Der Flipper One ist wahrlich kein Flipper Zero 2. Linux, M.2, SDR und Mobilfunk machen ihn spannend, aber auch teuer.
Der Hersteller Flipper Devices arbeitet weiter am Flipper One. Mit dem bekannten Flipper Zero teilt das Gerät vor allem Marke und Herkunft. Der Zero bleibt bei NFC, RFID, Infrarot, Sub-GHz und GPIO. Der „One” hingegen setzt auf Linux, Ethernet, WLAN, mögliche Mobilfunkmodule, M.2-Erweiterungen und Netzwerkwerkzeuge. Flipper beschreibt ihn ausdrücklich als eigenständiges Gerät und nicht als Ersatz für den Zero.
Kein zweiter Flipper Zero
Wer beim Flipper One einen leistungsstärkeren Flipper Zero erwartet, ordnet das Gerät von Beginn an falsch ein. Der Zero arbeitet mit einem Mikrocontroller und bedient einzelne Schnittstellen direkt. Der One nutzt einen ARM-Prozessor, startet Linux und führt Werkzeuge aus, die eher zu kleinen Admin-Rechnern gehören. Dazu zählen Routing, VPN, Paketmitschnitte, Netzwerkdienste und je nach Modul auch Funkanalyse und mehr.
Laut aktueller Planung verfügt der Flipper One über einen Rockchip RK3576, 8 GB LPDDR5, 64 GB UFS, Wi-Fi 6E, zwei Gigabit-Ethernet-Ports, USB-C, HDMI, DisplayPort über USB-C, einen RP2350 als zusätzlichen Mikrocontroller und einen M.2-Steckplatz. Damit steht der Flipper One näher an einem kleinen Linux-Rechner als am bisher erhältlichen Flipper Zero.
Der Flipper One realisiert die Erweiterbarkeit über den M.2-Steckplatz
Über diesen kann Flipper Mobilfunkmodems, SSDs oder Funkmodule anbinden, ohne dass jedes Mal eine Zusatzplatine außen am Gehäuse hängen muss. Man muss somit nicht für jede Aufgabe ein Notebook mit USB-Adaptern, SDR-Sticks, Hotspots und Kabeln aufbauen.
Ohne passende Treiber, Stromversorgung, Antennen und gepflegte Software bleibt M.2 jedoch nur ein weiter Anschluss. Für den Mobilfunk und Software Defined Radio (SDR) ist mehr als eine Buchse auf der Platine nötig. Liefert Flipper nur die Hardwarebasis, wandert die Arbeit wieder zum Nutzer. Erst mit Modulen, die Treiber, Antennen und Software sauber mitbringen, wird der M.2 Steckplatz im Alltag sinnvoll nutzbar.
ADS-B ist ein gutes Beispiel
Software Defined Radio verlagert einen Teil der Funkverarbeitung in Software. Ein Linux-System kann mit passender Hardware damit Signale empfangen und auswerten. Ein Beispiel hierfür ist ADS-B. Flugzeuge senden darüber ihre Position, Höhe, Geschwindigkeit und Kennung. Ein SDR-Empfänger nimmt diese Daten auf und die Software zeigt die Flugzeuge anschließend auf einer Karte an.
Für solche Aufgaben ist ein kleines Gerät mit Akku, Display und Erweiterungssteckplatz besser geeignet als ein Aufbau aus Notebook, USB-Stick, Antenne und Adaptern. Der Flipper One wäre dadurch zwar kein universelles Funkgerät, aber ein handlicher Client für konkrete Funkanalysen. Bei ADS-B bleibt der Einstieg überschaubar. Für andere Funkbereiche ist mehr Wissen, andere Antennen und teilweise andere Hardware erforderlich, welche der Flipper One weiterhin mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mitbringen wird.
Linux darf nicht vom Hersteller abhängig sein
Flipper möchte den RK3576 ARM-Chip nicht auf einer typischen Herstellerbasis mit veralteten Kernelständen, Sonderpatches und Binärteilen betreiben. Solche BSP-Pakete bremsen viele ARM-Geräte später aus und sorgen oft im Nachgang für Probleme. Zwar starten sie oft ordentlich, erschweren aber später Updates, neue Distributionen und zusätzliche Hardware.
Deshalb arbeitet Flipper mit dem britischen Softwareunternehmen Collabora am Mainline-Support für den RK3576. Die Arbeit ist leider noch nicht abgeschlossen. In der offiziellen Dokumentation sind weiterhin offene Punkte zu NPU, Video-Encoding, CSI-Kamera, PCIe-Suspend und einigen Peripherieblöcken vermerkt. Auch Binärteile in der Boot-Kette bleiben ein Thema.
Ein startendes Linux reicht halt nicht für diese Art von Usecase aus. Der Flipper One muss Updates sauber durchlaufen, Module erkennen, Treiber zuverlässig laden und ohne undurchsichtige Herstellerlösungen wartbar bleiben. Sonst hängt man am Ende wieder an genau dem Softwarestack, den Flipper eigentlich vermeiden will. Kompliziert, instabil und nicht für jeden nutzbar.
350 Euro für den Flipper One sind nur der Anfang
Eine Basisversion des Flipper One um 350 Euro wäre schon arg knapp kalkuliert. Der Preis muss nicht nur die Kosten für den RK3576 decken, sondern auch die für LPDDR5-RAM, UFS-Speicher, Display, Akku, Gehäuse, WLAN, Ethernet, USB-C, M.2 und die Arbeit am Linux-Unterbau. In Europa kommen außerdem Versand, Steuern und Zubehör hinzu.
Dazu passt die aktuelle Lage am Speichermarkt schlecht. Für das zweite Quartal 2026 werden steigende Preise bei DRAM und NAND Flash erwartet. Auch die verlötete embedded MultiMediaCard (eMMC) und der Universal Flash Storage (UFS) stehen unter Druck, da die Hersteller ihre Kapazitäten stärker in Richtung Server, Enterprise-SSDs und KI-Infrastruktur ausrichten. Beim Flipper One betrifft das besonders RAM und internen Speicher.
In der Regel bleibt es aber nicht bei der Basisausstattung. Mobilfunk, SDR-Module, zusätzliche Antennen oder mehr Speicher treiben den Gesamtpreis weiter nach oben. Dann ist der Flipper One kein günstiges Spielzeug mehr, sondern ein kleiner Linux-Rechner, zu dem auch die Kosten für das ganze Zubehör hinzukommen.
Mobilfunk bringt mehr als ein kleines Modell
Flipper erwähnt lokale KI-Modelle als möglichen Einsatzbereich. Auf einem Handgerät mit 8 GB RAM, Akku und begrenzter Wärmeabfuhr ist das aber eher dem Marketing einzuordnen als der tatsächlichen Anwendung vor Ort. Für kurze Hilfestellungen bei Befehlen oder Konfigurationen reicht das vielleicht. Logs, Mitschnitte und eine Netzwerkanalyse gehören jedoch besser auf einen Rechner zu Hause.
Dafür braucht der Flipper One unterwegs eine saubere Verbindung ins eigene Netz. Mit 5G, VPN* oder Tailscale könnte er auf Ollama, OpenWebUI oder einen anderen lokalen Dienst zugreifen. Die Auswertung läuft dann auf einem Rechner mit mehr RAM, mehr Leistung und ordentlicher Kühlung. Der Flipper One sammelt Daten, prüft Schnittstellen, baut Verbindungen auf und reicht Ergebnisse weiter., dafür ist er eigentlich gedacht und nicht als „Eier legende Wollmilchsau“, die alles kann aber am Ende nichts mehr nicht richtig.
Günstiger wird dieses Setup dadurch natürlich auch nicht. Integriertes 5G erfordert ein Modem, Antennen, Platz im Gehäuse, mehr Stromverbrauch, sehr viele Zertifizierungen und Softwarepflege. Ohne internes 5G ist man dann natürlich wieder auf ein zweites Gerät angewiesen. Der GL.iNet Mudi 7 hingegen bündelt 5G, Wi-Fi 7, Akku, eSIM, Dual-SIM, 2,5-Gbit-Ethernet und VPN-Funktionen in einem mobilen Router. GL.iNet listet das Gerät im US-Shop zum Preis von 419,99 US-Dollar.
Mit Mobilfunk oder externem Router liegt man schnell deutlich über 350 Euro. Ein Flipper One ohne Mobilfunk bleibt günstiger, braucht unterwegs jedoch einen Hotspot oder Router. Ein Flipper One mit Mobilfunk kostet mehr. Das Gerät zusammen mit einem separaten 5G-Router ist flexibler, liegt aber klar außerhalb der Gadget-Klasse.
Natürlich kann man auch den Flipper mit seinem Smartphone verbinden. Doch Hackingadgets sollte man stets isoliert von seinen Dailyuse Sachen betreiben. Außer man testet natürlich nur seine eigene Infrastruktur, in dem Fall kann man auch sein vorhandenes Smartphone dafür nutzen.
Treiber, Module und Updates sind entscheidend
Zwei Ethernet-Ports, Wi-Fi 6E, M.2, Mainline-Linux und Erweiterungsmodule entsprechen dem aktuellen Anspruch eines mobilen Admin-Werkzeugs. Funktionen wie WLAN, der Monitor Mode, Ethernet-Bridging, VPN, M.2-Module, Akkulaufzeit und Treiberpflege müssen nicht nur in Demos, sondern auch im Alltag stabil funktionieren.
Ein guter Verkaufsstart reicht bei einem solchen Gerät nicht aus. Eine langfristige Modellpflege und Updates machen das Gerät erst ordentlich nutzbar. Man benötigt aktuelle Kernel, funktionierende Treiber und Module, die nicht nach wenigen Monaten veralten. Sonst verbringt man mehr Zeit mit Workarounds als mit der eigentlichen Arbeit.
Der Flipper One ist kein Flipper Zero 2, sondern ein Linux-Cyberdeck im Handformat. Am Ende bleiben drei Punkte: Preis, Modulunterstützung und Softwarepflege. Daran entscheidet sich, ob der Flipper One mehr wird als ein teures Gerät für eine kleine Nische.
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