„My Friend Cayla“: Der Spion, der aus dem Kinderzimmer kam

Die smarte Bluetooth-Puppe „My Friend Cayla“ vestößt gegen § 90 Telekommunikationsgesetz (TKG). Gemäß diesem Paragrafen sind versteckte Sendeanlagen und Spionagegeräte grundsätzlich verboten; verstecken sie sich in alltäglichen Gegenständen, ist selbst der Besitz illegal. Aus diesem Grund wird die Puppe von der Bundesnetzagentur als Spionagegerät eingestuft und ist ab sofort in Deutschland verboten, informiert die Süddeutsche Zeitung.

Die Bundesnetzagentur untersagt folglich sowohl den Verkauf, als auch den Besitz. Die Behörde hat die Verkaufsstellen angeschrieben, damit die Puppen aus dem Sortiment genommen werden und ruft außerdem Eltern auf, die Puppe zu vernichten, wenn sie eine gekauft haben. Der Verkauf und Besitz einer verbotenen Sendeanlage kann mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden, laut Paragraf 148 des Telekommunikationsgesetzes.


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„My Friend Cayla“ war das „Top 10 Spielzeug des Jahres 2014“. Hergesteller der smarten Puppe ist das Unternehmen Genesis, wobei „smart“ bedeutet, sie soll lernfähig sein und Fragen beantworten können. Vertrieben wird sie vom britischen Spielzeugbauer Vivid. Sie lässt sich per Bluetooth mit dem Smartphone verbinden, verfügt über Mikrofon, Spracherkennung, Netzwerkzugang und lässt sich über eine iOS- oder Android-App steuern.

Per App kann man mit der Puppe kommunizieren, sie antwortet dann mit Informationen aus dem Internet. So kommentiert sie Spielzüge bei „Tic Tac Toe“ genauso, wie sie Fragen beantwortet und Smalltalk führt. Weil Cayla durch diese Ausstattung jedoch auch eine Sendeanlage nach Paragraf 90 des Telekommunikationsgesetzes (TKG) ist, hat sich die Bundesnetzagentur eingeschaltet. Die Puppe ist somit nur vermeintlich ein harmloses Spielzeug, denn sie gehört damit zu jener Art von Spionagegeräten, die laut Telekommunikationsgesetz „ihrer Form nach einen anderen Gegenstand vortäuschen“, aufgrund ihrer technischen Ausrüstung aber dazu genutzt werden könnten, private Äußerungen anzuhören oder aufzunehmen.

Auslöser war ein Rechtsgutachten des Jura-Studenten Stefan Hessel von der Universität des Saarlandes, der die Puppe auf ihre rechtliche Vereinbarkeit mit dem Telekommunikationsgesetz untersucht hatte. In diesem Gutachten stellte er fest, dass die Puppe aufgrund eines ungesicherten Zugriffs auf das Mikrofon via Bluetooth als „verbotene Sendenanlage“ einzustufen sei: „Es sprechen entscheidende Gründe dafür, dass die Puppe eine verbotene Sendeanlage im Sinne des § 90 Telekommunikationsgesetz ist. Jedes bluetoothfähige Gerät in Reichweite von etwa zehn Metern kann eine Verbindung zu ihr aufbauen und Lautsprecher und Mikrofon nutzen. In einem Versuch hatte ich auch über mehrere Wände hindurch auf die Puppe Zugriff. Es fehlt an eingebauten Sicherungen“, erklärt Stefan Hessel.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Puppe in die Kritik geraten ist. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatten Norwegische Datenschützer auf die Datenschutz-Probleme aufmerksam gemacht. Hessel erläutert das Verfahren: Fragen der Kinder würden über die App in die USA gesandt und in eine Text-Datei konvertiert. So lasse sich in Wikipedia-Artikeln nach Antworten fahnden. Der Hersteller würden allerdings die Anfragen speichern und sich das Recht herausnehmen, sie an Dritte weiterzugeben.

Seine Erkenntnisse teilte Stefan Hessel der Bundesnetzagentur mit. Diese geht konform mit Hessels Auffassung, wie Pressesprecher Olaf Peter Eul bestätigt: Die Puppe erfüllt alle Kriterien eines verbotenen Spionagegerätes. Die Behörde leitete umgehend die notwendigen Schritte ein und informiert: „Gerade vom Spielzeug als Spionagegerät gehen Gefahren aus: Ohne Kenntnis der Eltern können die Gespräche des Kindes und anderer Personen aufgenommen und weitergeleitet werden.“ Schon Ende Januar hatte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, in einer Rede in Berlin gesagt: „Cayla ziehen wir aus dem Verkehr, wo immer wir dies können.“

Fazit:

Wer eine „My Friend Cayla“ zu Hause hat, sollte diese also umgehend entsorgen. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass Eltern die Puppe eigenverantwortlich aus dem Verkehr ziehen. Die Behörde bittet auch darum, einen „Vernichtungsnachweis“ auszufüllen, der auf ihrer Webseite heruntergeladen werden kann. Eine Einleitung von Verwaltungsverfahren gegen die Eltern ist derzeit nicht geplant.

Bildquelle: PublicDomainPictures, thx! (CC0 Public Domain)

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2 Kommentare

  1. Felix sagt:

    Stlelt sich mir die Frage:
    „My Friend Carla“ war das „Top 10 Spielzeug des Jahres 2014“.
    Welche Eltern kaufen so eine Kinderzimmerwanze, wenn sie nicht unlautere Gedanken haben, wie z. B. das Kind auch in privaten und intimen, sehr persönlichen Momenten quasi dauerhaft zu überwachen?
    Und wie gedankenlos sind Menschen, die solche Daten an Drittunternehmen verschenken, ohne sich darüber Gedanken zu machen?
    Okay, es soll auch Leute, die Alexa im Wohnzimmer stehen haben, immer noch völlig schamfrei mit dem Smartfon umgehen und sich absolut nicht darum scheren, was Regierungen auf der ganzen Welt mit unseren Daten anstellen.
    Das geht so lange gut, bis irgendwann ein neuer Führer auftaucht. In einigen Ländern sieht man diese Tendenzen.
    Moralgesetzgebung haben auch wir heute schon längst wieder, wir bestrafen schon lange nicht mehr nur Straftaten, sondern auch Verstösse, die lediglich auf moralischer Ebene gewachsen sind. Herr Maas ist da ganz Profi darin, immer neue schwammige Gesetze zu formulieren, die im Grunde Jeden treffen können.

    Und da sind Puppen wie „My Friend Carla“ praktisch, denn die sorgen für die Datensammlungen, in denen Dienste, die Werbeindustrie, Hacker und Personen aller Art herumschürfen können. Und jeder sammelt sich da sein für sich „interessantes“ Fetzchen heraus.

    Irgendwann bekommt Schantalle mit 18 halt keinen Job. Warum?
    Weil sie als 4jährige der Puppe Carla etwas gesagt hat, das dem Chef nicht passt. Dass die 4 Jahre alt war, spielt keine Rolle. Denn die Daten schlummersten 14 Jahre lang auf irgend einem Server, wurden unzählige Male weiterverkauft und weiterverwendet, gespeichert, verknüpft… und landeten am Ende beim Berufs-Profiler, der den Datensatz günstig erworben hat, um seine Bewerber zu prüfen.

    Pech gehabt: Better Luck next Life.

    Gibts nicht? Gibts schon und wird bereits ausreichend genutzt. Vorverurteilungen inkl. Einmal in der Mühle, wird man als Mensch zerquetscht. Unterstellungen wird man ein Leben lang nie wieder los. Stigmatisiert und Gebranntmarkt.
    Und dagegen stehen die Millionen Menschen, die versuchen, sich eine Scheinexistenz zu erschaffen, perfekt zu sein, makellose soziale Netzwerkaktivitäten zu generieren. Alles Show. Nur noch ekelhaft.

    Ab wann hört der Mensch eigentlich auf, ein Mensch zu sein?

  1. 16. September 2018

    […] im vergangenen Jahr geriet die smarte Bluetooth-Puppe „My Friend Cayla“ in Negativschlagzeilen und wurde durch die Bundesnetzagentur als Spionagegrät wegen ihrer […]

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