Replik zum Cloud-Hype: Wie FUD täuscht, welche Risiken der US Cloud Act birgt und warum die lokale IT erforderlich bleibt.
Eine Replik von Bernhard Schott zu unserem Artikel letzte Woche, warum es angeblich stets sinnvoll sein soll, das lokale Firmen-Rechenzentrum für eine Cloud-Lösung aufzugeben.
Der Artikel verärgert beim Lesen durch rhetorische Irreführung: durch FUD. Darüber hinaus vereint er ein Konglomerat von weitgehend unzusammenhängenden Argumenten zu einem zweifelhaften Cloud-Plädoyer. Zum Schluss ein Ausblick: Die Cloud ist da, um zu bleiben.
Rhetorische Irreführung: FUD
Lassen Sie uns das Thema FUD zuerst betrachten: Der Artikel adressiert zwei Lesergruppen.
- Manager ohne technischen Hintergrund
- Entscheidungsträger, die den Schritt in die Cloud
a) vollzogen haben und
b) inzwischen bereuen.
Im letzteren Fall dient der Artikel als Trost und Rechtfertigung für überbordende Cloud- und Dienstleisterkosten.
Der Artikel wendet sich an IT-Entscheidungsträger um sie „don’t think twice, it’s alright“ in die Cloud zu locken. Und vor allem in die Microsoft-Cloud – die einzige explizit erwähnte.
FUD steht für eine manipulative Kommunikationsstrategie. Verwendete Methodik: Der Artikel setzt einen irreführenden Kontext mit einem massiv überzogenen Beispiel eines schlecht gemanagten lokalen Rechenzentrums (RZ) und mischt dabei räumliche Beschreibung (Keller) mit fehlgeleiteten Motivationen (trügerisches Gefühl von Kontrolle) und Behauptungen ohne Beleg (professionelle Gas-Brandschutzsysteme => wie jene, die bei Nutzung die Festplatten der Server zerstören?).
Was soll das? Diese rhetorische Technik nennt sich FUD: Fear, Uncertainty, Doubt. Der Leser wird hier ge-FUD-et um den folgenden Empfehlungen (Public Cloud) zu folgen.
Die Kombination von Buzz-Words ist Bingo-würdig und zielt auf die Verunsicherung der Manager-Ebene. Warum sind extern verwaltete Systeme modern und lokale nicht? Bezieht sich die Aussage auf das RZ oder die Hardware (HW) oder das OS oder die Middleware oder die Applikationen oder die Datenbanken oder die Betriebsverfahren? Zitat „Die Illusion der physischen Kontrolle weicht der harten Realität hochkomplexer Cyberbedrohungen und Ransomware-Angriffe.“
Ähnlich sinnvoll: Der Fisch und das Fahrrad! Die haben noch nie zusammengepasst – auch nicht in der Cloud. Der Artikel wirft immer wieder Argumente aus verschiedenen technologischen und regulatorischen Ebenen durcheinander, in der Hoffnung, dies möge der reduzierten Aufmerksamkeit des Management-Lesers entgehen.
Mich (IT Manager, Technologie Berater) hat der Artikel verärgert. Ich werde weiterhin Cloud vor allem gezielt zweckgebunden nutzen: z.B. zur Ablage von EDBs (Encrypted Data Blobs), wohlgemerkt: lokal verschlüsselt -> dann erst hochladen.
Der Artikel „Vom Keller in die Cloud“ fasziniert im Übrigen durch jene Themen, die er NICHT erwähnt oder erläutert:
- Verlust der Governance in der Cloud durch den US Cloud Act
- Kosten und Cash-Flow Risiko Cloud
- Cloud Risiko Zugriffsverlust
- Ausfälle in der Cloud
- Datenverluste in der Cloud
- Abhängigkeit: Einmal Cloud und niemals zurück
- Ausblick: Die Cloud ist da, um zu bleiben
1. Cloud Act
In diesem Fall verbreitet der Artikel gezielt den falschen Eindruck, Zitat: „Ein kompetenter regionaler IT-Partner bietet rechtliche Greifbarkeit und stellt zudem sicher, dass sensible Daten den europäischen Rechtsraum nicht unkontrolliert verlassen.“
Moment – wir sprachen doch bisher von Public Cloud – mit dem einzigen Beispiel Microsoft 365? Nun, Microsoft unterliegt dem US Cloud Act – auch wenn die Server in Europa stehen. Ist mit „kompetenter regionaler IT-Partner“ etwa ein NICHT-Microsoft Anbieter gemeint der NICHT dem US-Cloud Act unterliegt und alle Server mit Open Source Software (und Cloud) implementiert? Dann sicherlich auch OHNE MS-365, oder? All das erwähnt der Artikel NICHT.
Fakt ist: Alle US-amerikanischen Firmen unterliegen dem US-Cloud Act – und zwar weltweit. Und sind verpflichtet, weltweit gegen lokal (z.B. Europa) geltendes Recht zu verstoßen und Kundendaten weiterzureichen, ohne Gerichtsbeschluss im Land des Kunden, ohne Information des Kunden, ohne Einspruchsmöglichkeit für den Kunden.
Zitat aus dem US Cloud Act: Die Jurisdiktion US-amerikanischer Gerichte – und somit auch der US-Cloud Act – betrifft nicht nur Daten bei US-Hyperscalern, sondern auch Daten bei Unternehmen, die
- Tochter einer US-Firma sind,
- eine Niederlassung in den USA haben (T-Systems, IONOS Inc., ..)
- oder im Einzelfall auch nur geschäftliche Kontakte in die USA haben.
Zitat Ende.
Das alles ist nicht neu und wohlbekannt. Wir erinnern uns an Diesel-Gate: den beteiligten Firmen war nicht klar, dass ihre Daten längst den US Strafverfolgern zur Verfügung standen – bis hin zur letzten Email (MS-365).
Konsequenz: DSGVO Compliance ist mit einer US-Cloud Lösung nicht umsetzbar. Punkt. Zitat: „Der US CLOUD Act und die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) stehen in einem ungelösten rechtlichen Widerspruch.“
2. Kosten und Cash-Flow Risiko Cloud
Der Artikel „Vom Keller in die Cloud“ zitiert die technologisch hervorragend ausgestatteten Rechenzentren, in denen Cloud betrieben wird. Und diese Rechenzentren müssen alle bezahlt werden.
- Cloud ist teuer
- Cloud ist keine Sozial-Veranstaltung.
- Die Cloud-Betreiber sind hochprofitabel: siehe Aktienkurs z.B. von Google (Alphabet Inc).
- Der SW Stack Provider ist hochprofitabel: siehe Aktienkurs z.B. von Microsoft
Die Cloud ist wie die Dusche in einem billigen Hotel: nur solange man Münzen einwirft, kommt warmes Wasser. Und wenn Du gerade mal nichts einwirfst, kommt nix mehr – und Deine Daten sind auch futsch (zumindest nicht mehr im Zugriff).
Wenn eine kleine Firma, z.B. ein Startup oder ein Mittelständler wegen Cash-Flow-Problemen mal beim Zahlen aussetzen will, verlieren die nicht nur irgendwelche Funktionen. Je nach Verfahren des Cloud Betreibers werden die Accounts gelöscht und so verlieren sie auch die Daten, die Backups, die Chat-Verläufe, Konfigurationen. Und diese sind und bleiben verloren, auch wenn anschließend wieder gezahlt wird. (weil die neuen Accounts nicht mehr die alten sind …) Konsequenz: kontinuierlicher Backup lokal (ggfs. zusätzlich in eine andere Cloud)
3. Cloud Risiko Zugriffsverlust
Jeder, der die Nachrichten verfolgt, hat mitbekommen, wie missliebigen Usern Ihre MS-365 Accounts geblockt bzw gelöscht wurden. Hier Beispiele: „Microsoft hat nach Trump-Sanktionen das Mail-Konto des Chefanklägers des Internationalen Gerichtshofs blockiert.“
Das ist der GAU für den User. Und selbst falls der Account wieder angelegt wird: alle bisherigen Daten sind weg, weil das dann ein NEUER Account ist.
Politico beschreibt das als „… Europe’s fears that Trump could flip a „kill switch“ to cut digital services through American tech giants …“ und meint dann, es sei doch alles nicht so schlimm. Mich betrifft das doch nicht – ich mache doch nur <…> => völlig US-Trump-Administration-konformes Zeug.
Dieser User war anscheinend politisch unauffällig – trotzdem hat’s ihn erwischt: „Microsoft DELETED my account AND OneDrive … 25 fucking years of data …“ Und auch dieser könnte unpolitisch sein: „Microsoft Locked My Account – I Lost 30 Years of Photos & Work, and They Won’t Respond“. Und viele weitere Beispiele …
4. Ausfälle in der Cloud
Auch die Cloud fällt aus. Wir haben von ein paar Tagen (ab 31. Aug 2026) erlebt, wie MS-365 basierte Email gleich weltweit ausfiel. EX1464935: M365-Ausfall wegen vergessener Zertifikatserneuerung (31.8.2026) Im Artikel „Vom Keller in die Cloud“ wird gedroht mit „[bei Fehlern] …steht sofort der gesamte Betrieb still.“ Das geht mit der Cloud doch besser: bei einem MS-365 Fehler steht die halbe Welt still.
Die anderen Cloud Anbieter sind ebenso gut.
AWS Ausfälle: zum Beispiel – auch hier stand das halbe Internet still. „AWS US-EAST-1 Outage (October 2025): On October 20, 2025, at approximately 3:11 AM ET, Amazon Web Services experienced one of its most significant outages in recent history. For roughly 15 hours, a critical failure in the US-EAST-1 region (Northern Virginia) cascaded across the internet, taking down thousands of websites and applications that power our daily digital lives.„
Die meisten Cloud Provider betreiben Reporting, z.B. Dashboards zur Anzeige von Problemen, zum Beispiel: Amazon, Google, Microsoft, Cloud- und Hosting-Störungen in Deutschland.
Ergebnis: Ausfälle in der Cloud sind täglich Realität – die Cloud ist alles, nur nicht fehlerfrei.
5. Datenverluste in der Cloud
Datenverluste in der Cloud geschehen immer wieder – auch nichts Neues. In der Regel gibt es kein Backup für diese Daten. Warum nicht? Siehe oben: Münzeinwurf. Natürlich könnte man auch hier wieder Geld versenken. Meist wird dies nicht gemacht – auch weil die Cloud-Anbieter die Anwender nicht verunsichern wollen.
Beispiele von Backup-Anbietern, die das klar ausdrücken:
Zitat: Vorsicht: Microsoft 365 hat KEIN automatisches Backup! Viele Unternehmen glauben, dass ihre Daten in der Microsoft-Cloud „sicher“ sind. Das ist ein gefährlicher Irrtum.
Zitat: „Viele Nutzer glauben: „In der Cloud sind meine Daten automatisch sicher.“ Leider ist das nur die halbe Wahrheit. „Cloud“ ist kein eigenständiges Backup, …. Wer nur auf Cloud setzt, riskiert Datenverlust.“
6. Abhängigkeit: Einmal Cloud und niemals zurück
Die Motivation zur „alles in die Cloud“ Strategie kann identifiziert werden: Platziere nicht nur Bedarfs-Spitzen sondern Deinen Regel-Bedarf in meine Cloud – damit verdiene ich am meisten.
Die Idee Cloud ist angetreten mit der Vorstellung, Ressourcen nach Bedarf (Skalierung) anzumieten. Das impliziert auch das Ab-Mieten, das Zurückgeben von Ressourcen (dynamische Ressourcen-Allokation).
Das ist aber nicht im Interesse des Cloud-Providers. Der muss seine Ressourcen kontinuierlich bezahlen und den Wert abschreiben.
Mit offen einsehbaren Kostenmodellen, hier am Beispiel Azure, wird das transparent, aber nur mäßig überzeugend dargestellt (dynamisch = teuer, für 3 Jahre fest gebucht = weniger teuer).
Der Artikel „Vom Keller in die Cloud“ vermeidet diese Diskussion (da würde der Leser ja die Kosten sehen) indem er ein Gefühl vermittelt: Ein lokaler IT Betrieb ist praktisch nicht möglich – nur die Cloud verspricht Heil. Und wenn der Firmenkunde seine regulären IT Verfahren auf Cloud umgestellt hat, ist die Kompetenz seiner IT Gruppe auf „Maus und Monitor-Service“ geschrumpft – kein Weg zurück. Der Kunde ist und bleibt dauerhaft abhängig vom Cloud-Provider.
Die Cloud ist da, um zu bleiben
Cloud soll und wird nicht verschwinden – aber sie kann besser und günstiger werden.
Und wir können Cloud in Kombination mit lokalen IT Ressourcen und Services nutzen, um das Beste beider Welten zu erreichen. Und auch wenn eine lokale Infrastruktur keine Gas-Löschanlage vorweist, kann sie einen soliden, langjährig zuverlässigen Betrieb vorweisen mit HA und Standort-Redundanz und mit einer gemessenen Zuverlässigkeit in Reichweite der besseren Cloud-SLAs. (SLA = Service Level Agreement, der Vertrag)
Bessere Clouds? Nun, die größte Hürde hier ist nicht die Technik sondern eine über-griffige Gesetzgebung seitens der USA. Hoffnung: da sind ja bald wieder Wahlen.
Europäische Alternativen
Solange wir noch auf neue US Gesetze warten, können wir europäische Anbieter nutzen. Schwarz Digits hat mit STACKIT Cloud einen Aufschlag gemacht.
Zitat „Die STACKIT Cloud ist immun gegen den US CLOUD Act, da es sich um einen rein europäischen Cloud-Anbieter ohne US-Mutterkonzern handelt.“
Tatsächlich gibt es aber Zweifel bezüglich des starken US Geschäfts. Wir hatten hier bereits festgestellt, dass auch nur geschäftliche Kontakte in die USA ausreichen, um die Firma dem US Cloud Act zu unterwerfen.
Wir wünschen uns US-Cloud Act freie Clouds – dann auch gerne in Ergänzung unserer lokalen IT-Infrastrukturen.




















