Njalla erliegt rechtlichem Druck und nimmt Piraten-Site-Domains offline

Aufgrund rechtlichen Drucks sind in den letzten Tagen Piraten-Websites, die den Njalla-Domainregistrierungsdienst nutzen, offline gegangen.

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Bildquelle: ra2studio

Der von vier Jahren von The Pirate Bay-Mitbegründer Peter Sunde eröffnete, bekannte Domain-Registrar Njalla musste in der vergangenen Woche aufgrund des rechtlichen Drucks einige beliebte Streaming-Sites schließen. Njalla ergriff diese Maßnahme als Reaktion auf den rechtlichen Druck aus Island, berichtet TorrentFreak.

Demgemäß gingen lokale Urheberrechtsinhaber gegen die .is-Domain-Registrierungsstelle (ISNIC) vor. Diese erhielt infolge mehrere Missbrauchsbeschwerden und Ankündigungen rechtlicher Konsequenzen wegen Njalla-registrierter Domains. ISNIC leitete daraufhin die Angelegenheit an Njalla weiter, verbunden mit der Forderung, Maßnahmen zu ergreifen. Andernfalls hätte die isländische Vergabestelle das Recht, Njallas NIC-Handle und alle damit verbundenen .is-Domains zu sperren.

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Auf Nachfrage von TorrentFreak gab Njalla an, sie sahen keine andere Möglichkeit, als die Domains „offline“ zu nehmen. Sie wären praktisch zu dem Schritt gezwungen wurden. Hätten sie sich dazu entschieden, die Aufforderung zu ignorieren, wären alle anderen .is-Domains unter ihrer Kontrolle gefährdet gewesen. Das schließt auch die Domains vieler anderer Kunden ein.

Njalla entfernt beliebte Streaming-Sites wegen ISNIC-Ultimatum

Folglich waren in den letzten Wochen viele Domains beliebter Streaming-Sites, die von Njalla registriert waren, nicht mehr unter der Adresse .is verfügbar. Von der Schließung konkret betroffen sind 1337x.is, Flixtor.is, Getpopcorntime.is, und stream2watch.is. Inzwischen haben zwar alle Seiten ihren Betrieb unter neuen Domains fortgesetzt.

Flixtor beklagt gegenüber TorrentFreak jedoch, sie hätten nun erheblich an Google-Traffic eingebüßt. Zudem würden viele Nutzer infolge auf gefälschten Seiten landen, die Malware beinhalten und auf Phishing-Betrug aus wären. Allerdings zeigen sie Verständnis für die Entscheidung von Njalla, „da es offensichtlich keine andere Möglichkeit gab“.

Auch ISNIC äußerte sich gegenüber TorrentFreak in der Angelegenheit. Sie teilten mit, dass sie einen Anstieg von Missbrauchsbeschwerden festgestellt haben, auf die es galt, angemessen und schnell zu reagieren. Jens Pétur Jensen, ISNIC-CEO, bekundet:

„Eine steigende Anzahl von so genannten ‚missbräuchlichen Domain-Registrierungen‘ ist ein echtes Problem/eine echte Sorge für alle seriösen Domain-Namen-Registrierungsstellen. Für uns bei ISNIC spielt die Integrität der .is-Domain als solche eine wichtige Rolle in unserer täglichen Arbeit“.

Sundes Domain-Service verschafft Website-Betreibern Anonymität

Letztlich versuchen die Rechteinhaber, alle Identitäten der Betreiber von Piratendomains herauszufinden und sie üben entsprechenden Druck aus. Njalla baut jedoch auf der Geschäftsidee auf, Betreibern von Webseiten dabei helfen, anonym zu bleiben. Sie registrieren die Domain im Namen des Kunden. Allerdings kann man sie aufgrund des Sitzes auf der Insel Nevis nicht dafür haftbar machen. Auch in dem Fall ist Njalla laut Whois-Daten der offizielle Inhaber der Domains. Somit kann auch ISNIC letztlich Rechteinhabern nicht dabei unterstützen, Identitäten zu enttarnen. Sunde baute damals den Dienst aus Überzeugung auf, er meinte, es fehlten Alternativen:

Njalla

„Njalla wird gebraucht, weil wir in der Gesellschaft den falschen Weg gehen, was das Recht der Menschen auf Anonymität angeht. Mit sozialen Medien, die uns dazu drängen, weniger anonym zu sein und Dienstleistungen, die zentralisiert werden, brauchen wir Alternativen“.

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.