„Smarter“: Die App für Katastrophenfälle funktioniert auch ohne Mobilfunknetz

Article by · 5. Februar 2018 ·

Um für Notfälle, wie Stromausfälle, Cyberangriffe oder Naturkatastrophen, gerüstet zu sein, forschen Wissenschaftler der technischen Universität Darmstadt und der Universität Kassel in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gemeinsam an dem Projekt „Smarter“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Mit dieser App wäre es künftig möglich, in Krisensituationen auch dann zu kommunizieren, wenn das Mobilfunknetz zusammengebrochen ist und es keine Internetverbindung gibt.

Mit den Worten: „Katastrophen und Krisen können jederzeit und überall eintreten, deshalb sollte man sich entsprechend darauf vorbereiten“, hob Professor Matthias Hollik von der Technischen Hochschule Darmstadt, die Bedeutung der Arbeit hervor. Am 30.01.2018 präsentierte das Team die Arbeitsergebnisse in Berlin. Verwendung findet die App, wenn durch Eintreten von Notfällen die Kommunikationsinfrastruktur zum Erliegen kommt. Betroffenen soll es mit Hilfe von „Smarter“ auch dann noch möglich sein, zu kommunizieren und einen Notruf abzusetzen.

„Smarter“ ermöglicht, dass einzelne Smartphones, auf denen die App installiert ist, ein dezentrales, eigenständiges Netzwerk bilden. Über dieses Netzwerk werden Nachrichten zwischen den Nutzern verschlüsselt versendet und somit ist die Möglichkeit zur Kommunikation bei Netzausfall sowohl innerhalb der Bevölkerung als auch mit den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (z.B. Feuerwehr) gegeben.

Die Technik funktioniert dabei ähnlich wie bei Funkgeräten: Über die eigens entwickelte App wird dafür eine direkte Verbindung von Smartphone zu Smartphone (adhoc-Netzwerk) hergestellt, über die Informationen weitergegeben werden können, ohne dass eine zentrale Infrastruktur, wie das Mobilfunknetz, nötig ist. Dazu nutzt die App das WLAN-Modem des Hosttelefons, um sich mit anderen Geräten im Umkreis von 200 Metern bis zu 250 Metern zu verbinden. Jedes Smartphone, das sich in dieser Reichweite befindet, wird wiederum als eine Relaisstation verwendet, um die Nachricht an alle weiteren Smartphones in dessen Umgebung zu senden, bis sie das Zielgerät erreichen. Weiterhin in der App enthalten ist eine Offline-Enzyklopädie, in der Gefahrensituationen aufgelistet sind, und die Ergebnisse, Zusatzinformationen und ein Schritt-für-Schritt-Tutorial zur Ersthilfe bereitstellt.

Dabei untersuchte das Forschungsteam solche relevanten Bereiche, wie die technische Umsetzung, die rechtlichen Rahmenbedingungen bis hin zum Verhalten und den Bedürfnissen der Menschen in Krisen und Katastrophen. Dies wurde in einem Feldtest erprobt. Dieser Versuch lieferte bereits im September 2017 erste Ergebnisse. In einer groß angelegten Krisenübung auf dem Militärübungsplatz bei Paderborn wurden 125 Probanden in eine gestellte Notsituation bei Stromausfall gebracht. Es zeigte sich, dass die App für die Ersthilfe gut zu gebrauchen war. So beschrieb ein Tester das Programm als leicht bedienbar und hilfreich, ein anderer hingegen bemängelte die noch nicht so gut funktionierende Offline-Chatfunktion. Die Technik wurde bisher allerdings nur auf Androidgeräten angewendet. Professor Matthias Hollik erklärt, bis die Technik alltagstauglich wird, wäre es noch ein weiter Weg. Normale Nutzer könnten die App vorerst leider nicht herunterladen, da die Geräte nicht von Haus aus eine direkte Kommunikation unterstützen: „Wir mussten sie technisch modifizieren und tief in die Smartphones eingreifen.“

Die Forscher meinen, immerhin wurde eine technische Grundlage geschaffen, alles weiter müssen nun die Gerätehersteller veranlassen und umsetzen. Lutz Diwell vom Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit stellt heraus: „Krisenbewältigung kann man nur als gemeinsame Aufgabe von Staat und Wirtschaft sehen.“ Die Unternehmen müssten Beiträge leisten, um den Staat in seiner Reaktionsfähigkeit zu erhalten und zu stützen.

Bildquelle: Pexels, thx! (CC0 Public Domain)

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