Rezension: Baazlabeth von Stephan Russbült

Stephan Russbült führt uns in das beschauliche Städtchen Brisenburg, in der ein uralter Kriegerdämon seine baldige Heimkehr herbeiwünscht, mysteriöse Morde aufgeklärt werden müssen und eine rätselhafte, düstere Prophezeiung auf ihre Erfüllung wartet. Die beiden Romane um den Dämon Baazlabeth (Dämonengold Teil 1, Dämonenzeit Teil 2) sind in der gleichnamigen Dilogie 2011 im Verlag Bastei Lübbe erschienen.

Stephan Russbült wurde am 22. Dezember 1966 in Rendsburg in Schleswig-Holstein geboren. Nach einer Lehre als Großhandelskaufmann studierte er an einer Fernuniversität BWL und arbeitet heute als leitender Angestellter. Aus seiner langjährigen Begeisterung für Fantasy-Rollenspiele erwuchs auch seine Leidenschaft, Geschichten zu Papier zu bringen. Stephan Russbült ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt heute in Breiholz nahe dem Nordostseekanal.

Dein Auftrag soll es sein …bize de la tras …zu wandeln durch die Straßen …nep trep de falf de noin… und zu verdienen dein tägliches Brot …Nibel erk da balam de trunas bit erk di ba de balam…Der Lohn für deine Arbeit soll nur erwachsen aus Tätigkeiten, die mit Sitten und Gesetz im Einklang stehen…Nubel nom akas de fi daran de bibizetna goltaks…Dein Auftrag soll beendet sein, wenn es dir gelungen ist, fünftausend Goldstücke anzusammeln.” Mit genau diesen Worten definiert der Magier Nemrothar dem von ihm herbeigerufenen, mächtigen Kriegerdämon Baazlabeth seine künftige Aufgabe. Auf unbestimmte Zeit wird er dadurch in der Stadt Brisenburg festsitzen, denn erst, wenn die Weisung erfüllt ist, darf er zurück. Und das gerade zu einem für den Dämon sehr ungünstigen Zeitpunkt. Ausgerechnet da wurde er beschworen, als sich nach einer langen Periode der ständigen Einsamkeit und grenzenloser Langeweile endlich mal wieder ein Mensch in seine Dimension verirrte, der eine sehr erfreuliche Abwechslung für ihn bot im Gegensatz zu den sonst vorhandenen Lemuren – und der eine willkommene Mahlzeit verheißen sollte, wenn nicht…

Also macht sich Baaszlabeth in Menschengestalt auf, ausgestattet nur mit einer magischen Holztruhe, die Aufgabe zu erfüllen. Kein Problem, denkt Baazlabeth. Doch so einfach wie er sich das vorgestellt hat, ist es bei weitem nicht. Brisenburg, die Stadt, in der er landet, ist keine reiche Stadt. Die Schatztruhen von Lord Brackenmore sind leer und die Goldstücke, die nicht redlich verdient sind, füllen die Truhe keineswegs. Sie lösen sich vor seinen Augen in Luft auf. Das sollen aber bei weitem nicht die einzigen Schwierigkeiten bleiben, die sich ihm in den Weg stellen. Als Dämon unter Menschen hat Baaszlabeth es wahrlich nicht leicht. Nichts ist in der Menschenwelt so, wie es auf den ersten Blick für ihn erscheint. Selbst ganz banale Dinge, wie die Bestellung des Abendmahls, gestalten sich für ihn schwierig. Ihn dürstet nach knusprig gebratenem Menschlein am Spieß, er ahnt aber bereits, dass “Strammer Hans” und “Bauernpfanne”, die auf der Speisekarte angepriesen werden, nicht das enthalten was ihr Name verspricht und so entscheidet er sich ganz spontan für – Artischockenherzen.

Ferner treiben in Brisenburg verschiedene Gilden und Sklavenhändler ihr Unwesen und wollen die Macht über die Stadt erlangen. Nachts treibt sich ein unheimliches Wesen in den Straßen der Stadt herum, das den Menschen das Leben aussaugt. Baazlabeth, immer bemüht den Auftrag von Nemrothar zu erfüllen, wird in Intrigen hineingezogen, von der Inquisition verfolgt und muss feststellen, dass Menschen wesentlich raffinierter, verschlagener und hinterhältiger sind, als ein guter, geradliniger und auf ehrliche Weise boshafter Dämon sich das vozustellen vermag. Und ob das nicht schon ausreichen würde, steht laut einer uralten Prophezeiung hier der letzte Kampf von Gut gegen Böse unmittelbar bevor und kündet vom nahenden Weltuntergang:  Sieben Dämonen treten gegen die sieben Helden des Lichts an. Baazlabeth hält sich selbst für einen dunklen Vorboten der Prophezeiung. Er rechnet im Endkampf mit seinem großen Auftritt. Doch er irrt sich auch hier gewaltig, denn in der Prophezeiung geht es um etwas völlig anderes…

Fazit:

Die Story hat alles an Zutaten, die man sich von guter Fantasyliteratur verspricht, wie Witz, schwarzen Humor, Spannung, eine tolle Story mit überraschenden Wendungen sowie schräge Typen. Einerseits sorgt der Dämon Baazlabeth für humorvolle Belustigung. Plötzlich gezwungen, auf ehrlich Art sein Geld zu verdienen, keinesfalls aber bereit, sich dadurch in irgendeiner Weise zu verbiegen, gerät er völlig unfreiwillig ständig in irgendwelche Fettnäpfchen. Da Baazlabeth aber eigentlich von Natur aus äußert grausam ist, eben ein richtiger Dämon und kein Kuscheltier, ist oftmals gerade daraus eine treffende Situationskomik gegeben. Für den Leser ist das einfach nur lustig mitzuerleben. Er ist der typische Antiheld und Eigenbrödler, entwickelt sich innerhalb der Story kaum weiter und bleibt sich unbedingt stets selbst treu. Andererseits wird eine spannende Geschichte erzählt, die von den Interaktionen zahlreicher weiterer skurriler Geschöfpe lebt. So sorgen Dumpf, der liebenswerte Wirt der Schänke, in der Baazlabeth in seiner Gestalt als Sil Quartier bezogen hat, Moloch, ein übergewichtiger, emotionsloser Mörder, Lilith, ein dämonisches Kind, das er unter seine Fittiche nimmt, Hauptmann Celest, der Baazlabeth für alle Morde in Brisenburg verantwortlich machen will und die kleine Dvergafrau Myrcella, in der mehr steckt, als man so einer kleinen Person zutraut, für nicht weniger gute Unterhaltung. Sie alle machen die Geschichte so zu etwas ganz Besonderem und unbedingt Lesenswertem.

Bildquelle: OpenClipartVectors, thx! (CC0 Public Domain)

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