LKA Baden-Württemberg: Internetbetrug ist auf dem Vormarsch

Nachdem die Fallzahlen in den Jahren 2016 und 2017 rückläufige Tendenzen aufwiesen, erwartet das Landeskriminalamt für das laufende Jahr jedoch einen Anstieg im Deliktsfeld Cybercrime, wobei sich die CEO-Fraud-Masche und Sextortion als neue Masche bei den Tätern besonderer Beliebtheit erfreuen, informiert das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg in einer Pressemitteilung.

Bei der CEO-Fraud-Masche verwenden die Täter Firmeninterna für die Planung ihres Betruges. Neben öffentlich zugänglichen Angaben nutzen sie zudem auch durch Social Engineering in Erfahrung gebrachte Daten. In gut gefälschten E-Mails geben die Kriminellen beispielsweise vor, zur Unternehmensführung zu gehören und weisen Mitarbeiter an, hohe Summen für angeblich vertrauliche Firmengeschäfte auf ausländische Bankkonten zu überweisen. Aber auch mit sehr gut gefälschter Briefpost (Logos von Bundesbehörden, gestempelte Hoheitszeichen, Freigabeunterschriften von Vorstandsmitgliedern) wäre hier zu rechnen.

Ralf Michelfelder, Präsident des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, klärt auf: “Heute werden keine Telefonlisten mehr kopiert, um Organisationsstrukturen auszuforschen. Das Ausspähen der Firma findet über deren eigene Homepage und die Facebook-, Instagram- oder Xing-Seiten der Beschäftigten statt.” Laut LKA-Angaben wurden auf diese Weise seit 2014 mehr als 40 Millionen Euro in Baden-Württemberg erbeutet, im ersten Halbjahr dieses Jahres fast zehn Millionen Euro. Mit einer Vervierfachung der Fallzahlen von 2016 auf 2017 mit zuletzt knapp 200 Taten, liegt ebenso die Schadenssumme deutlich höher als bei anderen Delikten. Auch für 2018 wird ein weiterer Anstieg erwartet, bereits bisher gingen alleine bei der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg über 200 Hinweise ein, davon zahlreiche aus dem Bereich CEO-Fraud.

Michelfelder gibt als Hinweis zum Schutz vor dieser Masche an: “Der Chef muss für Rückfragen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich ansprechbar sein, damit diese eine zweifelhafte Anweisung auch verifizieren können.” Die Erfolgsrate bei diesem Delikt liegt bei etwa 20 Prozent und verursachte im ersten Halbjahr 2018 einen Schaden von fast zehn Millionen Euro. In einer gemeinsamen Aktion des Bundeskriminalamtes, des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen und der ausländischen Strafverfolgungsbehörden, ist es den Ermittlern des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg gelungen, zwei mutmaßliche Millionenbetrüger in Isreal dingfest zu nehmen. Diese betrogen mit der CEO-Fraud-Masche vier Unternehmen in Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen (Schadenssumme acht Millionen Euro) sowie drei Unternehmen in Nordrhein-Westfalen (Schadenssumme zwei Millionen Euro) um insgesamt zehn Millionen Euro.

Eine weitere Taktik von Betrügern ist es, von Banken zu erwirken, das so genannte TAN-Verfahren auf die Handynummer des Täters umzuleiten, um Konten leerzuräumen. Ein Täter aus Kambodscha erbeutete so 2,6 Millionen Euro. Dem LKA Baden-Württemberg gelang es auch in diesem Fall, den Täter bei einem Deutschlandbesuch zu schnappen. Angesagt ist zudem nach wie vor die Verschlüsselung aller Dateien des Computers eines Opfers oder das Sperren des Zugriffs auf einem Gerät mit anschließender Lösegeldforderung für die Wiederherstellung mittels sogenannter Ransomware. Aktuelles Vorgehen bei Ramsonware-Erpressern ist es, per E-Mail fingierte Bewerbungen auf Stellenausschreibungen oder als sogenannte Blindbewerbung zu verschicken. Die Schadsoftware befindet sich im Anhang der Mail. Sobald man darauf klickt, ist der Rechner infiziert. Daher rät das LKA Baden-Württemberg dazu, E-Mails mit Bewerbungsschreiben auf Stand-Alone Rechnern zu öffnen, die nicht ans Firmennetzwerk angeschlossen sind.

Weiterhin hat das LKA Baden-Württemberg in diesem Jahr bereits über 800 Fälle von “Sextortion” registriert. Bei „Sextortion“ geht es um sexuelle Erpressung, wobei Betrüger androhen, intime Informationen über das Opfer zu veröffentlichen, es sei denn, diese zahlen dem Täter Geld. Das LKA geht hier von einer hohen Dunkelziffer aus und rät allen Betroffenen, nicht zu zahlen und stattdessen die Polizei zu informieren. Nicht in Gebrauch genommene Kameras am Laptop, Tablet oder Handy sollten grundsätzlich abgeklebt oder mit einem Schiebeverschluss versehen werden. Eine Ausforschung wird damit grundsätzlich verhindert. Weitere Tipps und Ratschläge, wie man sich vor diesen Betrugsmaschen schützen kann, sind auf www.polizei-beratung.de zu finden.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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