China: Überwachung wird perfektioniert mit Gesichtserkennungsbrillen

Article by · 7. Februar 2018 ·

Die chinesische Regierung rüstet die Polizeieinheiten des Landes mit einem neuen Werkzeug aus. Es handelt sich um ein leistungsfähiges, mobiles Überwachungssystem in Form einer Brille, an die eine hochauflösende Kamera angeschlossen ist. Verbunden wird die Sehhilfe mit einem Tablet, das eine Offline-Polizeidatenbank mit ca. hunderttausenden Gesichtern zum Abgleich ebenso bereit hält wie eine KI-Software, berichtet The Wall Street Journal.

Das Gerät zur Gesichtserkennung wird dabei an der Brille aufgesetzt und verwendet so stets das gleiche Sichtfeld wie der Träger. Das System soll allerdings nicht nur zum Feststellen von Identitäten dienen, sondern deren hauptsächliches Anwendungsgebiet wird das Aufspüren von Leuten sein, die per Haftbefehl gesucht werden. Bisher konnten auf diese Weise bereits sieben Verdächtigte ermittelt werden, denen Vergehen vorgeworfen wurden, wie Fahrerflucht oder Menschenhandel.

Zwar wird Gesichtserkennungssoftware in China schon seit längerem an Orten, wie Flughäfen oder Bahnhöfen, eingesetzt, doch erst die Gesichtserkennungsbrillen ermöglichen den Polizeikräften an jedem beliebigen Ort die Identität von größeren Personengruppen festzustellen, ohne dafür an einen bestimmten Punkt gebunden zu sein. Bei fest installierten Kameras gibt es das Problem, dass sich Zielpersonen dem polizeilichen Zugriff nach ihrer Entdeckung oftmals entziehen können, bevor die von den Behörden angeforderten Ermittler am jeweiligen Ort eintreffen. Ein weiterer Vorteil bietet sich durch das Entfallen einer Serverabfrage über das Internet, da die Datenbank mobil von jedem Beamten gleich mitgeführt wird. Entsprechende Tests zeigten, dass innerhalb von rund 100 Millisekunden Personen in einer Datenbank von 10.000 Verdächtigen auffindbar waren. Hersteller der Geräte ist eine Firma namens LLVision. Vorerst gibt es keine Pläne von LLVision, ihr System ins Ausland zu verkaufen, wobei auch da eine Nachfrage gegeben wäre.

Derzeit nutzt die Bahnhofspolizei der Stadt Zhengszhou als erste Einheit in China die Gesichtserkennungsbrillen. So wird das System am Ostbahnhof von Zhengzhou eingesetzt und soll sich im Reiseverkehr rund um das chinesische Neujahrsfest gleich bewähren. In diesem Jahr wird chinaweit zwischen dem ersten Februar und dem 12. März mit 389 Millionen Zugfahrten gerechnet, berichtet sixthtone.com.

Geplant ist von der Regierung eine nationale Datenbank, die Informationen über alle 1,3 Milliarden Einwohner in sich vereint. So sollen es Gesichtserkennungssteme mit Hilfe künstlicher Intelligenzen ermöglichen, jeden Chinesen auf der Straße, auf Videos oder Fotos innerhalb von drei Sekunden zu identifizieren. Kritiker sehen in diesem Vorhaben allerdings massive Eingriffe in die Privatsphäre jeden einzelnen Bürgers.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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3 Comments

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    Leser

    Und wen der Computer nicht erkennt, ist kriminell.

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    1984

    Ich fand es schon erschreckend das China bis 2020 auf 626 Millionen Überwachungskameras aufrüsten will.
    siehe http://winfuture.de/news,100695.html

    Was kommt als nächstes? Vollautomatisierte Minidrohnen die jeden Bürger in der Stadt abscannen?

    „Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“
    -Benjamin Franklin

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    Trebor Napfta

    Wer nichts zu verbergen hat, der hat ….. auch keine Privatsphäre mehr.


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