Eurojust: EU-Behörde verhaftet Betreiber der Streaming-App Mobdro

Die EU-Justizagentur Eurojust unterstützte die Behörden mehrerer EU-Länder an einem Aktionstag dabei, die Betreiber von Mobdro zu verhaften.

Bildquelle: Maxim Hopman

Die EU-Justizagentur Eurojust unterstützte kürzlich die Behörden mehrerer EU-Länder dabei, illegales Fußballstreaming über die App Mobdro zu unterbinden. Es kam zu einer Festnahme und mehreren Vorladungen mutmaßlicher Betreiber bzw. weiterer Tatverdächtiger.

Eurojust zog bei Mobdro endgültig den Stecker

Mit Unterstützung der EU-Justizbehörde Eurojust haben kürzlich spanische Behörden Maßnahmen ergriffen, um das illegale Streaming von Fußballspielen der großen Profiligen über die App Mobdro zu unterbinden. Mehr als 43 Millionen Nutzer weltweit hatten diese App nach Behördenangaben heruntergeladen, um Spiele z.B. der spanischen La Liga und der englischen Premier League über Server und Plattformen zu sehen, die illegal reguläre audiovisuelle Signale anzapften.

Die spanischen Behörden haben einen Verdächtigen festgenommen. Drei weitere Personen wurden in Spanien und Andorra zum Verhör vorgeladen. Über Spanien, Portugal und die Tschechische Republik, wo einige der Plattformen gehostet wurden, kann die App nicht mehr benutzt werden.

Die Ermittlungen in diesem speziellen Fall der illegalen Übertragung von urheberrechtlich geschützten audiovisuellen Signalen nahm Eurojust im Jahr 2018 auf. Sie begannen nach Beschwerden der spanischen Fußball-Profiliga (La Liga Española de Fútbol), der Premier League und der Organisation der professionellen Urheberrechtsinhaber, FAP. Der Hauptverdächtige nutzte mehrere Computerdomains und Server, um sich über die Anwendung Mobdro illegal mit legal betriebenen audiovisuellen und Streaming-Diensten zu verbinden.

Eurojust

Betreiber generierte fünf Millionen Euro Gewinn

Seine Dienste bot er Kunden weltweit an und und bewarb diese online, was zu geschätzten Gewinnen von mindestens fünf Millionen Euro geführt haben soll. Während der Ermittlungen deckte man weitere illegale Streaming-Aktivitäten auf. Diese verkauften ihre Dienste, ohne die Urheberrechte an die Rechteinhaber zu entrichten.

Eurojust koordinierte einen Aktionstag, der zu Durchsuchungen an vier Orten führte. Zudem ist die App in Spanien, Portugal und der Tschechischen Republik jetzt nicht mehr illegal nutzbar. Eurojust half auch bei der Ausführung von europäischen Ermittlungsanordnungen der spanischen Behörden an Portugal und die Tschechische Republik sowie bei einem Rechtshilfeersuchen an das Fürstentum Andorra.

Onlinebetrug

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Mobdro musste häufiger die Domain wechseln

Eurojust leistete zudem analytische Unterstützung für die Operation, die vor Ort in Spanien vom Ermittlungsgericht Nr. 12 von Valencia und dem nationalen Polizeikorps durchgeführt wurde. In Portugal unterstützte man vor und am gemeinsamen Aktionstag die Kriminalpolizei, Polizeidirektion und Staatsanwaltschaft von Lissabon. Weitere Unterstützung leistete man bei der Generalstaatsanwaltschaft von Andorra und einer auf Cyberdelikte spezialisierte Ermittlungsabteilung.

mobdro

Wie die Kollegen von TorrentFreak berichten, musste der Betreiber von Mobdro seine Domain schon häufiger umziehen. So war man zeitweise über die URL Mobdro.com, Mobdro.sc und Mobdro.bz erreichbar. Mittlerweile sind vom Original alle Webseiten down. Auch die App Mobdro verschwand aus dem offiziellen Google Play Store. Dort ist nur noch ein knapp vier Euro teures E-Book mit dem gleichnamigen Thema erhältlich.

Wer aber bei Google sucht, wird weiterhin bei den inoffiziellen Download-Quellen für Android fündig. Neben Mobdro Plus gibt es im Web viele weitere Streaming-Apps, die im Kern nichts tun sollen, als den Kunden kostenpflichtige IPTV-Abos zu vermitteln. Der Ermittlungserfolg von Eurojust & Co. wird also nur von kurzer Dauer sein. Wie üblich eigentlich…

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.