Das Netz der Dinge, das Netz der Menschen – Kommentar

Das Netz der Dinge wird zum Netz der Menschen. Das Thema Sharing reicht bis zur direkten Einflussnahme unserer Gesellschaft.

Spiegelbest beschreibt in einem neuen Meinungsartikel die Entwicklung des Webs in mehreren Stufen. Diese Entwicklung bestimmt mittelfristig unser aller Leben. Sie reicht von Information, die wir dem Internet entnehmen – bis hin zur direkten Einflussnahme unserer Gesellschaft, und wie wir künftig Waren bzw. Dienstleistungen miteinander teilen.

Sharing is caring

Es geht nachfolgend um einen neuen Trend im Netz. Ich will nicht mit ‚Web 1.0 bis 4.0‘ anfangen. Diese Begriffe verwirren und nerven. Jeder versteht was anders darunter. Und das – vesteht sich! – endgültig und für alle verbindlich! Ich lass also mal die Plakatüden und beschreibe die Entwicklung des Netzes für mich und kurz in 4 Stufen:

1) Das Netz informiert.
2) Das Netz lässt uns interagieren.
3) Das Netz steuert unsere Wirklichkeit.
4) Das Netz verändert unsere Wirklichkeit.


Uber und Airbnb als Vorbilder

Nehmen wir einen Taxifahrer: Er hat zuerst eine Homepage – oder ein Blog mit deaktivierter Kommentarfunktion (kleiner Scherz!) – dann einen Facebook-Account, lässt bald seine Fahrten über das Netz steuern und wird am Ende von Uber (= Jeder Autofahrer wird potentiell zum Taxifahrer) überflüssig gemacht. Oder nehmt ein kleines Hotel. Wir sehen dasselbe Spiel: Homepage – Facebookauftritt – Booking.com – Ablösung durch Airbnb (= Jedes Zimmer ist potentiell ein Gastzimmer).

Wir müssen die 3. Stufe – das Netz der Dinge – deutlich abgrenzen, um den Übergang zu verstehen. In dieser 3. Stufe geht es um die Erweiterung unserer vorhandenen Sinne. Wir können die Bahn nicht kommen sehen, aber eine App macht das Kommen der Bahn sichtbar. Wir können unseren Standort nicht von oben sehen, aber mit Google Maps können wir unsere Umgebung von oben betrachten. Ein schönes Beispiel ist Google Glass, wo die reale und supra-reale Wirklichkeit übereinander gelegt werden können.

Disruptive Technologien

life is sharing - flickr

Life is sharing

In der 4. Stufe dagegen tritt das Netz als sozialer Veränderer auf. Es entstehen neue Unternehmensformen. Dabei werden nicht alte Unternehmen durch modernere Unternehmen ersetzt. Es wird das Unternehmertum durch etwas Neues ersetzt. Wir können den Verkauf von Autos und das Sharen von Autos nicht miteinander vergleichen. Wir haben ein Auto, wir haben einen zurückgelegten Weg, aber weiter gibt es keine Gemeinsamkeit.

Für diese neuen Formen des Wirtschaftens gibt es zahlreiche Beispiele. Einige hatte ich schon genannt. Aber auch durch Crowdfunding wird ein Leser zum Verleger, ein Erfinder zum Unternehmer, ein Sparer zum Bankier, ein Konsument zum Warentester. Es entstehen neue Verknüpfungen. Alte Hierarchien fallen weg, gewohnte Wege werden durch Abkürzungen ersetzt. Das Netz verbindet Menschen und Dingen zu einem losen Schwarmverbund und löst das klassische Offline Einzelunternehmen auf. Die Sharing Ökonomie sucht den Kapitalismus zu ersetzen. Gemeinsinn steht gegen Profitstreben – über Länder- und Sprachgrenzen hinweg.

Dabei reden wir bisher bloß von einer Veränderung der Netzwirklichkeit. Der Leser selbst bleibt Leser, obwohl er in der Crowd eine Rolle als Teilverleger annimmt. Verknüpfungen im Netz können ökonomische Abkürzungen sein und wie strukturelle Abrissbirnen wirken. Sie können aber auch – und davon reden wir jetzt! – soziale Veränderungen zur Folge haben. Sie können uns als Menschen verändern, unsere Kultur, unsere Leitbilder und Werte!

Wir haben es in der Hand

Und da wird es wirklich interessant! Wir reden über die uralten Bilder von Umwälzungen, Umstürzen und Revolutionen! – Nein, Quatsch, keine Angst … wir reden darüber, dass Menschen zusammenkommen, um einander zu helfen. Und sich dadurch verändern. Aus Sharing wird Caring.

In nächster Zeit werde ich einige dieser Projekte vorstellen. Als Beispiel sei das Foodsharing genannt: Ein älterer Mensch – in die Jahre gekommen und gut altersversorgt – gibt, was er erübrigen kann, an einen jüngeren Menschen, der es brauchen kann – oft einen Studenten. Nun könnt ihr sagen: Was unterscheidet dieses Foodsharing von der Biokiste, die der erzeugende Bauer aus dem Netz in die WG bringt?

Der prinzipielle Unterschied ist, dass beim Bauern das Verkaufen im Vordergrund steht, im anderen Fall das Aufeinandertreffen der Menschen: Der soziale Kontakt ist wichtig, nicht die halbleeren Marmeladengläser (hier lasse ich den Fall einer überraschenden Erschaft unberücksichtigt). Sprechen wir also gestelzterweise von einem ‚Netz der Menschen‘.

invest in sharing

Invest in sharing

Neue Ziele

Warum ich diesen Beitrag schreibe? Nun, ich bin der Meinung, dass es beim Caring nicht um Studenten, Flüchtlinge oder Zuwanderer aus Osteuropa geht, sondern um einen neuen Megatrend. Wir reden über ein Netz, das offline geht – person2person und peer2peer sozusagen.

Nun, Lars ist der Meinung, dass soziale Themen nicht zur Tarnkappe passen wollen. Ich bin der Meinung, dass wir mit der Tarnkappe vor allem Trendsucher sind. Aber er (und ihr) habt das Sagen …

… denn ich bin nur Spiegelbest – der Magier der Kommentarfunktion! (Fast 200 Kommentare für einen Beitrag, in dem ich (scherzhaft) die Abschaffung meiner Lieblingsfunktion gefordert habe!)

Tja, diesen Blogrekord soll die GVU erstmal einstellen ;)

Aber egal – schafft sie eh nicht und war nicht das Thema!

Bildquelle: Shutterstock, Alan Levine, Jonathan McIntosh, thx! (CC BY-SA 2.0)

Tarnkappe.info