Geld sollte nicht die Hauptrolle spielen: ein Uploader im Gespräch (2)

Article by · 22. September 2017 ·

Ohne Uploader gäbe es keine Sharehoster, keine Streaming-Hoster, kein KinoX und auch keine Warez-Foren. Wir haben uns kürzlich in Berlin ausführlich mit einem der Beschaffer des digitalen Untergrunds unterhalten.

Berlin Hohenschönhausen. Dieser Stadtteil wird in den Medien gerne als „neuer Stadtteil“ bezeichnet. Nun ja, das klingt natürlich deutlich besser als eine Anhäufung von Plattenbausiedlungen. Schlimmer ist es nur noch in Marzahn. Hohenschönhausen, das sind auch Straßenzüge voller Villen, doch bei den Reichen lebt unser Kontakt nicht.

Die Sonne geht langsam unter. Auf der Parkbank, auf der wir es uns gemütlich gemacht haben, wird es merklich kälter. Da mich der Uploader sicher nicht in sein warmes Wohnzimmer einladen wird, müssen wir uns ein wenig beeilen. Wer den Anfang verpasst hat, der erste Teil des Interviews ist hier verfügbar.

 

Geldwäsche: „Man kann sich kein 80.000€ Auto vor die Tür stellen, wenn man nur 8,50€ die Stunde verdient.

 

Wie gehst Du bei den Auszahlungen mit dem Thema Geldwäsche um? Wie lässt Du das Geld auszahlen? Auf ein Bankkonto, per Bitcoins oder Gutscheine?

Damals gab es noch keine Bitcoins, meine ersten Auszahlungen sind damals auf PayPal-Konten geflossen. Als ich das erste Kapital angespart habe, habe ich mir ein Offshore-Konto erstellt, was heute noch aktiv ist.

Darüber laufen alle Einnahmen und Ausgaben. Dank Kreditkarte kann man auch überall auf der Welt das Geld abheben.

Mittlerweile lasse ich aber alles in Bitcoins auszahlen, damals waren es auch Gutscheine, aber die habe ich meistens an Exchanger verkauft.

Der größte Fehler ist es, die auf das eigene Amazon- oder sonstige Konten einzulösen, Wird ein Hoster hochgenommen und die Codes sind zurückverfolgbar, dann haben sie einen.

Ein anderer Punkt ist, wie man mit dem Geld umgeht. Damals, als ich vierstellige Beträge gemacht habe, war der größte Fehler, wenn man auf einmal eine sehr teure Uhr an seinem Handgelenk trägt. Dann kommen Nachfragen. Woher kommt das Geld, wenn man in der Lehre 300€ netto monatlich verdient. Da habe ich gelernt, lieber das Geld liegen zu lassen und langsam in den Kreislauf zu bringen.

Später mit den richtigen Kontakten kamen doch auch die richtigen Tipps. Wichtig ist es, mit dem Geld nicht zu prahlen. Zweitens man muss sich Wege suchen, wenn eine Steuerüberprüfung kommt und belegen, wie das eingenommene Guthaben zustande gekommen ist.

Außerdem: Man kann sich nicht ein 80.000€ Auto vor die Tür stellen, wenn man nur 8,50€ die Stunde verdient. Irgendwann steht vielleicht das Finanzamt vor Deiner Tür und fragt, woher Du das Geld hast. Wenn man die Einnahmen nicht belegen kann, werden die Sachen beschlagnahmt.

Wie genau jetzt die Geldwäsche abläuft, werde ich nicht erklären, aber es gibt Mittel und Wege.

 

Okay, mit solchen Interna habe ich auch nicht gerechnet. Wie viele TB an Daten hast Du zu Hause? Sind die Festplatten verschlüsselt?

Zuhause: zwei NAS mit insgesamt 9,8 TB von 16 TB. Verschlüsselt ist alles.

 

 

Viel mehr pro Stunde als die meisten Uploader verdienen ja die Abuse-Agenturen wie fifthfreedom & Co. an Warez, und das unter dem Deckmantel des Urheberschutzes. Haben diese Unternehmen in Deinen Augen ihre Daseinsberechtigung? Wie schützt Du Dich als Uploader vor einem Abuse?

Diese Agenturen haben schon eine Daseinsberechtigung, schließlich müssen ja die Urheber auch geschützt werden. Aber teilweise nutzen diese auch illegale Methoden wie Botnetze etc. oder abusen Content, an dem sie keine Rechte besitzen. Vor einem Abuse (= Antrag auf Löschung von urheberrechtlich geschütztem Material) schützen kann man sich kaum, da die Bots von denen ziemlich gut sind. Da hilft nur eins gegen: Reuppen, reuppen und nochmals reuppen.

 

 

Also das Zeug immer wieder unter anderem Namen hochladen. Wurdest Du schon mal erwischt? Wie kam es dazu? Wie ging das Verfahren für Dich aus?

Ja, tatsächlich, damals im Zuge das FTP-Welt Busts.

Es gab eine Geldstrafe gegen Einstellung des Verfahrens. Ich glaube, das waren ein paar Tagessätze á 10€. Habe die Dokumente dazu nicht mehr. (Anmerkung der Redaktion: Damit stand unser Uploader alles andere als alleine da. 2005 wurden die ersten 15.000 Verfahren gegen die zahlende Kundschaft von ftp-welt.com eingeleitet, erst war von 45.000 Beschuldigten die Rede).

 

„Nach einem Bust hängen die Behörden wie eine Klette an Deinem Hals.“

 

Würdest Du weiter machen, wenn man Dich erwischen würde?

Wenn ich heute erwischt werden würde, nein. Weil Du hast danach die Behörden wie eine Klette an Deinem Hals hängen.

 

Woher beziehst Du Deine Dateien? Auch von Affil FTP-Sites ?

Gemischt, aber hauptsächlich geschlossene FTP-Server, aber weniger von den Release-Groups selber, weil man dort nur Access (= Zugriff) bekommt, wenn man selber dort Content liefert.

Der landet dann am Ende auf den Dumps, also wo so gut wie alles an Releases der Groups hinkommt. Von dort bekomme ich meinen Content her.

 

Wieviel Zeit verwendest Du am Tag für Deine Uploads und das Eintragen? Benutzt du Autotracker oder bevorzugst Du die Oldschool Handarbeit?

Täglich zwei Stunden, da das meiste mittlerweile Tools übernehmen. Nur Nachkontrolle wird gemacht und das nachgetragen, was die Tools nicht finden. Also ein Mix aus automatisch und Handarbeit.

 

Kaufst du auch Content, um ihn bereitzustellen?

Ja, wenn es den Content noch nicht gibt, wie bei alten Filmen.

 

Wo stehen Deine Upload Server? In welcher Größenordnung beläuft sich der Traffic?

Zwei Stück, einer in den Niederlanden und einer in Frankreich. Jeweils 1 gbit. Ca. 40-60 TB im Monat, dazu sagen aber Serverzentren kaum etwas.

 

Was wird denn generell am meisten geladen?

Pornos, danach Filme und Musik. Also wenn man neu anfangen will mit uploaden: Pornos gehen immer. The Internet is for porn ist kein Slogan (siehe Video unten).

 


World of Warcraft. Surprise, surprise: the Internet is for porn

 

Und was war die am häufigsten geladene Datei?

Gute Frage, damals auf 3dl oder iLoad haben sich die Downloads bei Top-Releases so um die 50.000 Downloads in der ersten Woche bewegt. Da war der Abuse aber auch noch nicht so extrem. Heute bei aktuellen Kinofilmen sind es bei mir so 1.000 Downloads am ersten Tag, wenn es in dieser Zeit nicht schon abused wurde. Meine meistgeladene Datei bei Share-Online, die noch online ist, steht bei 35.812 Downloads.

 

Das ist immer noch eine ganze Menge. Gibt es keine Probleme, wenn Account-Abuses hereinkommen und der Account beim Sharehoster dann gelöscht wird?

Bisher gab es keine, bis Uploaded kam. Und Rapidshare war damals schlimm, als sie mit Klagen überzogen wurden.

Aber ansonsten passiert kaum etwas. Das Schlimmste was passieren kann, das halt der Account gebannt wird und vielleicht dann noch Daten herausgegeben werden, was ich mir bei Uploaded mittlerweile gut vorstellen kann.

 

Notice & Take Down Verfahren: „ein Kampf zwischen Windrad und Vogel

 

Ist die Abuse Rate groß bei Deinen Uploads? Und dann? Re-Upload oder nutzt Du einen anderen Sharehoster? Welche nutzt Du denn gerne? Und warum ausgerechnet diese?

Natürlich betrifft dies aktuelle Kinofilme, Filme von Constantin und Co., Serien von RTL und Pornos von allen großen Amilabels.

Musik wird sehr schnell (von den beauftragten Antipirateriefirmen per Notice and Take Down Verfahren) abused. Der Reupload folgt aber meist am selben Tag noch.

Abusen und Reuppen ist wie ein Kampf zwischen Windrad und Vogel.

 

Uploader

An welcher preDB hängst du?

IRC-Kanal vom FTP, preDB und xrel.

 

Wenn Du für Dritte arbeitest, musst Du einen Teil abdrücken, z.B. an den Seitenbetreiber?

Ich arbeite für niemanden und wenn eine Seite Geld will, ist sie nicht gut. Darauf würde ich mich auch nie einlassen.

 

Ausblick: Alles bewegt sich in Richtung Streams.

 

In welche Richtung wird es in der Zukunft gehen, eher in Richtung Streams oder Downloads?

Ich glaube eher in Richtung Streams, da man diese sofort hat. Und wenn man in Zukunft auch noch Spiele oder Software streamen kann, werden Downloads kaum noch eine Rolle spielen.

 

Wird Kim Dotcom in die USA ausgeliefert? Welche Auswirkungen würde eine Verurteilung des Megaupload-Mitgründers haben?

Bisher wehrt er sich ja ganz gut. Ich denke, es wird nie eine Auslieferung geben. Wenn ja, eine Verurteilung würde kaum etwas ändern, die OCHs und Streamhoster stehen auch jetzt nach Jahren von Megaupload wie eine Festung. Nach dem Megaupload-Bust gab es zwar ein Massensterben von alten Größen wie Hotfile, Filesonic und Co., aber die OCHs blühen. Es gibt Tausende davon, wenn man nur mal auf wjunction.com schaut.

 

Wie siehst Du die Warez-Welt in fünf bis zehn Jahren?

Wenn es keine großen Busts (Razzien) gibt und keine Zensur, wird es so bleiben aber minimaler. Solange es keine legalen guten Angebote gibt in 5-10 Jahren, wird sich an der Verbreitung von Warez auch kaum etwas ändern.

 

Was glaubst Du, gibt es dann noch immer Streaming- oder Sharehoster?

Ja, bloß nicht in der Masse wie heute. Geld wird dort eine große Rolle spielen und die Möglichkeiten, Werbung zu schalten. Erst wenn man es schaffen würde, den One Click Hostern den Geldhahn komplett abzudrehen, nähern wir uns dem Ende.

 

Letzte Frage bevor die Sonne ganz weg ist und wir drohen uns zu erkälten: Wird dann das Internet komplett reguliert sein? Darf man dann überhaupt noch anonym surfen?

In den Ländern, wo ein Erdogan oder Putin regiert, wird die Zensur weiter stattfinden. Aber ich denke, in der EU wird es in nächsten 10-20 Jahren keine Regulierung geben. Und VPNs werden hier auch nicht verboten sein.

Ich hoffe es. Ich will kein Internet wie in China, der Türkei oder Russland.

 

Weitere Interviews, die inhaltlich gut dazu passen:

Alles dreht sich ums Geld: der illegale Pay-Streaming-Anbieter Watchhd.to (ehemals WatchHD.biz) im Interview.

Bitcoins gegen Bezahlung mixen, damit es die Ermittler schwerer haben: Coinmixer.se im Gespräch.

Sie gilt als die Jeanne d´Arc der Piraterie. Alexandra Elbakyan (Sci-Hub) über Open Access und die Zukunft des Urheberrechts.

Mehr zu diesem Thema:

Flattr this!

3 Comments

  • comment-avatar

    istmeiner

    Am besten sind noch die Sprüche das man heutzutage damit kein großes Geld mehr verdienen kann. Also es würde so reichen für die Server und so. Kurz danach dann 50 % steck ich in Bitcoin und die anderen 50 % ins reale Leben (ich nehme mal an in Luxuskram den Rest zahlt sicher sein Arbeitsamt vor Ort) „Ich mach in Medien“ heisst ja in Berlin nix weiter als „Ich bekomm Stütze“ :-)

  • comment-avatar

    80.000€ Auto

    „Man kann sich kein 80.000€ Auto vor die Tür stellen, wenn man nur 8,50€ die Stunde verdient.“

    Klar kann man das. Nennt man Leasing. Hab jede 3 Jahre den neusten Porsche vor meiner Tür.

  • comment-avatar

    Mr Unknown

    Absolut korrekt.


Leave a comment