PC Fritz: 6 Jahre und 3 Monate Haft für mutmaßlichen Betreiber

Article by · 29. Mai 2015 ·

PC Fritz Fritzbus Deutschlandtour Halle
Der 31-jährige Firat C. wurde gestern wegen Steuerhinterziehung als auch wegen Verstößen gegen das Marken- und Urheberrecht zu 75 Monaten Haft verurteilt. Nach Ansicht des Landgerichts Halle wurden von PC Fritz im gewerbsmäßigen Umfang Fälschungen von Windows 7 und andere Microsoft-Imitate vertrieben. Firat C. wird die Tatvorwürfe nächste Woche bei Tarnkappe.info ausführlich kommentieren.

Während sich der Kronzeuge Maik M. als reines Opfer bezeichnet, erging gestern das finale Urteil gegen einen der mutmaßlichen Betreiber des Versandhandels PC Fritz. CRN.de bezeichnete das gestrige Urteil als „Deal” , weil man nach einem Geständnis des Angeklagten die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe von 15 Jahren deutlich nach unten drücken konnte. Der Haftbefehl wurde vorerst ausgesetzt. Gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 500.000 Euro wurde der Verurteilte auf freien Fuß gesetzt. Noch ist unklar, wann er seine Haftstrafe antreten wird.

Microsoft sowie Zollkriminal- und Staatsanwaltschaft konnten nach eigenen Angaben nachweisen, dass es sich bei den im September 2013 beschlagnahmten Datenträgern und Echtheitszertifikaten, die PC Fritz über das Internet vertrieben hatte, um gefälschte OEM-DVDs von Windows 7 handelte. Nach dem Geständnis des mutmaßlichen Täters Firat C. wurde sein Verfahren von dem drei weiterer Verdächtiger abgetrennt. Im gestrigen Urteil von 6 Jahren und 3 Monaten Freiheitsentzug wurde auch seine vorhergehende Verurteilung wegen Steuerhinterziehung mit einbezogen.

Der angeblich krebskranke Maik M. fungierte in der Öffentlichkeit als Geschäftsführer von PC Fritz. M. befindet sich seit einigen Monaten in einem Zeugenschutzprogramm. Er sagte aus, er sei lediglich der „Strohmann“ des Unternehmens gewesen. Welche Rolle er tatsächlich bei diesem Software-Versandhandel einnahm, soll ein gesondertes Ermittlungsverfahren klären.

Microsoft über PC Fritz: „Softwarepiraterie ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.”

In der Pressemitteilung von Microsoft Deutschland wird die Entscheidung des Gerichts von der Rechtsanwältin Dr. Julia Keim begrüßt. „Es hat somit eindeutig festgestellt, dass es sich bei den Produkten, die PC Fritz vertrieben hat, um Raubkopien handelt.Neben der Sicherstellung von hunderttausenden gefälschten Windows-Datenträgern konnte auch die Produktion von ca. 2 Mio. Datenträgern in Italien verhindert werden. (…) Damit konnte ein potenzieller Schaden in Millionenhöhe verhindert werden. Softwarepiraterie ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die nicht nur den einzelnen Unternehmen schadet, sondern in besonderem Maße auch den Käufern. Die hohe Haftstrafe verdeutlicht dies.

fritzbus deutschland tour pcfritz

Hintergrund: Durch den Auftritt diverser Promis auf den PC Fritz Tours und aufgrund des aggressiven Marketings hatte der Online-Shop seit 2012 in kurzer Zeit einen großen Marktanteil erlangt. 2013 wurden bei einer Razzia 18 verschiedene Objekte durchsucht und über 100.000 Datenträger sichergestellt. Bei einer Durchsuchung wurden im Vorjahr erneut tausende gefälschte Microsoft-Produkte beschlagnahmt und mehrere Beschuldigte verhaftet. Nach der ersten polizeilichen Razzia im Jahr 2013 ging PC Fritz nach einem Lieferengpass dazu über, lediglich die Product Keys zusammen mit den Download-Links der Software zu vertreiben. Anfangs wurde Windows 7 als Imitat von Reinstallations-DVDs verschickt, wie sie beispielsweise der Computerhersteller Dell seinen PCs beifügt, sofern auf den Geräten Windows 7 vorinstalliert ist. Später folgten im Berliner Raum mehrere Umzüge zu teils nicht existenten Anschriften, verbunden mit einem häufigen Wechsel der angeblichen Betreibergesellschaft von PC Fritz. Wir haben in der Vergangenheit etwa 30 Mal darüber berichtet.

Der nun verurteile Firat C. kündigte heute an, uns nächste Woche ein ausführliches Interview geben zu wollen. In seinen Ausführungen will er seine Sicht der Dinge darlegen.

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8 Comments

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    Klaus Kleber

    Naja, N***soft sollte froh sein, wenn überhaupt noch Klardenkende die NSA-Spyware benutzen. Schmeisst den Scheiss endlich runter!

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    karl

    Firat Cagac’s Mitangeklagter Komplize (Reiko Opitz) hat sich bekannterweise bereits vor dem Prozess in die Ukraine abgesetzt. Und jetzt lässt man Herrn Cagac einfach auf Kaution frei. Wahrscheinlich sitzt der jetzt irgendwo in der Karibik und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen…

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    Mysterion

    Was ist bloß los mit der Justiz im diesen Land. Schläger und anderes Gesocks kommen weg mit einer laschen Bewährungsstrafe. Aber sobald es um Geld geht wie in dem Fall oder um Raubkopierer wandert man für Jahre hinter Gitter. Irgendwas läuft falsch hier in Deutschland..

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      Postulator

      Urheberrechtsverletzungen sind wohl in dem Fall nur ein Teil des Problems.
      Was die bei PC-Fritz gemacht haben ist eine ausgewachsene Wirtschaftsstraftat.
      Ich bin eher erstaunt wie schnell die deutsche Justiz in dem Fall war.
      Die Buchführung hat da wohl genug hergegeben.
      Das mit den milden Strafen für Körperverletzungen ist so eine Sache.
      „Milde“ Urteile werden medial hervorgehoben und scandalisiert.
      Vollkommen unter den Tisch fallen bei der Berichterstattung oft die eigentlichen Tathergänge und die Beweislage. Keine Beweise oder unklare Beweislage > keine oder niedrige Strafe weil im Zweifel für den Angeklagten. Dies ist im Grundsatz auch richtig.
      Oft ist der Tathergang sehr unklar und das muss man leider sagen, das Opfer hat nicht selten zumindest eine Teilschuld , z.B. Freitagabendschlägerei. Falsche Anschuldigungen sind ebenfalls nicht selten.
      Viele Täter sind minderjährig und/oder stehen unter Drogeneinfluss. Alkohol schließt das ausdrücklich mit ein.
      Die Beweisaufnahme ist da nicht einfach und Jugendliche werden zurecht anders sanktioniert als Erwachsene.
      Nicht zuletzt, hat JEDER das Recht auf einen Anwalt und der versucht nun mal das Beste für seinen Mandanten rauszuholen.
      Klare Tathergänge wie Nazis prügeln einen Obdachlosen zu tode und sind so blöd sich dabei filmen zu lassen, sind eher selten.

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      Tom too

      Es geht hier um vorsätzlichen Betrug an den Kunden und am Eigentuemer der Software in einer erklecklichen Anzahl von Fällen. Das ist nun einmal strafbar. Wusste er vorher, sofern er lesen kann. Er hätte es auch einfach lassen können und sich heute Abend gemütlich in den Biergarten setzen statt in seine JVA-Zelle.

      Man kann in diesem Fall auch nicht Suff, Ignoranz oder anderweitige strafmildernde Umstände anfuehren wie im von Dir herangezogenen Beispiel einer (Wirtshaus-) Schläegerei, denn es handelt sich um langfristige Planung und gewerbsmässige Abzocke..

      Like it or not – er sitzt zu Recht ein und ich hoffe, er bekommt keine Strafmilderung und muss die volle Zeit absitzen.

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        Postulator

        @Tom
        Irritiert, hab ich was anderes behauptet?
        Um es noch etwas deutlicher herauszuarbeiten, der zweite Teil meiner Meinungsäußerung bezieht sich nicht auf den Fritzen.
        Er soll nur darlegen das es eben nicht vergleichbar ist eine Wirtschaftsstraftat zu begehen oder einen eine zu knallen. Sogenannte niedrige Strafmaße sind oft gefühlte Volksempörung von Leuten die nur aus den Medien von einem Fall erfahren und sich aufregen.
        Kaum einer liest die Urteile und beschäftigt sich mit den Hintergründen. Kommt es zu einer Revissionsverhandlung sind die Juristen wieder unter sich.
        Das es auch „komische“ Urteile gibt ist klar.
        So wurden reihenweise Urteile eines bekannten ehemaligen Richters aus Hamburg, der jetzt in Brasilien kokst, revidiert. Davon nimmt in der Öffentlichkeit aber kaum noch jemand Notiz.
        Und, ja sowas dauert eine Ewigkeit.

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          Tom too

          Sorry, Posting war für ‚Mysterion‘ gedacht, nicht an Dich gerichtet. Habe mich beim Antwortbutton verklickt. ^^ Teile Deine Ansichten.

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    ich

    Firat C. ist sicher diese Art von „Fachkraft“, von der unsere Politiker immer schwärmen! :-)


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