Thermomix TM5: Wann werden die Rezept-Chips geknackt?

Momentan versuchen einige Teilnehmer des Forums mikrocontroller.net die Rezept-Chips vom Thermomix TM5 zu knacken, um eigene Rezepte darauf zu kopieren.

Für die neueste Produktionsreihe der Multifunktionsgeräte des Wuppertaler Herstellers Vorwerk gibt es nun auch Rezept-Chips, auf denen rund 200 Rezepte gespeichert sind. Dafür werden pro Chip ab 30 Euro fällig. Momentan versuchen einige Teilnehmer des Forums mikrocontroller.net dem Geheimnis der teuren Hardware auf die Spur zu kommen.


Einige Hausfrauen schwören trotz des stolzen Preises von 1.000 Euro auf ihren Thermomix Tm5 . Das Gerät kann sowohl rühren, mixen, kneten, zerkleinern – aber es kann auch Zutaten wiegen, erwärmen, kochen, dünsten und vieles mehr. Seit einigen Monaten gibt es im neuen Modell auch einen Touchdisplay. Wer gar keine Ahnung von der Materie hat, kann sich jeden Schritt der Zubereitung einzeln anzeigen lassen. Beim Forum mikrocontroller.net wird jetzt gerätselt, wie der selbst entwickelte Rezept-Chip des Herstellers funktioniert. Den Nutzern geht es nicht um die Erstellung von Schwarzkopien. Sie wollen vielmehr eigene Chips mit ihren Rezepten füllen, um diese an das Gerät anschließen zu können.

themomix TM5 chip auswertenAls der Nutzer „König der Mixer“ von Rezeptwelt.de Links über die bisherigen Erfolge veröffentlichen wollte, wurden seine Beiträge gelöscht. Das Moderationsteam begründete die hauseigene Zensur damit, dass eine Werbung mit einer Verlinkung zu einer fremden Webseite den Nutzungsbedingungen zuwiderlaufe. Der Hintergrund dürfte aber ein ganz anderer sein: Vorwerk kann als Seitenbetreiber kein Interesse daran haben, dass Bastler ihre Rezepte auf eigene Chips kopieren, statt pro Exemplar mindestens 30 Euro und mehr auszugeben.

Der Hack ist angelaufen…

Währenddessen ist das Re-Engineering schon im vollen Gange. Der Anschluss ist magnetisch, ansonsten reagiert der Themomix TM5 erst gar nicht. Bei dem Stecker handelt es sich um einen vierpoligen USB-Anschluss. Bei Windows-Rechnern wird der Chip als CD-Laufwerk erkannt. Wer den Inhalt spiegelt, erhält ein Image im Umfang von rund 4 GB. In Wahrheit werden aber nur einige wenige Megabyte mit Bildern und Rezepten verbraucht. Entweder an den Thermomix TM5 muss ein spezieller Befehl zur Erkennung geschickt werden, oder aber es handelt sich um eine bislang unbekanntes Dateisystem. Wahrscheinlich steckt eine effektive Verschlüsselung dahinter, munkelt man.


In jedem Fall wird eine sogenannte BusyBox auf Basis eines Linux-Betriebssystems verwendet. Das Programm BusyBox wurde erschaffen, um auf eingebetteten Betriebssystemen mit sehr beschränkten Ressourcen eine Vielzahl an Funktionen zu ermöglichen. BusyBox muss unter Anwendung einer GNU General Public License verwendet werden. Allerdings ist die eigentliche Thermomix-Anwendung, die im Gerät auf Basis von Linux läuft, mit Sicherheit keine freie Software. Man darf getrost davon ausgehen, dass Vorwerk alle Rechte daran besitzt.

tm5 thermomix chip moddingDa bislang nicht bekannt ist welches Linux im TM5 zur Anwendung kommt und diese mit unterschiedlichen Lizenzen vertrieben werden, bleibt noch unklar, ob man bei einer selbst gebastelten Chip-Lösung gegen eine Software-Lizenz verstoßen würde. Medienanwalt Solmecke geht davon aus, dass das Anschließen eigener Geräte an den Thermomix TM5 in jedem Fall verboten ist (siehe Video unten). Verboten wäre es natürlich auch, einfach alle bisherigen hochpreisigen Chips auf einem einzigen zu speichern, um den einen Chip gegen ein geringes Entgelt anzubieten. Da Vorwerk sein Multifunktionsgerät bereits mit 13 Patenten abgesichert hat, wäre dies bei einer Weiterentwicklung auch eine Möglichkeit, um das Angebot der TM5-Chips von Drittanbietern zu untersagen. Vorwerk wird aber große Probleme haben, Bastler von der Nutzung eigener USB-Anschlüsse und Speichermedien abzuhalten, sobald das Geheimnis um die Chips geknackt ist.thermomix tm5 chip zange

Vorwerk: kein WLAN für Thermomix TM5

Interessant sind auch die Ausführungen von Johannes Knöller, der Vorwerk vor zwei Jahren einen Verbesserungsvorschlag geschickt hat. Nach seiner Ansicht wäre die Verbindung des Thermomix per Lankabel oder WLAN optimal. Dann könnte man die Bilder, Rezepte und Gebrauchsanweisungen direkt aus dem Internet herunterladen oder über einen PC auf das Multifunktionsgerät übertragen. Knöller erhielt von Vorwerk keinerlei Antwort auf seine seitenlange Abhandlung. Natürlich hätte dies dem Unternehmen die Möglichkeit genommen, die Rezept-Chips zum derzeitigen Preisniveau anzubieten. Wenn man die Kochanweisungen inklusive Bilder per WLAN übertragen kann, warum sollte man pro Chip 30 Euro und mehr ausgeben?

Aber noch basteln und forschen sie noch. Wer beim Re-Engineering mithelfen möchte, kann sich aktiv hier einbringen. Umso mehr Fachleute involviert sind, umso schneller können sie das Geheimnis lüften.

Zudem gibt es bei Facebook eine davon unabhängige Gruppe, die ihre Fans bzw. Follower über Neuerungen informiert. Update: Mittlerweile hat man die Gruppe wieder eingestampft, schade!

Bildquellen: Mikrokontroller.net & Facebook-Gemeinschaft Thermomix TM5 Chip-Modding, thx!


Video: Ist es legal, einen Rezept-Chip des Thermomix TM5 zu hacken?

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.