Klon von FaceApp mit Schadsoftware verseucht

Wie Kaspersky Labs in einer aktuellen Pressemitteilung berichtet, haben deren Techniker letzte Woche einen Klon von FaceApp entdeckt, der unerwünschte Werbung auf den Geräten anzeigt. Nach der Installation der Smartphones werden diese mit dem Adware-Modul MobiDash verseucht.

Nach dem Download von einem alternativen App Store simuliert die App einen Totalausfall. In dessen Folge wird so getan, als wenn die App vom Gerät entfernt werden würde. Danach verbleibt ein bösartiges Modul auf dem Gerät des Nutzers, welches unter anderem unerwünschte Werbung anzeigt.


Kaspersky zufolge sind bereits mindestens fünfhundert Geräte davon betroffen. Erstmals tauchte der bösartige Klon im Verlauf der letzten Woche auf. Laut Kaspersky ist es grundsätzlich keine neuartige Strategie, Schadsoftware unter dem Deckmantel bekannter und beliebter Apps zu verstecken. Im Zuge des wieder aufgeflammten Hypes rund um FaceApp sei es wahrscheinlich, dass noch häufiger Klone der Software auftauchen, um noch mehr Smartphones zu infizieren.

Mehrere Politiker warnen vor FaceApp

Bundesdatenschutzbeauftragter Ulrich Kelber warnt selbst vor dem Original. Mit der Benutzung könnten wichtige persönliche Daten in die falschen Hände geraten. Der SPD-Politiker bemängelte auch die höchst schwammigen Nutzungsbedingungen des Herstellers. Der Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, forderte das FBI zu einer Untersuchung in Sachen FaceApp auf. Schumer befürchtet, die gesammelten Daten könnten vom Unternehmen in die Hände der russischen Geheimdienste übermittelt werden. Er sieht darin sogar ein nationales Sicherheitsrisiko.

CEO versucht zu beschwichtigen

Mitgründer Yaroslav Goncharov antwortete in einer Stellungnahme, man nutze die Cloud-Lösungen von Amazon und Google, um die Bilder zu speichern. Die Daten würde man nicht in Russland speichern, sondern beispielsweise auf Servern innerhalb der EU oder den USA. Sein Unternehmen habe angeblich kein Interesse daran, irgendwelche Informationen weiterzugeben. Auch würden die meisten Anwender die App ohne Anmeldung nutzen, was die Identifikation der Personen erschwert. Überprüfen lassen sich die Aussagen natürlich nicht. Auch geht Goncharov nicht auf die extrem weit gefassten Nutzungsbedingungen seiner Firma ein. Wer die App in Anspruch nimmt, um sich damit jünger oder älter aussehen zu lassen, tritt alle Rechte an den Fotos ab. Das Unternehmen könnte diese vollumfänglich nutzen, ohne die Nutzer um Erlaubnis zu fragen oder sie dafür zu bezahlen. Auch wenn die Betreibergesellschaft von FaceApp nichts dafür kann, die mit Schadsoftware verseuchten Klone setzen der aktuellen Entwicklung eigentlich nur noch die Krone auf.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild: Screenshot der Webseite von FaceApp

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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