Movie2k.to: drei Tatverdächtige in ganz Deutschland festgenommen

Wie die Generalstaatsanwaltschaft Dresden heute mitteilte, wurden am vergangenen Donnerstag zwei mutmaßliche Betreiber des Streaming-Portals Movie2k.to in Rheinland-Pfalz und Bayern festgenommen und ihre privaten Räumlichkeiten durchsucht. Zudem traf es einen Immobilienmarkler aus Berlin, dem man Geldwäsche im großen Stil vorwirft.


Razzia in Rheinland-Pfalz und Bayern

Die beiden Tatverdächtigen sollen gemeinsam mit weiteren Beteiligten insgesamt mehr als 880.000 Schwarzkopien von Kinofilmen und TV-Serien verbreitet haben. Sie setzten dafür unter anderen ihren eigenen Streaming-Hoster namens Stream2k.com ein. Besuch von der Polizei bekam ein Mann aus dem rheinland-pfälzischen Rhein-Lahn-Kreis und ein Verdächtiger aus Bayern. Die Polizisten beschlagnahmten am Donnerstag die Computer, Smartphones, schriftliche Unterlagen, Bargeld und die Edelmetallmünzen. Mit Online-Werbung und Abofallen sollen die Männer Gewinne in Höhe von mehreren Millionen Euro generiert haben. Movie2k.to war nach der Abschaltung des Vorgängers Kino.to eine der meist besuchten illegalen Streaming-Portale im deutschsprachigen Bereich.

Berliner Immobilienhändler wegen Geldwäsche festgenommen

movie2k.to Wie der SWR berichtet, gab es eine weitere Festnahme eines Berliner Immobilienunternehmers in Berlin, dem man gewerbs- und bandenmäßige Geldwäsche vorwerfen will. Der Berliner soll im Auftrag der Betreiber ab Herbst 2013 gezielt Immobilien in Sachsen, Brandenburg und Berlin gekauft haben, um die Gewinne vor dem Finanzamt zu verbergen. Der Berliner war auch der Verwalter der gekauften Immobilien. Für seine Dienste soll der Markler über eine niederländische Briefkastenfirma alleine bis Mitte 2016 mehr als 5,1 Millionen Euro erhalten haben.

Auf die Spur der mutmaßlichen Portalbetreiber kam die Generalstaatsanwaltschaft Dresden durch Ermittlungen mit dem Landeskriminalamt Sachsen und der Steuerfahndung Leipzig. Die Generalstaatsanwaltschaft war auch federführend bei den Ermittlungen gegen Kino.to, was von einem Leipziger betrieben wurde. Zwischen Movie2k.to und Kino.to gab es offenbar Verbindungen. Die Nachfolger Kinox.to und Movie4k.to sind auf jeden Fall derzeit beide online. Ob es auch dazu Verbindungen gibt, ist bis auf einige Gerüchte bisher nicht geklärt. Wahrscheinlich hätte die Generalstaatsanwaltschaft dann aber schon längst die beiden anderen Portale abgeschaltet.

Betreiber gab sich im Interview zuversichtlich

Im Interview mit movie2k.to sagte mir 2011 einer einer der Betreiber, dass sie auf ihrer Seite nur für kurze Zeit Links mit Abofallen eingebaut hatten. Außerdem sei es „albern„, dass Streaming-Websites viele Arbeitsplätze in der Film-, Musik-, Porno-Industrie etc. vernichten würden. Bei den Streaming-Portalen handele es sich lediglich um eine Aufhebung der jahrzehntelangen Monopolstellung der Content-Industrie. Damit würde man vielmehr die „Industrie auf den Boden der Tatsachen“ zurückholen. Dabei handele es sich lediglich um „eine wirtschaftliche Veränderung, die wir, in einer Wirtschaftsform, die Fortschritt a priori voraussetzt, als legitim ansehen.

movie2k.toDer Tatverdächtige gab ebenfalls zu verstehen, die Verurteilung der früheren Betreiber von The Pirate Bay gebe ihm nicht zu denken. Man konnte bei Movie2k.to weder direkt noch indirekt irgendwelche Filme downloaden. Man bot dort lediglich die Links zu den Streaming-Hostern an. Außerdem war TPB mit dem eigenen Tracker aktiv am Dateiaustausch der Nutzer beteiligt, was sich nach seiner Ansicht negativ auf das Urteil ausgewirkt hat. Man wird am Ende seines Verfahrens sehen, ob der Admin mit seiner Ansicht am Ende Recht behalten wird.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild: Screenshot von Movie2k.to aus dem Jahr 2013, thx!

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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