Rezension: Replay – Das zweite Spiel von Ken Grimwood

Zu den großen Klassikern der Science Fiction gehört Ken Grimwoods 1986 erschienener Roman Replay. 1988 erhielt Grimwood für dieses Buch den World Fantasy Award. Seit dem 31. Januar 2013 gibt es die Lektüre nun auch in digitaler Form, herausgegeben vom Heyne Verlag im Rahmen der Sonderedition “Klassiker der Science-Fiction”. Regisseur Harold Ramis ließ sich durch die in einer Zeitschleife stets wiederholenden Leben in Replay zu seiner 1993 gedrehten Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (orig.: “Groundhog Day”) inspirieren. Ein von Bill Murray dargestellter Wettermann erlebt darin denselben Tag immer und immer wieder.

Ken Grimwood wurde am 27. Februar 1944 in Dothan (Alabama) geboren und starb am 6. Juni 2003 in Santa Barbara (Kalifornien). Tragischerweise erlag er – genau wie seine Romanfigur Jeff – einem Herzinfarkt. Er war mit 59 Jahren fast fünfzehn Jahre älter als Jeff, aber gleichwohl zu jung. Grimwood arbeitete Zeit seines Lebens als Radiojournalist und Schriftsteller. Neben seinem bekanntesten Roman “Replay – Das zweite Spiel” veröffentlichte er weitere Romane und Erzählungen. Er gehört aktuell zu den bekanntesten Autoren im Science-Fiction-Bereich.

Wie wäre es, sein Leben ständig nochmal von vorn zu durchleben, aus vermeintlich begangenen alten Fehlern zu lernen, durch das Treffen von völlig kontroversen Entscheidungen die Weichen neu zu stellen und dabei Platz zu schaffen für alternative, mögliche Realitäten. Diese Frage hat sich sicher jeder Einzelne von uns schon einmal gestellt, aber für den Buchhelden Jeff Winston wird sie sogar beantwortet. Bereits im ersten Satz, auf der ersten Seite stirbt er am 18. Oktober 1988 in seinem Büro an Herzversagen, nur um im Mai 1963 in jenem College zu erwachen, in dem er einst seinen Hochschulabschluss gemacht hat. Offensichtlich ist es ihm vergönnt, sein Leben ein zweites Mal zu wiederholen, mit der Chance, es besser zu machen. Doch bald schon muss er feststellen, dass das Sterben und Wiedererwachen kein Ende mehr nimmt.

 

replay_2Natürlich strebt Jeff bereits im zweiten geschenkten Dasein positive Veränderungen für sich an. Mit seiner bisherigen Existenz unzufrieden, er war Nachrichtendirektor am WFYI-Radiosender in New York und seine Stellung dort „klang beeindruckender, lukrativer, als sie tatsächlich war“, wollte er nun zunächst reich werden. Er hielt das für eine gute Möglichkeit, um die gewünschten Verbesserungen herbeizuführen. Mit dem Wissen aus der Vergangenheit war es für ihn kein Problem, viel Geld durch gezielte Wetten oder profitable Aktienkäufe anzuhäufen. Er heiratet eine andere Frau, hat zum ersten Mal sogar ein Kind. Sein zweites Leben erscheint ihm nun perfekt, doch dann ist es – viel zu zeitig – für ihn erneut soweit, er erlebt den 18. Oktober 1988 ein zweites Mal, befindet sich in einer völlig anderen Situation als beim ersten Mal – und stirbt trotzdem. Und kommt im Jahr 1963 wieder zu sich, ein weiteres Replay beginnt und noch eines und noch eines…

Schließlich trifft er auf eine Frau, Pamela, der genau wie ihm wiederholte Leben geschenkt werden. Sie sind sich sofort sympathisch und beschließen beide, künftig gemeinsame Leben zu verbringen und so vielleicht etwas über dieses Phänomen herauszubekommen. Wird es den beiden am Ende gelingen, ein einziges, endliches und unkorrigierbares Dasein zu verbringen?

Fazit:

Jeff zieht am Buchende die folgende Bilanz:
»Der unbegreifliche Kreislauf, in dem er und Pamela gefangen gewesen waren, hatte sich als eine Art Gefängnis erwiesen, nicht als Befreiung. Sie waren dem trügerischen Luxus auf den Leim gegangen, sich ständig auf Zukunftsalternativen konzentrieren zu können – so wie Lydia Randall mit der blinden Zuversicht ihrer Jugend geglaubt hatte, die Wahlmöglichkeiten des Lebens würden ihr auf ewig zur Verfügung stehen. »Wir haben so viel Zeit«, hörte Jeff sie sagen, und dann vernahm er das Echo seiner eigenen, an Pamela gerichteten Worte: »Nächstes Mal… nächstes Mal

So brachten die ständigen Wiederholungen für ihn also nicht den erhofften Segen, sondern verwandelten sich vielmehr zu einem nie enden wollenden Alptraum. In keinem Replay schaffte er es, wirklich glücklich zu werden. Stets lebte er in dem Bewusstsein, dass alles Streben vergebens ist und er in dieser viel zu kurzen Lebensspanne bald schon alles wieder verlieren wird, was ihm viel bedeutet, da keine der endlosen wahrgenommenen Chancen über seinen Tod hinaus Bestand hat. Das wahre Glück bleibt so nicht mehr als ein Versprechen, dass sich bei der nächsten Wiederholung vielleicht erfüllen könnte.

replay_luca_florioFür mich war es ein sehr facettenreicher und zugleich nachdenklich stimmender Roman, der kaum Action beinhaltet, dafür aber stets der Mensch im Mittelpunkt steht und sogar darüber hinaus eine philosophische Abhandlung über den Sinn des Lebens, die Suche nach dem Glück und die Akzeptanz und Folgen eigener Entscheidungen bietet. Ken Grimwood überrascht den Leser mit immer neuen Wendungen, die man so nicht vorhersehen konnte und es bleibt spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Jeff wird dabei weder als Superheld noch als Superhirn dargestellt, sondern ist ein Allerweltstyp mit Stärken, Schwächen und Alltagsproblemen wie es jeder sein könnte. Gerade deshalb gelingt es uns, sich mit ihm zu identifizieren und gut in seine besondere Lage einzuleben, um ihn ein Stück auf dieser unendlich scheinenden Reise zu begleiten. Dieses Buch wird insofern nie an Aktualität einbüßen, da es sich mit der absolut zeitlosen Fragestellung befasst, die sich die Menschen schon in der Vergangenheit gestellt haben und die auch in den kommenden Jahren noch von Interesse sein wird: “Was wäre, wenn…”

Bildquelle: Luca Florio, thx! (CC BY-SA 2.0)

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