Wirtschaftskriminalität verzeichnet höchsten Stand seit fünf Jahren

Wirtschaftskriminalität ist auf dem höchstem Stand seit 5 Jahren. Die Täter verursachten in Deutschland 2017 Schäden in Milliardenhöhe.

Smartphone, Kriminalität, Wirtschaftskriminalität

Insbesondere große Einzelfälle aus dem vergangenen Jahr sind verantwortlich für das starke Ansteigen der Wirtschaftskriminalität 2017. Aber auch niedrige Zinsen und eine wachsende Digitalisierung wäre zuständig für die Entstehung neuer Formen von Anlagenbetrug. Es wurden 74.070 Fälle aktenkundig, also ca. 29 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Der angerichtete Schaden wird auf 3,7 Milliarden Euro beanschlagt, informiert das BKA.

Wirtschaftskriminalität laut BKA auf dem Höchststand

Allein die durch Wirtschaftskriminalität entstandene Schadenssumme von 3,7 Milliarden Euro macht etwa die Hälfte des durch Kriminalität insgesamt entstandenen Schadens aus und verdeutlicht durch diesen Anstieg um 25,9 Prozent bereits die eklatanten Auswirkungen gerade dieser Verbrechensart. Auch die Fallanzahl liegt deutlich über dem Jahresdurchschnitt der letzten fünf Jahre (65.484 Fälle). Der Anteil der Wirtschaftskriminalität an allen polizeilich bekannt gewordenen Straftaten schlägt mit 1,3 Prozent (2016: 0,9 Prozent) zu Buche. Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen der Polizei zeigten 2017 insbesondere bei der Bekämpfung des CEO-Fraud ihre Wirkung. Während es in 2016 noch einen Stand von 439 Fällen gab (davon 383 Versuche), sank die Zahl 2017 auf 262 (davon 239 Versuche).


Neue Finanzinstrumente wecken neue Begehrlichkeiten…

Eine besonders hohe Rendite verspricht der Betrug beim Handel mit binären Optionen. Der floriert daher auch in einem besonderen Maße. Die Polizei stellt fest, dass Täter sehr schnelle Reaktionszeiten bezüglich neu auf dem Markt angebotener Finanzprodukten haben, wobei Anlegern diese digitalen Optionen auf vermeintlich benutzerfreundlichen Online-Plattformen angeboten werden. Spätestens nach Eröffnung eines Accounts, werden die Kunden von Call-Centern aus betreut, aggressives Marketing in Kombination mit Social-Engineering-Methoden verleiten die Nutzer zu hohen Geldeinlagen, jedoch spätestens sobald der Kunde dann das Geld mit den vermeintliche hohen Gewinnen ausgezahlt bekommen haben will, stellt sich alles als Betrug heraus und diese Form der Geldanlage führt oftmals zum Totalverlust.

… bei manchen Cyberkriminellen und ihren Opfern

Zudem beliebt und hohen Gewinn versprechend wären auch Kapitalanlagen in bestehende virtuelle Währungen und mittels Crowdfunding als Initial Coin Offering (ICO) in neu zu schaffende Währungen. Anlagemodelle sind oftmals nicht staatlich reguliert. Verluste für Anleger sind möglich. Die Folgen spiegeln sich nicht nur im Verlust des Geldes wider. Sondern auch in Wettbewerbsverzerrungen und Reputationsverlusten ganzer Wirtschaftszweige.

Ein solch großer Einzelfall, der die Statistik für Wirtschaftskriminalität von 2016 auf 2017 so deutlich ansteigen ließ, ist die Tat des Dresdner Finanzdienstleister Infinus in Form gewerbsmäßigen Betrugs in besonders schwerem Fall und Kapitalanlagebetrugs. Es ging hier um den Vertrieb von Schuldverschreibungen. Und von Genussscheinen, deren hohe Renditeversprechen nur mit dem Geld anderer Anleger gedeckt werden konnten. Es handelte sich also um ein Schneeballsystem. Bei einem Schaden von 150 Millionen Euro brachte man so mindestens 20.000 Anleger um ihr Geld. Gegenwärtig läuft gegen den Gründer und die Ex-Führungskräfte der Firma ein Prozess vor dem Landgericht Dresden.

Bildquelle: kalhh, thx! (CC0 Public Domain)

Tarnkappe.info

Über den Autor

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.