germanyhusicaysx.onion: DiDW – Wie kam es zu der Schließung?

Die Tor-Adresse germanyhusicaysx.onion stand primär für einen unkontrollierten Meinungsaustausch, aber sekundär eben auch für einen Handel mit illegalen Gütern. Luckys Plattform war dabei kein Marktplatz wie Silk Road, sondern ein Diskussionsforum ohne Shops. Zwar boten viele Händler Waren an, verkauft wurde aber nicht über die Plattform selbst, sondern im direkten Kontakt mit den Interessenten. All das fand am 8. Juni 2017 mit der Verhaftung des Betreibers ein Ende, das Portal wurde für immer vom Netz genommen.

Die große, deutschsprachige Darknet-Plattform „Deutschland im DeepWeb“ (DiDW) betrieb seit März 2013 als alleiniger Administrator ein Informatikstudent aus Karlsruhe, der unter dem Pseudonym “Lucky” agierte. Der heute 31-Jährige Alexander U. wurde im vergangenen Juni enttarnt und von der Polizei festgenommen. Vorgeworfen wird ihm unter anderem, dass er in seinem Forum Tausende Geschäfte, angefangen von Waffenhandel, wie auch jenes mit dem Münchner Amokläufer, über Drogenhandel, Handel mit gestohlenen Kreditkartendaten und Falschgeld, ermöglicht haben soll. Zuletzt verfügte der Darknet Marketplace über 20.000 registrierte Mitglieder.

Doch wie kam es zu seiner Festnahme und damit einhergehend zu der Schließung des Portals? Darüber gibt die Süddeutsche Zeitung Auskunft. Angesetzt auf den Fall war Andreas May, auch bekannt als “gefährlichster Darknetjäger Deutschlands”. Der Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main äußerte sich damals bei der «re:publica» in Berlin zu den schwierigen Ermittlungen im deutschen Darknet. Er kritisierte dort, seine Ermittler kämen eigentlich kaum an die Darknet-Dealer heran. Dennoch hatte Mays Behörde die Verhaftung des Betreibers von «Deutschland im DeepWeb» eingeleitet.

Den Ermittler ist klar, hinter “Lucky” müsste sich ein technisch begabter IT-Experte verbergen, der auf seiner eigenen Plattform Anonymität anbietet und so ein Ausspähen unmöglich macht, da Server, die im Darknet stehen, ihre Adresse nicht preisgeben. Die Spuren sind nicht zurückverfolgbar, weder von den Behörden, noch vom Internetprovider. Die Ermittler begeben sich also auf eine andere Weise auf Luckys Spuren, indem sie alles mitlesen, was er im Forum schreibt. Sie bleiben an ihm dran und hoffen auf einen Fehler mit dem Wissen, dass sich Geduld auszahlen könnte. So gingen der Identifizierung des Tatverdächtigen monatelange verdeckte Ermittlungen voraus.

Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, fanden die Ermittler schließlich einen Weg, um Luckys Identität zu ermitteln. Darauf folgend gingen sie mit einer Mischung aus “roher Gewalt und psychologischer List” vor. Vor allem kam es für die Beamten darauf an, den Laptop unverschlüsselt und eingeschaltet in Besitz zu nehmen. Andernfalls gäbe es keine Beweissicherung. Es gelang ihnen, Lucky zu täuschen. Sie spiegelten ihm vor, seine Plattform weise technische Schwächen auf. Somit war garantiert, dass er sich zu der Zeit, als sich die Polizeikräfte schon vor seiner Tür mit einem Rammbock positionierten, sein Laptop an war, während Lucky der Sache nachging. Dann kracht am Abend des 8. Juni 2017 der Rammbock in die Tür, die Hausdurchsuchung einschließlich der Festnahme folgten.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist der Betreiber, Alexander U., inzwischen allerdings auf Initiative der Staatsanwaltschaft Mannheim wieder auf freiem Fuß. Gemäß dem Medienbericht ist noch völlig offen, wie es mit Alexander U. weitergeht. Die Ermittler müssen ihm sein Wissen über das Treiben der Nutzer auf seiner Plattform nachweisen. Sein Prozess wird folglich noch auf sich warten lassen. In diesem Fall würde es sich um eine “Strafbarkeitslücke” handeln, die erst geschlossen werden muss. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht dazu: Falls Darknet-Betreiber nach geltendem Recht unter Berufung auf ihre Ahnungslosigkeit davonkämen, “werden wir eine Strafbarkeit für das Betreiben krimineller Infrastrukturen einführen”, um “das Betreiben eines Darknet-Handelsplatzes für kriminelle Waren und Dienstleistungen” zu einem eigenständigen Delikt zu erklären. Vergleichsweise dazu sitzt “Dread Pirate Roberts”, der bis 2013 den Schwarzmarkt “Silk Road” betrieb, heute eine lebenslange Gefängnisstrafe in Oklahoma ab.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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19 Kommentare

  1. Messias sagt:

    https://www.sueddeutsche.de/digital/darknet-amoklauf-muenchen-1.4208802

  2. Horst Günther sagt:

    Hat jemand eine Ahnung was für ein Framework für das Forum eingesetzt wurde? Die Architektur wurde bei der Süddeutschen so hochgelobt dass ich neugierig bin. :D

  3. keep alive sagt:

    1.20 min Werbespot für DW-Plattformen:
    https://www.liveleak.com/view?t=ktL5u_1525821788

  4. Anonymous sagt:

    @Marek
    Naja, versteckte Partitionen helfen nur wenn diejenigen die ran wollen nicht hellhörig werden, sobald eine hidden volume als Fat angelegt wurde.
    Ansonsten kommt wieder der Schraubenschlüssel ins Spiel :-).
    Oder einen schönen Hamster hast du (Computernerd da gibt es keine Freundin der man die Finger abschneiden kann :-)), mal schauen ob er bügeln verträgt.
    Das es zur Enttarnung des Betreibers gekommen ist lag wohl eher nicht an der verwendeten Verschlüsselung oder Tor sondern die Ursache saß vor dem Monitor. Er hat Reallive und sein spezielles Hobby nicht gut genug voneinander getrennt, sofern das wirklich stimmt was da in dem Zeitungsartikel steht. Kann ja auch eine gezielte Fehlinformation sein.
    Andererseits, da der aktuell frei rumläuft bringt es eigentlich nichts da Gerüchte zu streuen. Der könnte das jederzeit wiederlegen.
    Diese ganze Problematik ist nichts neues und hier schon oft besprochen worden.
    Interessant ist, das ein Endgerät ohne Akku vermutlich die Beweissicherung erheblich erschwert hätte.
    Aber immer im Hinterkopf behalten, Schraubenschlüssel.
    Nicht unbedingt das was bei der deutschen Polizei zu erwarten ist aber wer sich mit Waffenhändlern abgibt …..

    • Marek Meier sagt:

      Gebe ich dir voll und ganz recht, jetzt kommt das aber, wer zur Hölle nutzt noch Fat32 außer für nen Stick für den TV. Ich nutze nur noch NTFS und EXT4. Ich glaube halt auch nicht was in der Zeitung steht noch dazu da auch bei Husky war. Und ich bin leider Nerd von Beruf. Privat ist privat Beruf ist Beruf.

      So der Senf zu den Waffen. Bis kurz nach dem 2ten Weltkrieg war es auch in Deutschland normal Waffen zu Hause zu haben. In Österreich ist es nach absolvierten Wehrdienst genauso der Fall wie in der Schweiz. Dort passiert auch nicht mehr mit Waffen also sonst. Das Interessante in Deutschland was Waffen angeht ist, das die registrierten Waffen bei den Attentaten der letzten Jahre Anwendung fanden, mit der Ausnahme München oder wo das war.

      Der Staat hat nur Angst sein Gewaltmonopol zu verlieren, bzw, das bisschen was er noch hat zu erhalten.

      In Berlin kriegst du für 900 € eine Kalaschnikow aus dem Bosnienkrieg, samt Munition. Ich habe aber in Deutschland noch nie gehört, das damit ein Attentat hier begangen wurden ist.

      Es gibt in Deutschland 20 Mio illegale Waffen mit den weniger Sachen passiert sind als mit den 5 Mio legal registrierten.

      Wenn du eine legal hast unterliegst du stichprobenartigen Kontrollen deiner Lagerung, musst ein Zuverlässigkeitsbescheinigung des Gerichtes haben und so weiter. Fährst du aber ausversehen mal schwarz mit der Straßenbahn verlierst du diese, weil du wegen so einer Geringfügigkeit nicht mehr als Vertrauenwürdig zählt.

      Am Ende sind die illegalen Waffen in Deutschland angenehmer zu Handhaben also legale, man ist keiner Behördenwillkür ausgesetzt etc.

      Und ja ich habe Frau und Kind, aber du mein altes Beschäftigungsverhältnis würde ich das niemand erdreisten meiner Frau oder meinem Kind was an zu tuen. Weil mit Folter erpresste Daten sind vor Gericht nicht zulässig. Wenn man nicht grade die NSA gehackt oder dem BKA die Server gelöscht läuft alles im rechtsstaatlichen Rahmen ab. Ich habe dafür einen guten Anwalt auf Rückhand. Nein keinen Herrn Solmecke, sondern einen auf Cybercrime spezialisierten.

      Sollen sie bei mir vor der Tür stehen gerne, alle Daten sind redundant gesynct, der Computer ist nicht auf meinen Namen gekauft und kann vom eigentlichen Besitzer zeitnah zurückgefordert werden, welchen auch in den meisten Fällen bis jetzt zeitnah Folge geleistet wurde.

      Das witzige an aktuellen Hausdurchsuchungen ist noch dazu, das eine Mitarbeiterin des Gerichts diesen Unterschrieben hat. Dies ist schon formal falsch. Diese darf nur von einem Richter unterschrieben und angeordnet sein. Auch wenn sie mit ner Kope damit vor dir rumwedeln zu Beginn wird die ganze Durchsuchung hinfällig und die Beweise können/dürfen nicht verwertet werden.

      Das vermute ich auch in dieser Sache.

  5. Hans Peter sagt:

    didwzweiypgcznon.onion/forums/list.page

    Ein ganz netter Nachfolger. Aber noch im Aufbau.

  6. Hans Peter sagt:

    Hier:

    didwzweiypgcznon.onion/forums/list.page

    Dieses Forum schimpft sich als Nachfolger. Das Ganze befindet sich wie es scheint noch im Aufbau.

  7. Anonymous sagt:

    @Marek – wie kommt ihr eigentlich immer darauf, dass irgendwas an solchen Maßnahmen illegal sein sollte. StAs und Chefermittler werden einen Teufel tun, sowas zuzulassen. Was rechtlich nicht abgedeckt und wasserdicht ist, wird auch nicht von Behördenpersonal erledigt. Informanten, Zuträger, ect, gibt es in und für jede Szene.

    • Marek Meier sagt:

      Ich weiß es aus eigener Erfahrung, das sowas illegal ist. Bin damals deshalb auch sauber aus meiner Sache raus. Steht sogar auch im Gesetz, das man mit einer Straftat keine andere Straftat aufklären darf. In dem Fall Computersabotage gegen Handel mit Betäubungsmitteln.

    • Mauzi sagt:

      Ich muss dir da leider RECHT geben..
      Bei einen früheren Bekannten von mir, ein „ehemaliger“ Hells Angel .. tritt / rammt die Polizei regelmäßig die Tür ein. Meistens mitten in der Nacht.. Da kennen die nix.. Die laufen dann mit voller Montur in der Nachbarschaft durch die Gärten.. sperren die Straße ab..
      Wenn die das Ok vom Staatsanwalt haben.. können die das machen.. der Steuerzahler bezahlt doch die Reparaturkosten..

      • Marek Meier sagt:

        Mauzi es gibt Uhrzeiten da dürfen sie es und Uhrzeiten da dürfen sie es nicht, außer es ist Gefahr. Bei uns dürfen sie es nicht so einfach, vielleicht liegt es auch daran das ich in einem Freistaat wohne wo die Polizeigesetze es nicht so einfach her geben. Und mit vortäuschen einer Straftat ist unsere Polizei auch gerne dabei gewesen bis es massiv nach hinten los ging.

        • Mauzi sagt:

          Naja.. zwischen 3 – 5 Uhr mitten in der Nacht.. finde ich schon arg.. Das Lustige ist.. die Nachbarschaft hat sich schon daran gewöhnt weil es schon seit Jahren so geht.. wenn es knallt wissen sie genau bei .. xxxx ist mal wieder die Polizei am Werk.. Es ist einfach lächerlich ist.. er hat seit Jahren nichts mehr mit dem Verein zu tun.. hat sich davon los gesagt.. hat zwar mal Leute auf die Mütze gehauen.. aber das ist einem Motorradclub normal.. Damals war das noch nicht so wie Heute.. Aber die suchen seit Jahren nach Waffen.. finden aber nichts..
          Ich finde ja unsere Gesetze zu lasch.. wünschte mir in manchen Fällen mehr härte……… wo es angebracht ist.. die sollen sich einfach um die Leute kümmern die es verdient haben.. und nicht unsere Steuern für so eine Ka…. raus werfen..

  8. Anonymous sagt:

    Gibt es mittlerweile eigentlich eine vergleichbare alternative?

    • Marek Meier sagt:

      Leider nicht, was Meinungsaustausch etc angeht. Für die “illegalen” Sachen gibts ja Fraudsters und CNW

  9. Anonymous sagt:

    Tja, da gibt es irgend so einen Cartoon, wo letztendlich einfach damit gedroht wird mit einem Schraubenschlüssel für 10 Dollar das Passwort herauszuprügeln, als 100 Milliarden für einen Supercomputer auszugeben.
    Hier hat man eben auch klassische Ermittlungen (PSY-Ops) mit roher Gewalt kombiniert. Dürfte ein Schock für Einige sein.

    • Marek Meier sagt:

      Da gebe ich dir sogar recht, aber in Veracrypt hast du die möglichkeit von versteckten Partitionen. Demnach gibst du Ihnen das Passwort zu der einen und die andere ist weiterhin safe und verschlüsselt

  10. Anonymous sagt:

    jemanden vor den PC zu locken, während das SEK vor der Tür steht, hat 2012 auch beim Thiazi-Chef geklappt. In einem Anruf frühmorgens machte das BKA auf Antifa und gab an, ihn zu outen. Einen Link zum Outing hat man an sein Forum geschickt. Beim Zugriff kurz danach sitzt er vorm entschlüsselten PC, den Browser mit drei Tabs auf, eingeloggt auf Thiazi.net, fertig für den IT-Beweissicherungsbericht.

    für Diskussionsforen Strafbarkeit einführen, na dann.

  11. Sinep sagt:

    germanyhusicaysx war ein super Forum für “freie” Diskussion!
    Egal, welche Meinung man vertritt, es blieb meist sachlich. Das Niveau war dort fast immer ganz oben, was man im WWW(Facebook und Co.) ehr selten findet.

  12. Marek Meier sagt:

    Also hat die Polizei durch illegales Handeln was illegales Beschlagnahmt. Viel Spaß damit, das wird ganz weit nach hinten losgehen. Ist wie Feueralarm im Haus mit Hilfe der Feuerwehr und dann werden Wanzen in der Wohnugn plaziert.

    Dafür gibts tolle Sachen Names Notschalter den man neben sich hat für Netzstrom und kein Akku im Laptop. Naja ich finde es ärgerlich, das es Lucky erwischt hat ist ein sehr lieber und hilfbereiter Mensch.

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