Führerscheine im Dark Web: Symbolbild mit gestapelten Identitätsdokumenten vor digitalem Hintergrund und Ermittler-Silhouetten.
Digitale Führerscheine und Pässe im Dark Web: Die im Netz aufgetauchten Ausweisdokumente heizen die Debatte über die Risiken zentral gespeicherter Identitätsdaten an.
Bildquelle: Google Gemini

Führerscheine im Dark Web: FBI jagt die Quelle von 153 Mio. Datensätzen

Führerscheine im Dark Web: 153 Millionen Datensätze auf Nexus aufgetaucht. Das FBI untersucht, woher die sensiblen Identitätsdaten stammen.

Ein Verkauf digitaler Führerscheine im Dark Web sorgt aktuell für Aufsehen. Der illegale Marktplatz Nexus soll Zugriff auf mehr als 153 Millionen Führerscheine sowie weitere Identitätsdokumente aus den USA und Kanada anbieten. Das FBI untersucht derzeit die Herkunft der gewaltigen Datenmenge.

Wie KrebsOnSecurity berichtet, sollen die Datensätze dabei aus einer Quelle stammen, die zur Überprüfung staatlicher Ausweisdokumente genutzt wird. Damit steht der Verdacht eines massiven Angriffs auf einen Identitätsprüfungsdienst im Raum.

Führerscheine im Dark Web: Nexus bietet Millionen Dokumente an

Aufmerksam wurde Brian Krebs auf Nexus, nachdem ein neuer Nutzer den Dienst auf dem russischsprachigen Cybercrime-Forum Exploit beworben hatte. Als Krebs die Plattform daraufhin überprüfte, stieß er sogar auf seinen eigenen Führerschein im Angebot. Darüber hinaus standen dort digitale Scans von weiteren Führerscheinen und Identitätsdokumenten zum Verkauf. Der Market soll dabei eine Suche nach mehr als 150 Millionen Führerscheinen und Pässen von Menschen aus den USA und Kanada ermöglicht haben.

In dem Beitrag auf Exploit wurde Nexus damit beworben, täglich rund 500.000 neue Dokumente hinzuzufügen. Nach Angaben des Anbieters stammen die Daten von einem großen Unternehmen für Identitätsprüfungen.

Authentische Ausweisdokumente im Datenbestand

Wie Krebs mitteilte, sollen zudem Fotos bei den jeweiligen Datensätzen angezeigt worden sein. Unter den betroffenen Personen befindet sich auch US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. TechCrunch berichtet, dass das US-Verteidigungsministerium von den Vorwürfen weiß und die Angelegenheit prüft.

Führerscheine enthalten eine Vielzahl personenbezogener Angaben. Sie können zusammen mit einem Foto als Grundlage für Identitätsbetrug, gefälschte Konten oder andere kriminelle Aktivitäten dienen. Schon kurz nachdem Krebs über seine Recherche berichtet hatte, ging das Angebot auf Nexus allerdings wieder offline.

Spur führt zu einem Identitätsprüfungsdienst

Bei einer Suche nach der möglichen Herkunft der geleakten Dokumente stießen sowohl Krebs als auch der Sicherheitsforscher Zach Edwards auf den Dienst IDScan. Das Unternehmen mit Sitz in Louisiana wird von Technologie- und Verbrauchermarken beauftragt, staatliche Ausweisdokumente zu überprüfen. Die Unternehmen greifen auf die Ergebnisse zurück, um festzustellen, ob eine Person tatsächlich diejenige ist, für die sie sich ausgibt.

Laut TechCrunch verarbeitet IDScan große Mengen an Identitätsdokumenten. Der Dienst kann dabei auch IR- und UV-Aufnahmen der Dokumente erstellen. Das deckt sich mit Krebs’ Beobachtung, dass bei seinem Datensatz mehrere Versionen seines Führerscheins vorhanden waren, unter anderem Aufnahmen unter normalem Licht, Infrarot und UV. Eine Sprecherin des Unternehmens teilte Krebs mit, dass der Vorgang untersucht werde. Eine Bestätigung, dass IDScan tatsächlich die Quelle des Datenabflusses ist, liegt bisher jedoch nicht vor.

Führerscheine im Dark Web: Smartphone auf dunklem Schreibtisch mit digitalem Biometrie-Scan und Datennetzwerk-Glow.
Moderne Online-Dienste setzen auf digitale Verifizierung – doch die zentrale Speicherung von Ausweisdokumenten birgt erhebliche Sicherheitsrisiken.

Inzwischen beschäftigt sich auch das FBI-Büro in New Orleans mit dem Fall. Ein Sprecher der US-Bundespolizei bestätigte gegenüber TechCrunch, dass die Behörde den Vorfall untersucht. Wegen laufender Ermittlungen wollte sich das FBI dazu aber nicht näher äußern.

Gefahr für Identitätsdiebstahl

Die veröffentlichten Dokumente könnten sich für Cyberkriminelle als wertvoll erweisen. Ein Führerschein, kombiniert mit weiteren persönlichen Informationen können Akteure für Betrugsversuche, gefälschte Identitäten oder Social-Engineering-Angriffe verwenden. Dabei enthaltene Fotos eröffnen noch zusätzliche Möglichkeiten für Missbrauch.

Moderne Online-Dienste setzen gerade vermehrt auf digitale Identitätsprüfungen. Nutzer müssen dafür Fotos ihrer Ausweise oder Führerscheine hochladen. Die aktuelle Entwicklung zeigt damit auch die Risiken zentral gespeicherter Identitätsdaten.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.