Danny Michel: Streaming-Dienste zerstören unsere Lebensgrundlage

Danny Michel gab kürzlich einen Umsatzrückgang von 95 Prozent bekannt, den er auf die winzigen Auszahlungen der Streaming-Dienste zurückführt. Apple Music, Spotify & Co. seien für einen radikalen Umbruch der Musiker-Szene verantwortlich, der sich allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit anbahnt. Diverse Kollegen sprechen hinter vorgehaltener Hand über ihren Ausstieg, weil auch deren Einnahmen in 2018 ähnlich brutal eingebrochen seien.

Musiker im ständigen „Überlebens-Panikmodus“ ?

Der kanadische Musiker Danny Michel erlaubte kürzlich bei Facebook einen Blick hinter die Kulissen. Michel sei seit 25 Jahren hauptberuflicher Musiker und er habe absolut nichts gegen harte Arbeit. Denn das Musik Business sei nichts als harte Arbeit. In der Vergangenheit hätten ihm seine Songs sein Haus, sein Studio und seine Rechnungen bezahlt. Wenn er sich allerdings seine neuesten Quittungen von Spotify anschaut, kommt er zu dem Urteil, dass es so nicht weitergehen könne. Michel bekam 0,003 US-Dollar pro abgespieltem Song bei Spotify. Er bemerkt einen Rückgang seiner Umsätze von 95 %. Sein Song „Purgatory Cove“ (siehe Video unten) war für zehn Wochen in den TOP 20 Charts von CBC Radio 2 & 3, trotzdem konnte das Lied bei den Streaming-Diensten dieses Jahr bisher nur knapp 45 US-Dollar einspielen.

 

24 % der Künstler erwägen die Branche zu verlassen

Ich weiß, dass ich nicht allein bin.“ Infolgedessen verkleinern sich Bands und Musiker und sparen Kosten ein, wo immer es geht. „Sie nehmen zu Hause auf und schneiden, wo immer sie können. Studios verlieren ihr Geschäft. Session-Musiker, Techniker, Verwaltung und Autoren verlieren alle ihre Arbeit. Und da jede Band der Welt wieder unterwegs ist, sind die Veranstaltungsorte verstopft und die Ticketpreise haben sich verdreifacht. Für mich bedeutet es, nicht zu Hause zu sein und mehr Arbeit anzunehmen, als ich je hatte.“ Bei einer Umfrage des Unison Benevolent Fund (eine Art kanadische Künstlersozialkasse) gaben 24 % der befragten Mitarbeiter der Kreativwirtschaft an, dass sie erwägen, die Musikindustrie zu verlassen.

Spotify: ein Künstler bekommt $0.003 US-Dollar pro abgespieltem Song

Danny weiter in seinem Facebook-Posting: „Aus den Gesprächen, die ich geführt habe, entnehme ich, dass die Statistik viel höher ist. In den letzten Monaten habe ich mit vielen brillanten lebenslangen Musikern (einige davon kennen Sie) gesprochen, die leise ihre Exit-Strategie beginnen. Ich fürchte, die Musiker zögern, all dies zuzugeben, denn so viel von dieser Branche ist Wahrnehmung; die Illusion, dass die Karriere eines Künstlers in die Höhe schießt.“ Kaum jemand ist bereit zuzugeben, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Es sei weder nachhaltig noch gesund, gleichzeitig der Verwaltungsangestellte, sein eigener Manager, reisender Künstler u.v.m. zu sein. Das habe zur Folge, dass man sich als Musiker dauerhaft im „Überlebens-Panikmodus“ befindet. „Trotzdem kannst Du es Dir nicht leisten, jemanden einzustellen.

 

Danny Michel fordert eine gerechte Entlohnung und kein Mitleid

Die sozialen Netzwerke nebst den Statistiken der Streaming-Anbieter machen es noch schlimmer. Jeder könne sehen, wie viele Likes, Follower und abgespielte Streams ein jeder Musiker vorweisen könne. „Niemand muss Mitleid mit mir haben.“ Musik zu machen, „das ist es, was ich tue„, schreibt er in seinem Posting. Michel kenne die Lösung dieses Problems nicht. Er würde auch niemandem vorschreiben wollen, die Streaming-Dienste nicht mehr zu nutzen. „Musikfans verdienen es zu wissen, wie das alles funktioniert und warum die Künstler, die sie lieben, bald verschwunden sein könnten.“ Dieses neue Modell der „freien Musik“ könne einfach nicht mehr lange funktionieren, schlussfolgert der kanadische Gitarrist und Sänger.

Erste Musiker wie Christina Martin und die Songwriters Association of Canada haben schon öffentlich auf sein Posting reagiert.

 

Beitragsbild von tabercil @ Flikr.com, thx! (CC BY-SA 2.0)

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Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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