Sachsen – Tatort Internetmafia? Gut & Böse oder viele Grautöne?

Sachsen - Eldorado der Internetmafia Deutschlands? Zumindest wenn man dies der dort ansässigen Justiz glaubt. Besonders Leipzig soll ein Tummelplatz sein.

Internetmafia

Sachsen, ein beschauliches Bundesland im Osten Deutschlands. Hier soll das Eldorado der deutschen Internetmafia sein. Zumindest wenn man den Worten der dort ansässigen Justiz Glauben schenkt. Insbesondere die schöne Stadt Leipzig soll ein Tummelplatz der Urheberrechtsverletzer darstellen. Was ist dran an den Gerüchten?


Ein paar Beispiele: Was haben Kino.to, 1load.net oder shiny-flakes.to gemeinsam? Alle sind angeblich „Made in Leipzig“. Die Betreiber dieser Seiten seien alle im Alter von 20-30 Jahren. Auch bei anderen deutschen großen Sites sagt man den Admins nach, sie würden aus der Gegend um Leipzig kommen. Shiny-Flakes.to sticht allerdings etwas heraus: Hat die Webseite tatsächlich ihre Millionen durch Urheberrechtsverletzungen eingenommen? Oder war es vielmehr DER digitale Drogenumschlagplatz im Internet – und für jeden zugänglich?

Internetmafia made in Leipzig?

Betrachten wir mal die Internetmafia, die ihre Millionen mit Warez macht. Kastriot und Kreshnik S. aus der Nähe von Lübeck sollen die Betreiber von Deutschlands Warez-Seite Nummer 1 sein. Angeblich haben sie damit Millionen gescheffelt, wenn man der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) glaubt. Zudem sollen sie äußert gewaltbereit sein. Stimmt das so? Oder wird den Medien da etwas verkauft, weil man einen internationalen Haftbefehl rechtfertigen will? Kommen zur Steuerhinterziehung auch noch skrupellose Brandstiftung und Erpressung dazu, wird das Ganze schon dramatischer. Aber nun kommen wir zum kleinen Haken. Wie bei Shiny-Flakes lebten die KinoX-Brüder noch im Elternhaus. Interessant ist Folgendes (wenn die Berichte der Medien korrekt sein sollten): Die Eltern wollten nie etwas davon gewusst haben, was ihre Kinder treiben. Klaro. Man hinterfragt ja auch als Mutter oder Vater nicht wie sich das Kind Luxusartikel leisten kann, zumal es nicht arbeiten geht.


Auf der Seite der Guten: INES?

boarding-pass-Selimi-KastriotDie Integrierte Ermittlungseinheit INES Sachsen ist angesiedelt bei der Staatsanwaltschaft Dresden. Ihre Geschichte: Ins Leben gerufen wurde sie von der regierenden CDU vor 10 Jahren. Nach recht bewegten Zeiten soll sie heute im Kern aus ca. zwanzig Mitarbeitern bestehen, unter ihnen Staatsanwälte, Steuerfahnder und IT-Forensiker. In den letzten Jahren ist sie hauptsächlich gegen Korruption in Unternehmen vorgegangen. Doch seit Kino.to scheint sie ein neues Feld entdeckt zu haben: die Internetpiraterie. Und sie wird seit Jahren immer umstrittener. Aus Teilen der sächsischen Politik werden immer mehr Rufe laut, sie abzuschaffen. Beschwerdegrund: Ineffizienz und völlig überzogene Maßnahmen gegen Beschuldigte auf Kosten der Steuerzahler.

INES kontra KinoX: komischer Beigeschmack

Bereits Wochen vor der Razzia gegen die beiden Brüder hat die INES zwei Personen im Fall KinoX.to festgenommen und in U-Haft gesteckt. Ob sie immer noch dort sitzen, ist hingegen nicht bekannt. Von verschiedenen Seiten wird bemängelt, U-Haft würde in Deutschland immer häufiger von der Justiz missbraucht um Personen zu brechen und zum Reden zu bringen. Für die Betroffenen ist die U-Haft mit einem gigantischen Scherbenhaufen gleichbedeutend, sowohl finanziell als auch privat. Selbst dann, wenn sie später als „unschuldig“ freigesprochen werden.

In der Szenebox wird spekuliert, die Gebrüder Selimi seien lediglich die Sündenböcke, die für die wahren Täter (also die Internetmafia) in der Öffentlichkeit die Köpfe als vornehmliche Betreiber hinhalten. Sie sollen mutmaßlich auch hinter thepiratebay.to, bitreactor.to, torrent.to und mindestens 17 anderen Webseiten stecken. Aber ob man tatsächlich gleichzeitig 20 Web-Projekte mit nur 2 Personen leiten kann, wird sich wohl kein Journalist gefragt haben. Die lieben Kollegen von der Presse haben wohl aus Zeitnot die Aussagen des Generalstaatsanwalts bzw. der GVU abgeschreiben oder im besten Fall umformuliert.

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Bildquelle: David Weekly bei Flickr, thx! (CC BY 2.0).

Selimis haben sich erfolgreich abgesetzt

Über die Effizienz der INES bei der Verfolgung der Kinox.to-Betreiber kann man nett gesagt unterschiedlicher Meinung sein. INES hatte bereits 2013 Beschlagnahmungen vorgenommen. Somit konnte man infolge der Auswertung eine Verbindung zu den beiden mutmaßlichen KinoX-Betreibern herstellen. Letztes Jahr wurden weit vor der letzten großen Razzia zwei Verdächtige und weitere Personen festgenommen. Den beiden Hauptverdächtigen konnte man trotzdem nicht habhaft werden. Offenbar konnten sich die Brüder vorher absetzen. Wurden sie eventuell gewarnt?. Und KinoX ist weiterhin online, als wäre nie etwas geschehen. Hatte man nicht das Elternhaus der beiden Brüder durchsucht und das ganze Kinderzimmer samt PCs, Festplatten und Technik abtransportiert? Kinox.to ist weiter auf Sendung – die Zugangscodes fehlen den Ermittlern bis heute. Ein erfolgreicher Abschluss der Emittlungen dürfte freilich ganz anders aussehen. Darüber wird leider weder beim Spiegel noch bei Focus oder bei anderen Medien berichtet.

Habt Ihr Infos? Wisst Ihr mehr?  Wie geht es weiter mit KinoX? Wer nicht die 110 anrufen möchte, „sachdienliche Hinweise nimmt jede Tarnkappe-Kommentarspalte entgegen …“ Gerne auch anonym über unser Kontaktformular.

 

Bildquelle: Warez via Phototopin (license)

Artikel: Mysterion, redaktionelle Unterstützung von Perseus & Ghandy.