Kinox.to: Avit O. zu 3 Jahren und 4 Monaten verurteilt

Article by · 15. Dezember 2015 ·
v.l.n.r.: Prof. Wilhelm (Verteidiger), Avit O., Justizangestellter - Foto: Rainer Sommer. kinox.to

LG Leipzig. v.l.n.r.: Prof. Wilhelm (Verteidiger), der angeklagte Avit O., Justizangestellter. – Foto: Rainer Sommer.

Rund vier Wochen vor dem geplanten Prozessende hat das Landgericht Leipzig gestern das Urteil gesprochen: Der 29-jährige Avit O. (Pedro) muss für 3 Jahre und 4 Monate ins Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, maßgeblich am Betrieb von Kino.to und KinoX.to beteiligt gewesen zu sein. Verteidigung und Anklage haben sich vorzeitig geeinigt.

Ursprünglich standen in dem Strafprozess gegen den gebürtigen Kasachen, der in Timmendorfer Strand aufwuchs, bis Ende Januar 2016 nicht weniger 19 Verhandlungstage an. Doch nachdem sich zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht das Zustandekommen einer sogenannten „Verständigung im Strafprozess“ abzeichnete, konnte nun sehr überraschend gestern das Urteil gesprochen werden.

Das LG Leipzig kam zur Ansicht, durch seine Dienste bei der 2011 geschlossenen Plattform Kino.to (von Dirk B.) und dem anschließenden Betreiben des mithilfe einer entwendeten Kino.to- Datenbankkopie von ihm selbst aufgesetzten Klons Kinox.to habe sich Avit aka Pedro der gewerblichen unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke in 2.889 Fällen schuldig gemacht. Hinzu kommen zwei Fälle von Computersabotage, die Avit O. gegen zwei Konkurrenten begangen hat. Die Hacks sollten dafür sorgen, dass die Portale der Wettbewerber unbrauchbar wurden. Des Weiteren, so das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Karsten Nickel, war der Angeklagte in seiner Kino.to-Zeit daran beteiligt, das Ehepaar N. im Auftrag von Kino.to-Chef Dirk B. zur Herausgabe ihrer Laptops zu nötigen. Die beiden „Freischalter“ im Kino.to-Team waren beim Admin in Ungnade gefallen, nachdem sie von ihm verdächtigt wurden, Daten seines Streaming-Portals entwendet zu haben.

kinox.toDer Verurteilung liegt neben einer umfangreichen Beweisaufnahme, für die neben IT- Sachverständigen auch eine Reihe von Zeugen gehört wurden, ein Teilgeständnis von Avit O zugrunde. Im Gegenzug wurde die Strafverfolgung zeitlich und sachlich vermindert und einzelne Tatvorwürfe damit ausgeschieden. Während die Staatsanwaltschaft es als erschwerenden Umstand ansah, dass Pedro nach der Schließung von kino.to und der Verhaftung des kino.to-Chefs von Dirk B. mit dem Nachfolger Kinox.to an den Start ging, hatten seine beiden Pflichtverteidiger in ihren Plädoyers große Mühe, die grundsätzliche Sinnhaftigkeit des Urheberrecht in der digitalen Zeit zu erkennen. Sie sahen sich zudem mit dem, was sich im Internet tut, einer „Parallelwelt“ ausgesetzt, mit der Menschen über 50 – wie der vortragende Verteidiger Prof. Wilhelm selbst – angeblich überhaupt nicht mehr zurecht kämen. In dieser eigenen Entfremdung von der Realität unterstellte Pflichtverteidiger Wilhelm die Staatsanwaltschaft und Polizei,  in Fällen dieser Art per se „keine Ahnung“ zu haben, worum es technisch überhaupt gehe. Prof. Wilhelm sagte zudem, die GVU agiere wie „ein Trojaner in der Justiz“, indem sie doch ganz offensichtlich die Staatsanwaltschaft in ihren Ermittlungen steuere. “Mein Mandant wäre unschuldig, wenn wir nur ein anderes Strafrecht hätten“, eröffnete er seine Ansprache beim Auftakt des Prozesses. Das Strafrecht habe sich nicht an das Internet angepasst, argumentierte er weiter. Die Meinung zu seinen Aussagen ging beim Publikum und den anderen Prozessbeteiligten (wenig überraschend) weit auseinander. Manche Statements sollen im Gerichtssaal für ein wenig Aufheiterung gesorgt haben.

kino.to R.I.P.Der Angeklagte, der angeblich schon im zarten Alter von vier Jahren seinen ersten PC erhalten haben will, hatte zuvor ausgesagt, ihm sei es als Computer-Interessierten bei Kino.to und KinoX lediglich darum gegangen, „mal an einem großen System“ zu arbeiten und technischen Fortschritt zu generieren; Geld habe bei ihm nie im Vordergrund gestanden. Auf seinen von Dirk B. gezahlten Lohn aus kino.to-Zeiten muss er trotzdem verzichten: Das Gericht ordnete den Verfall und damit die Einziehung der an ihn gezahlten 20.000 Euro zugunsten der Staatskasse an, ebenso zog sie seine Computer-Hardware ein.

Das Streaming-Portal KinoX.to läuft derweil weiter. Über die weiterhin mit Haftbefehl gesuchten Brüder Kreshnik und Kastriot Selimi, die als aktuelle Seiten-Betreiber gelten, wollte sich Avit O. im Prozess nicht äußern. Eine namentlich nicht benannte „weitere Person“ habe sich im Laufe der Zeit in sein Projekt kinox.to hineingedrängt, um die Kontrolle zu übernehmen. Mit dieser anonymen Person, die im Laufe der Zeit zunehmend dominant aufgetreten sei, habe er aber irgendwann gebrochen. Ähnlich hat auch Dirk B. reagiert, als er als Zeuge vorgeladen wurde, auch er wollte gegen den Anonymen nicht aussagen. Offenbar werden beide Personen von dieser Person bedroht.

Avit O. verließ den Gerichtssaal am gestrigen Montag Nachmittag bis zum Antritt seiner Strafhaft als vorläufig freier Mann: Der gegen ihn bestehende Haftbefehl, auf dessen Grundlage er jetzt 14 Monate lang in Untersuchungshaft saß, wurde unter strengen Meldeauflagen außer Kraft gesetzt.

GVUDas Urteil kommentiert der scheidende GVU-Chef, Dr. Matthias Leonardy, mit den Worten: „Der erfolgreiche Abschluss dieses Verfahrens durch Strafurteil zeigt einmal mehr, dass sich der Einsatz von Beharrlichkeit und Knowhow, die für eine fundierte Ermittlungsarbeit gegen Urheberrechts-Internetkriminelle unablässlich ist, durchaus auszahlt. Hier haben die Ermittlungsbehörden einmal mehr hervorragende Arbeit geleistet, die die Rechteinhaber durch die GVU weiter unterstützen werden, wo immer sie können.

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31 Comments

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    Und man sieht hat das genau Null bewirkt und die Plattform ist weiter am Start. Die ziehen doch auch nur einzelne Rädchen aus dem Getriebe.

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    Martin Overath

    Eine Verständigung nach § 257c StPO kommt zwischen Strafkammer, Staatsanwalt und Angeklagtem zustande. Der Strafverteidiger muß nicht zustimmen.

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    ugurano

    grauenhaft das die eine große straffe bekommen, aber leute die bei darknet sprich illegale geschäfte machen, wie währe es wenn die da mal den betreiber suchen, vor allem pedos gefangen zu nehmen

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    Erwin

    Hallo lesende Gemeinde,
    leider liegen die meisten Kommentare auf dem Niveau dieses Blogs

    @ Lars du hast mal wieder nicht selbst geprüft sondern nur die Pressemeldung der GVU , inkl. dem Bug, stumpf übernommen. Mit Copy and Past Werbe-Clicks zu generieren ist zwar Rechtens oder hat nichts mit investigativen Journalismus zu tun.

    die Frage nach dem Bug möchte ich gleich beantworten. Es waren keine Laptops sondern MAC´s bei den Zeugen.

    Wer sich von der GVU erwischen läßt hat eben keine Ahnung vom Netz und seinen Möglichkeiten.
    Auch kann man den GVU Vereinszweck nachlesen und wird feststellen, das dieser Verein keine zivilrechtlichen Schadensersatzansprüche durchsetzt..

    Also wie immer hier wildes Schattenboxen ohne Sinn

    schöne Weihnacht ihr Trolle

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    Kiffer

    Er hatte Plichtverteidiger?
    Diese Plattformen sollen doch so viel Geld eingebracht haben. Wieso kann er sich dann kein eigenes Team teurer Anwälte leisten?

    Die GVU hat bestimmt nicht gespart an Kosten für eigene “IT Experten” und ggf. Anwälte für zivile Klagen gegen ihn.

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      Anton Nym

      Der Unterschied Strafrecht – Zivilrecht ist bekannt?
      Das Verfahren war ein Strafverfahren. Dort führt der Staatsanwalt das Verfahren, der setzt IT Experten nach eigener Maßgabe ein.
      Zivile Verfahren kann nur ein Rechteinhaber führen, es sei denn er hat die GVU dazu beauftragt.
      Das wäre allerdings sehr unwahrscheinlich.

      Warum konnte er sich keine Anwälte leisten? Vielleicht war das kein so guter Deal für ihn, die Technik zu machen und mit wenig Geld nach Hause zu gehen?
      Oder vielleicht gibt es einfach auch keine guten Anwälte in dem Bereich?
      Oder vielleicht hatte Christian Solmecke einfach keine Zeit den Mann zu verteidigen?
      Kann ja auch sein, dass ihn die 1..200 pro Verhandlungstag nicht gereizt haben. Da macht er mal eben zwei erwischte Filesharer und verdient das Gleiche mit 2 Serienbriefen. Kosten: 1,24 Porto, 2 Cent Papier und 3 Cent der Umschlag.

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    dogg

    U-Haft wird ja auf die Strafe mitgerechnet. Also zieht man bei 3 Jahren und 4 Monaten die 14 Monate U-haft ab und er hat nur 2 Jahre Bewährung.

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      Mario

      Da er noch keine Halbstrafe oder 2/3 erreicht hat, gibt es auch noch keine Bewährungsstrafe.

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    Sir

    Was will man von einem Unrechtsstaat auch noch anderes verlangen und dazu noch dumme gleichgeschaltete Richter – Urteil ist zu hart!

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    Anonümaus

    Ist es nicht so das die Dauer der U-Haft beim Urteil dann verrechnet wird?

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    Zombieber

    Wo mann mich erwischt hatte beim Film ziehen mußte ich 11000 Euro zahlen seit dem lasse ich die Finger von so was …zahle immer noch an der scheiß Summe ab …aber na ja LG zombieber

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      GVU Hater

      Hallo GVU Troll, wieso schickst du nicht gleich einen Link zu eurer Werbekampagne gegen “Raubmordkopierer” mit.

      Wie hier sogar unter den Kommentaren offensichtlich mit Angstmacherei versucht wird Interessen durchzusetzen ist erschreckend.

      Lars du solltest zumindest solch offensichtlichen GVU Trolleinträge (wovon es etliche bei dir gibt) rausfiltern.

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      max

      11.000 Euro?

      wieviele Filme/Mps etc. sollst denn hochgeladen haben?

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        Zombieber

        Habe einfilm geladen von extra torrent teurer Spaß nie wieder

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      Mario

      Natürlich, 11.000€ und bald kommt der Weihnachtsmann *hohoho

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        Zombieber

        Klar werde die woche noch die Papiere hoch laden …

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          max

          11,000 Euro für einen Film? kann ich mir nicht vorstellen..

          Soviel mussten Leite für mehrere Tausend MP3 zahlen..

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          Mario

          Na darauf bin ich gespannt. Aber lass Photoshop zu.

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    Mario

    Mich wundert das hohe Urteil aber auch. Dirk hat Mio verdient, damals konnte es noch mit der Steuerhinterziehung begründen aber was ist hier? Hat der Typ denn auch weiterhin an KinoX verdient?

    Ich gehe aber davon aus, dass er seine letzten Monate, die er noch halt als Freigänger “absitzt”. Genauso gehe ich davon aus, dass er mit Halbstrafe rechnen kann. Wenn es nicht sogar Teil des Deals ist.
    Ansonsten ist er spätestens bei 2/3 draußen. Logisch das er die Klappe hält ;)

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      fpussy

      Mehrfachtäter, dass er bei Kino.to auch schon beteiligt war, kam ja erst später heraus.
      Warum soll er als Mehrfachtäter denn belohnt werden?
      Steuern wurden hier auch hinterzogen, halt von allen dreien zusammen.
      Rechtlich war das ein GbR.
      Klar hat er verdient, das hat der Staatsanwalt auf den Cent genau vorgetragen, die haben sich alle Konten angesehen. Pech gehabt.

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        Mario

        Weiß man denn (öffentlich) was er verdient hat?

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          Anton Nym

          Das hat der Staatsanwalt alles in der Anklage verlesen.
          Allerdings sind die von einer GbR ausgegangen. Er plus die Brüder.

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    Kim Dödel

    ….„Mein Mandant wäre unschuldig, wenn wir nur ein anderes Strafrecht hätten“…….jo mai…selten sowas dämliches von einem Verteidiger gehört. KÖnnte direkt von der Mafia stammen. Der Gute ist zudem bzgl. d. Gesetzteslage überfordert ? Na ein Glück macht der nicht etwas wirklich kompliziertes, wie z.b Steuerrecht. Was bleit am Ende ? Die Erkenntniss, dass einer nach der anderem dieser Kleinkriminellen dementen Dödel nach und nach einfahren. Wären die mal bei den Betrieb Ihrer Sexshops in der Provinz geblieben. Und noch besser sind vergangene Posts allerlei piratiger Dödel, die von einer Elite der Programmierer sprach, die nie zu fassen sein werden, und deshalb das Recht an diesen Umstand angepasst werden müssen. Nicht zu fassen.

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    Don Omerta

    ”Das Strafrecht habe sich nicht an das Internet angepasst”, so ist das und solange es so bleibt werden immer wieder unsinnige Urteile gefällt. Das er das Bauernopfer ist, darüber ist sich wohl jeder im klaren.

    Eine Reform des Strafrecht in Bezug auf das Internet ist längs überfällig.

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      fpussy

      Wenn das Schild 80 da nicht gestanden hätte, Herr Polizist, dann wäre ich nicht zu schnell gefahren.
      Die StVo sollte sich dem tatsächlichen Gewohnheiten anpassen.

      Was soll sich denn ändern? Solche Portale legalisieren und den Betreiber, die den Beteiligten an den Filmen nichts abgeben, das Leben schön machen? Warum sollte es denn dann legale Alternativen geben wie Netflix. Schon mal eine Sekunde darüber nachgedacht?

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    GVU Hater

    Ich zitiere:
    “die GVU agiere wie „ein Trojaner in der Justiz“, indem sie doch ganz offensichtlich die Staatsanwaltschaft in ihren Ermittlungen steuere”

    Wann wird diesem Abschaum der Gesellschaft namens GVU Einhalt geboten. Jetzt wird sogar die Justiz von denen gesteuert.

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      Simon

      Weil der Verteidiger das sagt, ist das auch so?

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      michel

      die justitz ist der abschaum, nicht verwechseln!
      wie soll so etwas wie recht überhaupt möglich sein, wenn schon die staatsanwaltschaft weisungsgebunden ist?

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        Anton Nym

        Vielleicht, weil wir Gesetze haben?
        Und weil ein Staatsanwalt bei seinen Ermittlungen auch alles in Betracht ziehen muss, was den Angeklagten entlastet?
        Und weil wir Gerichte haben, die abwägen zwischen Anklage und Verteidigung?

        Meine Güte, was für ein Verständnis von Recht und was für eine Wortwahl.

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    max

    das Strafmaß ist aber echt hoch.. für knappe 3000 Urheberrechtsverletzungen…

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      michel

      na ja, wenn otto normalo bei einem einzigen film im schnitt umme 1000€ zahlen soll, während 3 jahre staatsurlaub also rund 3.000.000€ “wert”


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