PC Fritz: 6 Jahre und 3 Monate Haft für mutmaßlichen Betreiber

PC Fritz. Firat C. wurde wegen Steuerhinterziehung als auch wegen Verstößen gegen das Marken- und Urheberrecht zu 6 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt.

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Der 31-jährige Firat C. wurde gestern wegen Steuerhinterziehung als auch wegen Verstößen gegen das Marken- und Urheberrecht zu 75 Monaten Haft verurteilt. Nach Ansicht des Landgerichts Halle wurden von PCFritz im gewerbsmäßigen Umfang Fälschungen von Windows 7 und andere Microsoft-Imitate vertrieben. Firat C. wird die Tatvorwürfe nächste Woche bei Tarnkappe.info ausführlich kommentieren.

Das Urteil als Deal

Während sich der Kronzeuge Maik M. als reines Opfer bezeichnet, erging gestern das finale Urteil gegen einen der mutmaßlichen Betreiber des Versandhandels PC Fritz. CRN.de bezeichnete das gestrige Urteil als „Deal” , weil man nach einem Geständnis des Angeklagten die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe von 15 Jahren deutlich nach unten drücken konnte. Den Haftbefehl hat man vorerst ausgesetzt. Gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 500.000 Euro wurde der Verurteilte auf freien Fuß gesetzt. Noch ist unklar, wann er seine Haftstrafe antreten wird.


Microsoft sowie Zollkriminal- und Staatsanwaltschaft konnten nach eigenen Angaben nachweisen, dass es sich bei den im September 2013 beschlagnahmten Datenträgern und Echtheitszertifikaten, die PC Fritz über das Internet vertrieben hatte, um gefälschte OEM-DVDs von Windows 7 handelte. Nach dem Geständnis des mutmaßlichen Täters Firat C. hat man sein Verfahren von dem drei weiterer Verdächtiger abgetrennt. Im gestrigen Urteil von 6 Jahren und 3 Monaten Freiheitsentzug wurde auch seine vorhergehende Verurteilung wegen Steuerhinterziehung mit einbezogen.

Der angeblich krebskranke Maik M. fungierte in der Öffentlichkeit als Geschäftsführer von PC Fritz. M. befindet sich seit einigen Monaten in einem Zeugenschutzprogramm. Er sagte aus, er sei lediglich der „Strohmann“ des Unternehmens gewesen. Welche Rolle er tatsächlich bei diesem Software-Versandhandel einnahm, soll ein gesondertes Ermittlungsverfahren klären.

Microsoft über PC Fritz: „Softwarepiraterie ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.”

In der Pressemitteilung von Microsoft Deutschland wird die Entscheidung des Gerichts von der Rechtsanwältin Dr. Julia Keim begrüßt.

Es hat somit eindeutig festgestellt, dass es sich bei den Produkten, die PC Fritz vertrieben hat, um Raubkopien handelt. Neben der Sicherstellung von hunderttausenden gefälschten Windows-Datenträgern konnte auch die Produktion von ca. 2 Mio. Datenträgern in Italien verhindert werden. (…) Damit konnte ein potenzieller Schaden in Millionenhöhe verhindert werden. Softwarepiraterie ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die nicht nur den einzelnen Unternehmen schadet, sondern in besonderem Maße auch den Käufern. Die hohe Haftstrafe verdeutlicht dies.”

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Interview mit Firat C.?

Hintergrund: Durch den Auftritt diverser Promis auf den PC Fritz Tours und aufgrund des aggressiven Marketings hatte der Online-Shop seit 2012 in kurzer Zeit einen großen Marktanteil erlangt. 2013 wurden bei einer Razzia 18 verschiedene Objekte durchsucht und über 100.000 Datenträger sichergestellt. Bei einer Durchsuchung wurden im Vorjahr erneut tausende gefälschte Microsoft-Produkte beschlagnahmt und mehrere Beschuldigte verhaftet. Nach der ersten polizeilichen Razzia im Jahr 2013 ging PC Fritz nach einem Lieferengpass dazu über, lediglich die Product Keys zusammen mit den Download-Links der Software zu vertreiben. Anfangs wurde Windows 7 als Imitat von Reinstallations-DVDs verschickt, wie sie beispielsweise der Computerhersteller Dell seinen PCs beifügt, sofern auf den Geräten Windows 7 vorinstalliert ist. Später folgten im Berliner Raum mehrere Umzüge zu teils nicht existenten Anschriften, verbunden mit einem häufigen Wechsel der angeblichen Betreibergesellschaft von PC Fritz. Wir haben in der Vergangenheit etwa 30 Mal darüber berichtet.

Der nun verurteile Firat C. kündigte heute an, uns nächste Woche ein ausführliches Interview geben zu wollen. In seinen Ausführungen will er seine Sicht der Dinge darlegen.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.