Windows 10 Lizenzkeys: Staatsanwaltschaften verschicken Vorladungen

Noch immer erhalten Käufer von unseriösen Windows 10 Lizenzkeys von eBay & Co. Vorladungen für eine Aussage bei der örtlichen Polizei.

eBay Screenshot, Windows 10 Lizenzkeys
Bildquelle: eBay

Erneut stellt man Käufern von unseriösen Windows 10 Lizenzkeys von eBay & Co. Vorladungen für eine Aussage bei der örtlichen Polizeidienststelle zu. Teilweise liegen die Fälle bis zu 11 Jahre zurück. Wie soll man darauf reagieren?

Empfänger der Vorladung haben illegale Windows 10 Lizenzkeys erworben

In der öffentlichen Telegram Gruppe von Tarnkappe.info tauchte gestern jemand auf, der einen Brief von der Polizei erhalten hat. Es geht um Windows 10 Lizenzkeys, die er vor Jahren bei eBay gekauft hat. Der Verdacht lautet auf leichtfertige Geldwäsche nebst strafbarer Urheberrechtsverletzungen, derer er sich schuldig gemacht haben soll. Er soll dazu eine Aussage machen, sich also selbst belasten. Microsoft geht schon seit vielen Jahren gegen illegale Product-Keys vor.

Alibaba, Windows 10 Lizenzkeys

Screenshot: Illegale Lizenzkeys für Windows 10 gibt es auch bei Alibaba.

Eine Vorladung ist nichts weiter als eine Einladung

Die Staatsanwaltschaften informieren die Empfänger der Briefe nicht immer darüber, worum es inhaltlich überhaupt geht. Die Tatvorwürfe bespricht dann vor Ort der Mitarbeiter der Polizei mit dem Tatverdächtigen. Allerdings muss man dort gar nicht erst erscheinen. Eine Vorladung, so ernst sie auch klingen mag, ist nichts weiter als eine Einladung. Wir haben 2013 auch eine Vorladung erhalten. Ein Ehepaar aus Münster, das einen kleinen Verlag betreibt, glaubte zu wissen, dass ich LUL.to betreibe. Und das nur, weil auf meinem privaten Blog Lars-Sobiraj.de häufiger entsprechende Berichte über dieses illegale E-Book-Portal erschienen sind.

win 10 keys

Im Dutzend billiger: Windows 10 Keys.

Doch zurück zu den Windows 10 Keys. Die Strafverfolgungsbehörden beziehen sich bei ihren Vorwürfen lediglich darauf, dass man bei den überaus günstigen Preisen argwöhnisch werden muss. Wer das Betriebssystem beim Hersteller käuflich erwirbt, müsste für die Home Version satte 145 Euro bezahlen. Windows 10 Pro schlägt regulär mit 259 EUR zu Buche. Bei eBay bieten Händler Keys ab 1 EUR an. Die meisten Angeboten liegen bei ca. 10 bis 15 Euro.

Bei Alibaba stellt sich das Bild ganz ähnlich wie bei eBay dar (siehe Foto oben). Die Preise sind durchschnittlich niedriger, allerdings möchte man bei Alibaba die Lizenzen gleich in großer Stückzahl loswerden. Nur bei Amazon will man statt der 145 nur rund 47 EUR für die Home Version von Windows 10 verlangen. Angeblich seien die Keys zu 100% verifiziert, steht dort. Spiegel Online stellte schon vor zwei Jahren klar, dass die Keys von ganz unterschiedlichen Quellen stammen. Legal ist ein solches Angebot aber natürlich nicht. Was daneben steht, spielt keine Rolle!

Im schlimmsten Fall droht dem Käufer eine Hausdurchsuchung

Rechtsanwalt Tobias Kläner macht in seinen Videos natürlich Werbung in eigener Sache. Er rät dazu, sich einen Fachanwalt zu besorgen, der den Vorladungstermin absagt und Akteneinsicht beantragt. Wie Kläner erläutert, können Fachanwälte für IT- und Medienrecht oftmals für eine Einstellung des Verfahrens sorgen. Im schlimmsten Fall sei es in der Vergangenheit schon zu Hausdurchsuchungen gekommen, um die Vorwürfe zu erhärten. Sollte man dabei Zufallsfunde machen, dürfen diese natürlich ebenfalls verwertet werden. Das heißt im Klartext: Wer keinen legalen Lizenzschlüssel besitzt, sollte seinen PC, Tablet und sein Smartphone verschlüsseln.

Copyright, Paragraf, Urheberrecht

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Wer seine Schuld hingegen beim Termin eingesteht, muss mit einem Strafbefehl rechnen, der wenige Wochen später bei ihm eintreffen wird. Dann sind saftige Geldstrafen zu erwarten, die den Preis eines Fachanwaltes bei weitem übersteigen. Sich professionell beraten zu lassen lohnt sich folglich auch dann, wenn das Verfahren nicht komplett eingestellt wird.

Windows 10 Pro

Offenbar arbeiten die Staatsanwaltschaften derzeit viele ältere Fälle ab und holen so jede Menge Strafzahlungen zum Wohle der Staatskasse herein. Rechtsanwalt Kläner vertritt die Meinung, man könne von den Kunden nicht verlangen, schon aufgrund des Preises von einem gefakten Angebot auszugehen. Viele professionelle Händler können unzählige positive Bewertungen vorweisen.

Kritisch sollte man stets werden, wenn der Preis zu niedrig ist und man bis auf den Lizenzschlüssel und ein paar Links zu weiteren Anleitungen nichts ausgehändigt bekommen soll. Aber gut, was will man schon für einen Euro erwarten?

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.