28. Geburtstag des World Wide Web: WWW-Erfinder Tim Berners-Lee äußert Bedenken

Article by · 13. März 2017 ·

Anlässlich des 28. Geburtstags des World Wide Web warnt Tim Berners-Lee vor Fake-News, Datenkraken, und gezielter politischer Online-Werbung. Gleichzeitig stellt der Informatiker einen Plan für ein besseres Netz vor.

Berners-Lees Vision vom Internet vor 28 Jahren war eine „offene Plattform, die es jedem ermöglichen würde, Informationen zu teilen, Zugangsmöglichkeiten zu nutzen und über geografische und kulturelle Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten.“ Damals reichte er seinen Vorschlag beim CERN in Genf für einen Aufbau des WWW ein, heute äußert er sich kritisch zu aktuellen Entwicklungen im Netz, dazu, wie sich das Web entwickelt hat und was wir tun müssen, um sicherzustellen, dass sich seine Vorstellung einer Ausgleichsplattform erfüllt.

In einem offenen Brief, der im Guardian veröffentlicht wurde, kommt Berners-Lee zu dem Schluss, dass das Web seiner Vision in vielerlei Hinsicht gerecht geworden wäre, allerdings trat bei ihm, besonders in den vergangenen 12 Monaten eine zunehmende Besorgnis ein um drei neue Trends:

1. Verlust über die Kontrolle unserer persönlichen Daten: Das aktuelle Geschäftsmodell für viele Webseiten bietet kostenlose Inhalte im Austausch für persönliche Daten an. Diese Daten würden in „proprietären Silos“ gespeichert und an Dritte ohne unser Wissen weitergegeben. Diese Datensammlungen wecken allerlei Begehrlichkeiten, so auch die von Regierungen und Behörden. Die Folgen davon wären eine zunehmende Überwachung und führte somit auch zu Einschränkungen der freien Rede.

2. Eine Verbreitung von Fake-News im Netz wäre zu leicht möglich: Heute würden die meisten Menschen Nachrichten und Informationen über das Internet durch nur eine Handvoll Social Media Websites und Suchmaschinen finden, so Berners-Lee. Was sie jedoch dort zu sehen bekommen, werde von Algorithmen auf Basis ihrer persönlichen Vorlieben ausgewählt. Falschinformationen könnten sich auf diese Weise wie ein Lauffeuer verbreiten und für politische und finanzielle Zwecke missbraucht werden.

3. Politische Online-Werbung braucht mehr Transparenz: Politische Kampagnen können auf gut gefüllte Pools von persönlichen Daten zugreifen, was bedeutet, dass jetzt Benutzer direkt angesprochen werden können durch einzelne Anzeigen mit individuell zugeschnittenen Botschaften. Bis zu 50.000 Variationen von Online-Werbungen seien im US-Wahlkampf täglich auf Facebook ausgespielt worden. Nutzer seien durch die Online-Werbung mit Falschinformationen gefüttert und vom Wählen abgehalten worden, schreibt Berners-Lee unter Verweis auf die Trump-Kampagne, die mithilfe der Datenanalysefirma Cambridge Analytica aus Online-Daten destillierte Persönlichkeitsprofile für fragwürdiges politisches Direkt-Marketing genutzt haben soll. Gezielte Werbung erlaube es, völlig unterschiedliche oft auch einander widersprechende Botschaften an unterschiedliche Gruppen zu senden, kritisiert Berners-Lee: „Ist das demokratisch?“

Lösungen für diese Probleme zu finden, sei nicht einfach, meint Berners-Lee. Vor allem brauche man neue technische Möglichkeiten, mit denen Nutzer ihre Daten selbst kontrollieren können. Gatekeeper wie Facebook und Google müssten verstärkt dazu angehalten werden, die Verbreitung von Fake News einzudämmen. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass eine zentrale Stelle darüber entscheide, was wahr oder falsch sei. Zudem braucht es Transparenz über den Einsatz von Algorithmen und eine Regulierung politischer Werbung im Netz.

Fazit:

Er habe zwar das World Wide Web erfunden, jedoch ohne die Blogs, Tweets, Fotos, Videos, Apps und Webseiten von Millionen von Menschen wäre es aber nicht das, was es heute ist. Nun sei es wichtig, sich gemeinsam den Herausforderungen zu stellen, die überbordende Datensammlungen, Fake-News und intransparente politische Werbung für die Offenheit des Netzes stellen, zieht Berners-Lee Bilanz.

Mit seinem Team bei der Web Foundation will Berners-Lee nun eine Strategie für die nächsten fünf Jahre ausarbeiten: „Es hat uns alle gebraucht, um das Netz, das wir haben, aufzubauen – und es geht uns alle etwas an, das Netz, das wir möchten, zu entwickeln“, so Berners-Lee.

Bildquelle: PeteLinforth, thx! (CC0 Public Domain)

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