Microsoft-Monopol an Württemberger Schulen: Eltern sind besorgt

Lehrer, Politiker und Eltern aus Baden-Württemberg legen dem Kultusministerium nahe, auf die Microsoft-Produkte zu verzichten.

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Das Kultusministerium in Baden-Württemberg plant an Schulen den regelmäßigen Einsatz der Microsoft-Angebote Office 365 und Teams. Abgeordnete des Landtags sowie Eltern und Lehrer sehen die Maßnahme kritisch und verweisen hauptsächlich auf den gravierenden Datenschutzmangel der Programme.

Gegenwind für Verwendung von Microsoft-Produkten

Die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) spürt derzeit viel Gegenwind für ihren Vorschlag, Microsoft-Produkte fest in den Schulalltag zu integrieren. Zunächst hatte der Landesdatenschutzbeauftragte Stefan Brink Bedenken geäußerte, die Softwares für die Schule zu verwenden. Bei einer Untersuchung seien „erhebliche Mängel“ festgestellt wurden, die den Datenschutz betreffen. Nachdem diese Infos durch die Presse gingen, mehrte sich der Widerstand.

FDP und Grüne einig: Datenschutz nicht gegeben

Kritik hagelt es wegen Microsoft vor allem aus der Politik. „Die aktuellen Presseberichte über möglicherweise zu laschen Umgang mit sensiblen Daten durch die Auswahl einer unpassenden Büro-Software durch das Kultusministerium geben Anlass für Nachfragen“, schreibt etwa die FPD-Fraktion. Der Abgeordnete der Freien Demokraten, Nico Weinmann, sagte dazu: „Wenn schon am Beginn eines Projektes der Datenschutz relativiert wird, ist das ein schlechtes Omen.“

Der Digital-Beauftragte der Grünen (Koalitionspartner der CDU in BW), Alexander Salomon, hat ebenfalls Zweifel an Office 365 und Teams. „Wenn das Kultusministerium auf Microsoft 365 als Teil der digitalen Bildungsplattform setzt, melden wir massive datenschutzrechtliche Bedenken an, vor allem mit Blick auf die informationelle Selbstbestimmung der Schüler sowie die digitale Sou­veränität der öffentlichen Hand.“


Eltern beschweren sich, Lehrer fürchten Produktabhängigkeit

Vernichtend ist auch das Urteil einiger Eltern, deren Kinder teilweise schon mit den Programmen arbeiten. Sie meldeten sich deshalb bei der lokalen Presse. „Eine Familie berichtet, die Software habe ohne Berechtigung versucht, auf den eigenen Server zuzugreifen“, schreibt die Heidenheimer Zeitung, ohne dabei genauer auf die vagen Behauptungen einzugehen. Auf dem Router sei ein „erheblicher Datenverkehr“ zu beobachten gewesen. Die Eltern hätten die Software von Microsoft daraufhin gleich wieder entfernt.

Eine Gruppe von Lehrern komplettiert die Kritik. Sie bezeichnen sich selbst als „Bürger und digital affine Lehrkräfte unterschiedlicher Schularten“ und haben den Abgeordneten des Bildungsausschusses geschrieben. Die Lehrer bemängeln gleichfalls den Datenschutz, beziehen aber auch Position gegen das Microsoft-Monopol an sich. Sie befürchten eine „Produktabhängigkeit“ und halten es nicht für sinnvoll, wenn die Schülerschaft über die gesamte Schulzeit nur „das immer gleiche digitale Setting einer einzelnen Firma“ kennt.

Tarnkappe.info

Über den Autor

Student und schon lange im Journalismus unterwegs. In der Vergangenheit Mitarbeiter für eine Vielzahl von klassischen Printzeitungen und Newsportalen. Erst für Lokalredaktionen, dann Sport und Gaming, seit Anfang 2020 im Dienst für die Tarnkappe. Abseits davon bin ich vor allem interessiert an Geopolitik, Geschichte und Literatur.