Silk Road-Gründer Ross Ulbricht verklagt Bundesstrafvollzugsbehörde

Silk Road-Gründer Ross Ulbricht wirft dem Federal Bureau of Prisons in einer Klage vor, seine religiösen Rechte im Gefängnis zu verletzen.

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Bildquelle: Skorzewiak

Am 05.05.2021 reichte Silk Road-Gründer Ross Ulbricht beim US-Bezirksgericht der Vereinigten Staaten für den Bezirk Arizona eine Klage ein. Ulbricht fordert darin vom Beklagten, dem Federal Bureau of Prisons (FBOP), seine religiösen Rechte uneingeschränkt wahren zu können. Konkret klagt er sein Recht ein, mit seinem Vater kommunizieren zu dürfen, berichtet bitcoinmagazine.

Ross Ulbricht, der verurteilte Gründer „Dread Pirate Roberts“ des Darknet-Marketplaces Silk Road, reichte Anfang des Monats eine Bundesklage ein, in der er das Bundesgefängnisbüro beschuldigte, „seine Religionsausübung erheblich zu beschneiden“. Ulbricht verbüßt ​​aufeinanderfolgende, lebenslange Haftstrafen im US-amerikanischem Bundesgefängnis USP Tucson in Arizona. Er wurde im Jahr 2015 in sieben Anklagepunkten, darunter Geldwäsche, Computerhacking und Drogenhandels, für schuldig befunden.

TRULINCS Insassen-E-Mail-System ermöglicht Kontakte

Der Anwalt von Ulbricht, Brandon Sample, gibt an, dass Gefängnisbeamte gegen das Gesetz zur Wiederherstellung der Religionsfreiheit (RFRA) verstoßen, indem sie ihm die Kommunikation mit seinem Vater über das TRULINCS-E-Mail-System verweigern.

Insassen, die im Bundesgefängnisbüro inhaftiert sind, haben in manchen Fällen Zugang zum Insassen-Computersystem (TRULINCS) des Trust Fund Limited. Das gestattet es Insassen unter anderem, E-Mails mit dazu autorisierten Mitgliedern zu senden. Dieses System, das extern mit der Website Corrlinks.com verbunden ist, ermöglicht es Bundesinsassen, über stark überwachten Dienst, E-Mails mit bis zu 30 genehmigten Kontakten zu versenden.

Ross Ulbricht

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In der Klage kommt zum Ausdruck, dass Silk Road-Gründer Ulbricht, als praktizierender Christ, glaubt, dass es, auch aus religiösen Gründen, nicht rechtens sei, nicht weiter mit seinem Vater in Kontakt treten zu können. Die einzige Möglichkeit für Ulbricht, mit seinem Vater Kirk zu kommunizieren, bestünde darin, das TRULINCS-Konto eines anderen Bundesinsassen zu verwenden. Allerdings stellt dies einen Verstoß gegen die Gefängnispolitik dar. Es verstößt gegen die BOP-Regeln, wodurch Ulbricht allerdings Strafen und Sanktionen ausgesetzt wäre. Ulbrichts Vater lebt in einer abgelegenen Gegend von Costa Rica, wo man keine Post oder Telefonanrufe empfangen kann, Das TRULINCS-E-Mail-System bleibt darum Ulbrichts einzige Option.

In einer beantragten Straferleichterung forderte Ulbricht das Gericht mittels Klage auf, eine Anordnung zu erlassen, als Aufforderung an die Bundesbehörden. Ihm solle die Verwendung von TRULINCS gestattet sein, zudem seine Gerichtskosten und Anwaltskosten gedeckt werden und ihm des Weitern jede zusätzliche Erleichterung zu gewähren, die das Gericht für angemessen hält.

Silk Road – ein Darknet-Market der Superlative

Darknet Site Silk RoadBildquelle: PerlaStudio

Silk Road war der erste große Darknet-Markt, auf dem illegale Waren und Dienstleistungen, einschließlich illegaler Drogen, von den Nutzern der Website sowohl gekauft, als auch verkauft wurden. Ross William Ulbricht betrieb die illegale Plattform von 2011 bis 2013. Silk Road setzte Bitcoins ein, um laut Gerichtsdokumenten in weniger als drei Jahren immerhin den Gegenwert von 1,2 Milliarden Dollar an illegalen Verkäufen zu erzielen. Zudem erreichten sie 80 Millionen Dollar an Provisionen. Im Jahr 2013 sperrten die Strafverfolgungsbehörden infolge Silk Road und verhafteten ihren Besitzer und Betreiber Ross Ulbricht. Dieser war außerdem auch bekannt als „Dread Pirate Roberts“. Eine New Yorker Bundesjury hat ihn 2015 in sieben Anklagepunkten für schuldig befunden. Darunter Verschwörung zum Vertrieb von Betäubungsmitteln und ebenso Geldwäsche. Man hat Ulbricht im Jahr 2015 infolge zu einer mehrfach lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Bis März 2013, zwei Jahre nach dem Start der Website, standen 10.000 Produkte auf Silk Road zum Verkauf. Darunter waren auch 70 Prozent Drogen. Das Angebot unterteilte sich dabei in die Kategorien Stimulanzien, Psychedelika, verschreibungspflichtige Medikamente, Vorprodukte, Opioide, Ecstasy, Dissoziative und Steroide / PEDs. Gemäß einer Studie der Carnegie Mellon University wurden auf der Darknet-Site jährlich Transaktionen im Wert von schätzungsweise 15 Millionen US-Dollar in Bitcoin getätigt.

Keine Begnadigung von Ross Ulbricht vor Trumps Amtszeit

Das US-Justizministerium gab Ende letzten Jahres bekannt, 69.000 Bitcoins und andere Kryptowährungen im Wert von über 1 Milliarde US-Dollar im Zusammenhang mit dem Darknet-Online-Marketplace Silk Road beschlagnahmt zu haben. Die Kryptowährung hätte sich im Besitz eines namenlosen Hackers befunden, der sie von der „berüchtigten“ Website gestohlen habe. In der Wallet eingelagert war sie dabei von April 2013 bis zur Beschlagnahme. Es wäre die größte Kryptowährungsbeschlagnahme, die jemals von der US-Regierung durchgeführt wurde, weist das Justizministerium hin. Im Jahr 2020 berichteten Medien, dass der frühere Präsident Donald Trump erwog, Ulbricht zu begnadigen. Zu dieser Begnadigung kam es jedoch letztlich nie bis zu Trumps Amtsniederlegung.

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.