt. Der Chat ist nicht verschlüsselt und kann von jedem Gast aufgezeichnet werden. Wer also glaubt, unbedingt mit irgendwelchen Straftaten prahlen zu müssen, die er begangen hat, der darf gerne auch mit den entsprechenden Konsequenzen leben. Das ist dann nicht mehr unser Problem.

telegram blog about animated backgrounds

Bildquelle Blog von Telegram über animierte Hintergründe, thx!

Ausblick in die Zukunft

Man wird sehen, wie Durov seinen Dienst mittelfristig finanzieren wird, um bei 500 Millionen App-Installationen alle Kosten zu decken. Die Idee mit der Geldsammlung per ICO wurde in den USA gerichtlich untersagt. So wird Durov an kein Geld kommen.

Werbung? Ja, aber es darf nicht zu viel sein, sonst springen die Leute ab. Die entscheidende Frage wird also sein: Wie viel ist schon zu viel für die meisten Anwender? Wie wenig reicht aus, um nicht nur die Kosten zu decken, sondern um Gewinne einzufahren?

Klar geht es dem Geschäftsmann ums Geld verdienen. Doch bisher hat er seinen Online-Dienst frei von Werbung gehalten. Und unser aller Daten hat er offenbar auch noch nicht gegen klingende Münze an Dritte verkauft. Das ist bei Facebook & Co. täglich gang und gäbe. Bei den führenden US-Tech-Konzernen verfügt die NSA ja sogar über eigene Räumlichkeiten, damit sie ganz in Ruhe auf alle verfügbaren Daten zugreifen und diese auf ihren eigenen Servern auswerten können. So viel Kontrollverlust und Überwachung kann niemand wollen, der darüber in Ruhe nachdenkt. Selbst die Menschen nicht, die wirklich nichts zu verbergen haben!

Durov about ISIS vs. Privacy

Warum wir den Mann mögen? Weil er Rückgrat hat. Und weil er nicht direkt kuscht! Quelle.

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Die Software für Android, iOS, Linux, macOS und Windows gibt es werbefrei und kostenlos hier!

In unserer Gruppe sind derzeit inklusive der Bots 2.470 Personen angemeldet. Nach der Telegram-Installation und Anmeldung, kannst Du unserer öffentlichen Gruppe gerne hier betreten.

Wenn Du Dich für aktuelle Tech-Themen und die wachsende Überwachung durch Firmen und Geheimdienste interessierst, wirst Du bei uns sicher Gleichgesinnte finden, mit denen Du Dich austauschen kannst!

Wir wünschen Dir beim Chatten viel Spaß und freuen uns auf Dich!

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.