Stuttgart 21: Was wurde eigentlich aus Dietrich Wagner? (Repost)

Nicht nur Stuttgart 21-Gegnern ist Dietrich Wagner ein Begriff. Nach dem Einsatz eines Wasserwerfers im September 2010 ist er fast blind.

Nicht nur den Stuttgart 21-Gegnern dürfte der Name Dietrich Wagner ein Begriff sein. Seit dem Einsatz eines Wasserwerfers am 30. 09. 2010 ist der Rentner nahezu erblindet. Wir wollten wissen, ob es je zu einer Aussöhnung mit den Verantwortlichen kam und was aus ihm geworden ist. Das Interview stammt aus dem Frühjahr 2011 und wurde ursprünglich bei gulli.com veröffentlicht.

Wer an dieser Stelle ausführliche Abhandlungen der Geschehnisse vom 30. September 2010 oder Aussagen voller Selbstmitleid erwartet, sollte lieber gleich wieder abschalten. Das wohl populärste Opfer deutscher Polizeigewalt spricht höchst ungern über den genauen Verlauf dieses Tages. So manches scheint er schon verdrängt zu haben. Der Rest ging im Verlauf der ersten sechs Monate nach dem Vorfall unter. Damals stand seine Heilung, das Zurechtfinden im Alltag und nicht Rache oder die vergangenen Geschehnisse im Vordergrund. Dazu kommt, dass er zu den Menschen gehört, die grundsätzlich nicht zu Selbstmitleid neigen. Er trägt sein Schicksal mit Fassung. Zumindest so lange jemand zuhört, der davon berichten könnte.


Eigentlich ist ihm die ganze öffentliche Anteilnahme, die Telefonate und die Gesprächstermine mit Journalisten unangenehm. Wagner hätte am liebsten sein Leben mit seiner Freundin ohne jedes Aufsehen verbracht. Im Zentrum des öffentlichen Interesses zu stehen ist nicht so seine Sache. Mit den derzeit vorbereiteten Fernseh- und Radioberichten hofft er aber, dass die Geschehnisse des 30. September nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Nicht nur im „Ländle“ soll man sich noch lange daran erinnern, was Ende September letzten Jahres in Stuttgart passierte. Vor allem aber, was Frau Merkel, Herr Mappus und viele andere direkt oder indirekt zu verantworten haben.

Dietrich Wagner

Dietrich Wagner in seiner Wohnung. Foto: privat.

Lars Sobiraj: Was haben Sie eigentlich früher beruflich gemacht?

Dietrich Wagner: Ich habe im Studium nach ein paar Semestern Physik gemerkt, dass die hohe Mathematik für mich zu theoretisch war. Später arbeitete ich als Ingenieur. Ich habe an der Entwicklung von Geräten gearbeitet, um diese vor elektrostatischen Einflüssen zu bewahren.

Lars Sobiraj: Haben Sie denn Kinder?

Dietrich Wagner: Nein, damals war mir das nicht so wichtig und als junger Mensch möchte man ja auch sein Leben erstmal genießen. Und jetzt ist es für die Familienplanung natürlich viel zu spät.

Demonstration gegen Stuttgart 21 eher zufällig besucht…

Lars Sobiraj: Wie kam es dazu, dass sie bei Demonstrationen gegen Stuttgart 21 anwesend waren?

Dietrich Wagner: Ich bin Rentner und habe viel Zeit. Anfangs hörte ich aus dem Radio und Zeitungen von der Bürgerbewegung gegen den Bau. Ich bin ein paar Wochen vorher aus reinem Interesse zum Stuttgarter Bahnhof gefahren. Ich habe ab Ende August sehr viel sowohl mit Befürwortern als auch mit Gegnern des Projektes gesprochen und mich über alles informiert. Schnell bekam ich den Eindruck, dass dieses Vorhaben von Herrn Mappus und Frau Merkel nicht vorangetrieben wurde, weil sie dem Volk etwas Gutes tun wollten. Aus rein wirtschaftlicher Sicht macht der Neubau des Bahnhofes nämlich überhaupt keinen Sinn. Ich war in den Tagen vor dem 30. häufiger dort, um gegen S21 zu demonstrieren.

Lars Sobiraj: Wie verlief die Demonstration am Unglückstag und wie passierte das mit Ihrer Verletzung?

Dietrich Wagner: Ich will nicht alles wiederholen, das meiste werden Sie ja eh aus den Medien kennen. Am 30. war vorher eine Schülerdemonstration und als die vorüber war, gingen die Schüler rüber zum Schlossgarten. Das müssen Sie sich mal vorstellen. Da waren Tausende Beamte in grünen und schwarzen Uniformen. Und auch ganz andere Polizisten, als ich sonst im Schlossgarten gesehen habe. Die waren gepanzert wie für den Einsatz in einem Bürgerkrieg. Bei der Räumung lief es wie an der Front ab. Die anderen Bürger versuchten die Verletzten mit dem Notdürftigsten zu versorgen und haben deren Augen mit Mineralwasser ausgespült. Es war schrecklich.

Lars Sobiraj: Aber sich als Polizist zu schützen ist ja nicht verkehrt. Nicht jede Demonstration verläuft friedlich.

Dietrich Wagner: Nein, aber das zu beobachten war schon abenteuerlich. Es sah alles wie ein abgekartetes Spiel aus. Irgendwer muss den Verlauf der Demonstration schon vorher ganz genau geplant haben. Uns kam es so vor, als wenn die Polizei es auf eine Konfrontation angelegt hatte. Die wollten eine Rechtfertigung dafür haben, die Bürger mit Gewalt zu vertreiben. Ich selbst habe das nicht beobachten können aber viele andere Menschen haben Personen mit merkwürdigen Ohrenstöpseln gesehen. Manche davon sollen versucht haben systematisch Krawall zu schlagen. Ein Bekannter von mir hat gesehen, wie jemand mit Ohrenstöpseln einen Polizisten in den Rücken geschlagen hat. Wir Parkschützer waren wirklich total friedlich.

 

Interview mit Dietrich Wagner (Teil 1) von fluegel.tv.

Lars Sobiraj: Es wurde aber auch gesagt, dass die Demonstranten Steine geworfen haben…

Dietrich Wagner: Nein, das ist nicht wahr. Wir haben uns friedlich verhalten. Wissen Sie, die ganze Aktion hätte doch ganz anders verlaufen können. Wenn es wirklich darum gegangen wäre das Gelände zu räumen, hätte man mit wenigen Einsatzkräften um 2 Uhr Nachts die 20 oder 40 anwesenden Demonstranten abtransportieren können. Okay, wir haben per SMS so ein Notfallsystem und hätten dann versucht, weitere Demonstranten so schnell wie möglich in den Park zu bekommen. Aber auch das hätte nichts gebracht. Mitten in der Nacht hätte man das Gelände mit vergleichsweise wenig Polizisten weiträumig absperren können. Und wenn am nächsten Mittag die meisten Leute kommen wollen, wären sie wegen der Absperrung schon nicht mehr in den Park gekommen. Das wäre viel weniger Aufwand gewesen. Deswegen glaube ich auch nicht, dass es in erster Linie um die Räumung des Parks ging.

Lars Sobiraj: Sondern?

Dietrich Wagner: Das war ein Versuch von Frau Merkel und Herrn Mappus auszuprobieren, ob man der Bevölkerung etwas aufdrücken kann, was sie nicht haben wollen. Man wollte schauen, wie die Menschen darauf reagieren. Es wurde geprüft, wie viel danach protestiert wird und wie sich die Medien verhalten. Mit einer Demokratie hat das nichts zu tun. Wie gesagt, Herr Sobiraj, das war wie im Krieg! Es gab zwar Lautsprecherdurchsagen, dass wir das Gelände räumen sollen. Aber bei dem Pfeifkonzert hätten wir sowieso nicht verstehen können, was die von uns wollen.

WaWe 9000 auf dem G8-Gipfel, 2007. Foto: Marek Peters, GNU Free Documentation License Version 1.2.

Lars Sobiraj: Waren Sie die ganze Zeit am gleichen Ort oder wurden Sie zwischenzeitlich weggebracht?

Dietrich Wagner: Nein, ich war immer an der gleichen Stelle. Ich habe am 30. September natürlich auch nicht alles sehen können. Aber wissen Sie, die heutigen Jugendlichen. Da hat ja jeder Zweite ein Handy und hat Bilder und Videos aufgenommen. Das war natürlich sehr gut, um das hinterher dokumentieren zu können.

Lars Sobiraj: Was sagen Sie zu der Theorie mit den Agent Provokateuren?

Dietrich Wagner: Das habe ich wie gesagt selbst nicht sehen können, aber es wurde mir vielfach erzählt. Da gab es einfach zu viele Unstimmigkeiten. Das war Ende September wie eine Schlacht. Der Staat hat einen Krieg gegen uns angezettelt und geführt. Und hinterher wurde noch behauptet, das wäre alles mit rechten Dingen zugegangen. Auch das Ergebnis vom Untersuchungsausschuss, einfach lächerlich. Wir sind immer wieder von den Politikern belogen worden.

Lars Sobiraj: Das Bild mit den zwei Begleitern ist durch alle Medien gegangen. Haben Sie noch Kontakt?

Dietrich Wagner: Ich war erstmal im Krankenhaus und versuchte mich zu erholen. Es ging glücklicherweise recht schnell, dass wir die beiden jungen Männer ausfindig machen konnten. Ich möchte mich nochmals herzlich bei euch dafür bedanken, dass ihr mich da rausgezogen habt aus dem Schlamassel. Ich muss bei dem Einsatz des Wasserwerfers ohnmächtig geworden sein, ich kann mich gar nicht mehr so genau erinnern. Die beiden Helfer haben mich regelrecht aus dem Dreck und Schlamm gezogen.

Lars Sobiraj: Hat die Polizei geholfen?

Dietrich Wagner: Die Polizei? (Stille in der Leitung – dann ein bitteres Lachen) Nein, Herr Sobiraj, von denen hat mir niemand geholfen.

Polizeibeamte mit Joystick bewaffnet. Der Wasserwerfer als Bürger-Shooter.

Lars Sobiraj: Wissen Sie denn, wer Sie im Wasserwerfer beschossen hat?

Dietrich Wagner

Dietrich Wagner. Foto privat, danke!

Dietrich Wagner: Ach, die saßen da drin, als wenn sie ein Computerspiel spielen würden und haben sich auch noch köstlich amüsiert. Den Namen haben wir leider nicht. Mein Anwalt und ich haben auch noch nicht entschieden, ob wir den Polizisten anzeigen wollen.

Lars Sobiraj: Und wie geht es Ihnen derzeit?

Dietrich Wagner: Mein Gesichtsfeld ist halt sehr eingeschränkt. Ich könnte mich operieren lassen, um eine Brille mit 10 Dioptrin zu tragen. Möglicherweise könnte man das Gesichtsfeld erweitern aber ich möchte mich nicht mehr operieren lassen. In meiner Wohnung kann ich mich ganz gut bewegen, da kenne ich mich aus.

Aber über eine stärker befahrene Straße kann ich nicht mehr alleine gehen. Bis ich sehe, ob ein Auto kommt, ist es schon vorbei gefahren. Am Steuer eines Autos oder Motorrads zu sitzen geht natürlich auch nicht mehr. Draußen kann ich mich nur teilweise ohne fremde Hilfe bewegen. Größere Helligkeitsunterschiede kann ich sehen, mehr aber auch nicht. Manchmal trete ich vor und habe die Stufe vor meiner Nase nicht gesehen. Anfangs konnte ich mich nicht mal alleine anziehen, das geht jetzt aber wieder. Nur meinen Bart kann ich nicht rasieren, das macht meine Lebensgefährtin, der würde sonst nur noch aus Stufen bestehen. (er lacht!)

Lars Sobiraj: Ist denn jemand aus der Politik oder der Polizei auf Sie zukommen zwecks einer Aussprache?

Dietrich Wagner: Mich und zwei andere Opfer hat man wenige Tage nach dem Vorfall angesprochen. Innenminister Fritz Ulrich liess fragen, ob er mich im Krankenhaus besuchen dürfe. Die beiden anderen Betroffenen wollten ihn nicht sehen, aber ich wollte ihm meine Meinung sagen.

Politiker hat Krankenbett ohne Aussöhnung wieder verlassen

Lars Sobiraj: Kam es dazu?

Dietrich Wagner: Na ja, wir waren natürlich völlig unterschiedlicher Meinung. Ich fand den Einsatz der Polizeikräfte geradezu kriminell und das habe ich ihm auch so gesagt. Er war eine halbe Stunde an meinem Krankenbett und wir kamen nicht überein. Herr Ulrich ist dann wieder gegangen. Mit vielen anderen Opfern des 30. September habe ich auch noch Kontakt. Ich war auch noch häufiger im Schlosspark. Sie müssen wissen, die ganzen Journalisten wollten mich dort fotografieren, wo ich verletzt wurde. Zu Hause wäre mir lieber gewesen. Nur wenige Meter daneben zu stehen wo es passierte, war schon sehr merkwürdig. Anfangs ist vieles hochgekommen dabei. Aber alles was ich an kritischen Aussagen gemacht habe, wurde von den großen Magazinen rausgenommen. Oder sie haben das Interview überhaupt nicht gebracht. Das ist schon komisch, wie sehr die Zeitschriften und Zeitungen beeinflusst werden.

Ganz ehrlich. Ich muss Ihnen sagen, ich finde das Internet gut. Ich war unter anderem bei einem Interview von Flügel.tv. Die haben wenigstens alles drin gelassen von dem Gespräch. Oder schauen Sie sich die Videos im Internet an. Manche Videos wurden ja schon auf Antrag der Staatsanwaltschaft gelöscht.

Lars Sobiraj: Aber nicht jeder Journalist kann unabhängig berichten, selbst wenn er es möchte.

Dietrich Wagner: Ja, ich hatte den Eindruck, da ist viel von oben gedreht worden. Wirtschaft und Politik versuchen über die Medien ihre eigenen Interessen durchzusetzen.

„Wasserwerfer haben nichts mit einer Demokratie zu tun!“

Lars Sobiraj: Glauben Sie, man sollte in einer Demokratie denn überhaupt Wasserwerfer gegen Bürgerinnen und Bürger einsetzen?

Dietrich Wagner: (lacht!) Ja, das ist eine sehr gute Frage. Nein, das sollte man nicht. Selbst die Hooligans in einem Fußballstadion wird man anders abkühlen können. Ich weiß überhaupt nicht, wie man auf die Idee kam, solche Dinger einzusetzen. Das hat doch mit einer Demokratie nichts zu tun, so geht man doch nicht mit seinen Mitbürgern um.

Lars Sobiraj: Gestern wurde ein Polizist wegen ‚Körperverletzung im Amt‘ zu 6.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Er hatte Demonstranten mit Pfefferspray angegriffen. Was sagen Sie dazu?

parkschützer.deDietrich Wagner: Das habe ich natürlich auch gehört. Das finde ich richtig, weil er mehrere Menschen mit Absicht verletzt hat.

Lars Sobiraj: Hat jemand von der früheren Opposition versucht Sie für seine Wahlkampfzwecke zu benutzen? Sie sind ja sehr bekannt. S21 als auch die Vorgänge in Japan haben letztlich die Wahl in Baden-Württemberg entschieden.

Dietrich Wagner: (er überlegt) Nun. Ich wurde eher zaghaft von Leuten von der Linke und den Grünen angesprochen. Ich sollte doch bei denen Mitglied werden, schlug man mir vor. Das wollte ich aber nicht. Druck hat niemand versucht auszuüben.

„Die Polizisten haben nur ihre Befehle ausgeführt.“

Lars Sobiraj: Was sagen Sie denn zum Wahlergebnis?

Dietrich Wagner: Das Wichtigste ist, dass nach so vielen Jahren CDU-Regierung endlich Bewegung in unser Land kommt. Auch die Staatsanwaltschaften und viele andere staatliche Stellen werden von den Machthabern der Politik beeinflusst. Es ist gut, wenn sich da endlich etwas bewegt. Am Abend der Wahl war ich ganz euphorisch, wie betrunken. Aber die von Rot-Grün haben im Landtag von den Sitzen her nicht so eine große Mehrheit. Die CDU wird alles daran setzen, es denen mies zu machen damit sie nach einem Jahr sagen können: Seht her, die können es auch nicht besser. Wir werden sehen, wie sich das alles entwickeln wird.

 

Interview mit Dietrich Wagner Teil 2 von fluegel.tv auf Vimeo.

Lars Sobiraj: Sie sprachen schon von Ihrem Rechtsanwalt. Mit welcher Zielsetzung wollen Sie vor Gericht gehen?

Dietrich Wagner: Näheres müssen Sie meinen Anwalt fragen. Der will seine Klage auf vier Punkte aufbauen. Aber mir persönlich geht es vor allem darum, dass öffentlich anerkannt wird, dass das Vorgehen der Polizei nicht korrekt war. Die Polizisten sehe ich dabei nicht als die Schuldigen. Die haben doch auch nur ihre Befehle von oben ausgeführt. Was am 30. September gemacht wurde war einfach nur kriminell. Und das soll auch das Gericht bestätigen.

„Hätte ich die Wahl, würde ich zu Hause bleiben, ganz einfach.“

Lars Sobiraj: Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, was würden Sie am 30. September anders machen?

Dietrich Wagner: Die Frage ist schnell beantwortet. Hätte ich die Wahl, würde ich zu Hause bleiben, ganz einfach.

Lars Sobiraj: Wie ging eigentlich Ihre Lebensgefährtin mit der Situation um – gab es je Vorwürfe?

Dietrich Wagner: Nein, die hat mich immer sehr viel unterstützt. Am Anfang ging es mir auch schon mal schlechter, als klar war, dass die Augen nie mehr wie früher funktionieren würden. Sie hat mir viel dadurch geholfen, indem sie einfach da war.

Lars Sobiraj: Wovon leben Sie derzeit, wie sehen Sie Ihre Zukunft?

stuttgart 21Dietrich Wagner: Ich bin in Rente. Manche Parkschützer hatten die Idee Spenden für mich zu sammeln aber davon halte ich nichts. Ich werde schon unterstützt, das reicht mir. Ich möchte einfach so gut wie möglich gesund werden und wieder selbstständig leben. Und für unser Land wünsche ich mir, dass so etwas nie wieder passieren wird. Dass die CDU-Leitung daraus die Konsequenz zieht, dass sie so nicht mit ihren Bürgern umgehen können. Das darf nie wieder in der Form passieren.

Die anderen Demonstranten haben mir viel Kraft gegeben. Ich bin ja überhaupt nicht gewohnt im Mittelpunkt zu stehen. Mir ist das nicht so angenehm. Aber wenn ihnen so viele Menschen alles Gute wünschen und hinter ihnen stehen, werden sie förmlich von denen getragen. Das ist schon toll.

An dieser Stelle vielen Dank an die Parkschützer, die dieses Telefoninterview ermöglicht haben. Sie waren es auch, die die Fotos von ihm in seiner eigenen Wohnung aufgenommen haben. Obwohl Herr Wagner anfangs dagegen war, rufen wir trotzdem zu einer Spendenaktion für ihn auf. Wer etwas zu seinen Gunsten spenden möchte um beispielsweise die anstehenden Gerichtskosten zu decken, hier die Bankverbindung:

Girokonto Nummer: 7853052909
Bankleitzahl: 60050101 (BW Bank Stuttgart)
Kontoinhaber: K. Klinkert
Betreff der Überweisung: Wagner (blinder Demonstrant)

 

Hintergrund

Das Interview stammt ursprünglich aus dem April 2011. Mehrere Aktivisten kontaktierten mich damals, um mir anzubieten, ein Telefoninterview mit Herrn Wagner zu organisieren. Bei meinem damaligen Arbeitgeber gulli.com hatte ich schon mehrere kritische Beiträge und Interviews zum Thema Polizeigewalt veröffentlicht. So war man auf uns aufmerksam geworden. Es wurde ein Termin für das Telefonat anberaumt, was bei einem ihm bekannten Parkwächter stattfand. Herr Wagner wurde zum vereinbarten Zeitpunkt dort hin transportiert, was für ein Aufwand! Leider hat dann mein MP3-Aufnahmegerät versagt und speicherte eine leere Datei mit exakt null Kilobyte ab. Da eine Wiederholung schwierig weil extrem aufwändig gewesen wäre, musste ich seine Antworten aus dem Gedächtnis niederschreiben. Um so wenig Material wie möglich zu verlieren, habe ich das sofort getan. Sehr viel dürfte dabei nicht untergegangen sein.

Wer den schwer verletzten Rentner im Originalton anhören möchte, sollte sich die beiden Videos von Flügel.tv anschauen, die im Beitrag eingebunden sind. Über den Vorfall haben damals viele Medien berichtet. Leider wurden die kritischen Aussagen von Herrn Wagner vielfach zensiert. Das war auch die damalige Motivation der Parkwächter, sich an die Redaktion eines kleinen und somit unabhängigen Mediums zu wenden, damit Wagners Ausführungen nicht wieder verfremdet werden. Da gulli.com offline ist und wohl auch dauerhaft bleibt, haben wir uns zu einer Zweitveröffentlichung dieses denkwürdigen Gesprächs entschieden. Auf die Polizeigewalt bei den Stuttgart 21-Demos folgte bei der nächsten Landtagswahl ein Machtwechsel in Baden-Württemberg. Viel geändert hat sich unter dem Strich leider dennoch nicht.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.