LUL.to: Ruhe vor dem Sturm?

Die drei Beschuldigten, die im Juni des Vorjahres in Untersuchungshaft genommen wurden, müssen noch ausharren. Wie man uns aus sicherer Quelle mitteilte, wurde noch kein Termin für die Hauptverhandlung vor Gericht festgelegt. Unsicherheit besteht auch weiterhin bei den Nutzern des illegalen Verkaufsportals „Lauschen und Lesen“ (LUL.to). Auch diesbezüglich können wir keine Entwarnung geben.

Wir wurden mehrfach in den Kommentaren gebeten, uns zu erkundigen, was es mit der möglichen Verurteilung der drei Beschuldigten auf sich hat. Die Betreiber von LUL.to werden weiter auf den Ausgang ihres Verfahrens warten müssen. LUL.to wird aber wohl gar nicht ihr größtes Problem sein. Zwei von den drei ehemaligen Betreibern wird nämlich vorgeworfen, ebenfalls den Darknetshop Hansa Market betrieben zu haben. Ein zuverlässiger Insider, der namentlich nicht genannt werden darf, hat uns mit zuverlässigen Informationen versorgt. Ohne Anklageerhebung könne man den zeitlichen Ablauf des Verfahrens nicht zuverlässig abschätzen, schrieb man uns zurück.

 

LUL.to: strafrechtliche Konsequenzen für die Nutzer?

Es gebe derzeit keine neuen Indizien, die für eine strafrechtliche Verfolgung der Nutzer sprechen. Allerdings gebe es ebensowenig neue Indizien, die dagegen sprechen. Noch sei die See still. Alles wartet förmlich auf den frischen Wind der Behörden, der aber noch nicht eingesetzt hat. Grund dafür ist wohl auch der Austausch zumindest eines Teiles der zuständigen Mitarbeiter, die sich dann erst neu in die Materie einarbeiten mussten. Dies habe höchst wahrscheinlich zu Verzögerungen geführt, wie man uns schon vor einigen Monaten mitgeteilt hat. Außerdem muss man auch erst alle beschlagnahmten Beweisstücke auswerten, das kostet Zeit!

Ganz ehrlich: Wir würden gerne mehr bekannt geben. Mehr verlässliche Informationen sind aber leider noch nicht verfügbar. Für viele ehemalige Käufer der schwarzkopierten Hörbücher und E-Books könnte die Situation nicht ungünstiger sein. Sie wollen wissen, ob ihnen eine Strafe droht und wenn ja, in welcher Form. Danach könnten ja noch zivilrechtliche Konsequenzen auf die Käufer der Werke zukommen. Betroffen sind aber sicher primär die aktivsten Power-Downloader.

Strafrechtler Udo Vetter hatte vor über einem Jahr dahingehend argumentiert, dass man hierbei den Aufwand und „Ertrag“ der Bemühungen der Polizei bzw. Staatsanwaltschaft berechnen müsse. Stichwort: Strafbarkeit: “Was soll bei einem solchen Fall eigentlich herauskommen?” In vielen Fällen sei die Schuld mit der eines Ladendiebstahls vergleichbar. Will man sich wirklich die Mühe machen, die ganzen Personen zu verfolgen, die man über die Amazon-Gutscheine kriegen könnte, weil sie bei LUL eingekauft haben? Oder gibt es nicht noch genügend Delikte mit einer deutlich höheren kriminellen Energie, die noch auf ihre Bearbeitung warten? Diese Entscheidung trifft naturgemäß jeder Staatsanwalt für sich. Deswegen kann man sowieso nicht pauschal für alle User sprechen, ob oder welche Strafe auf sie zukommen könnte.

Fazit

Bitte Ruhe bewahren! Im Präsidium keine Aussage ohne Fachanwalt machen! Wer eine Vorladung (als Zeuge oder Beschuldigter), oder andere Post bekommt, muss sofort einen Fachanwalt einschalten, der sich im Idealfall mit Medien- und Strafrecht gleichermaßen auskennt. Es gibt auch die Möglichkeit, Personen offiziell als Zeugen vorzuladen, obwohl man sie einer Straftat verdächtigt. Sie sind erstmal da, eingeschüchtert und geständig, wäre für die Polizei der Fall gelöst. Es wäre wahrlich nicht das erste Mal, dass die Polizei so verfährt. Wer Udo Vetters Blog aufmerksam liest, weiß, dass die Damen und Herren in Blau nicht unser Freund und Helfer sind. Meist ist das genaue Gegenteil der Fall. Leider weiß man das erst, wenn es schon zu spät ist.

 

Beitragsbild: Ahmed Zayan @ Unsplash.com, thx! (CC0 1.0 Public Domain)

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Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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26 Kommentare

  1. Anonymous sagt:

    Jetzt wird die Anklage dann ja mal wohl starten. Die primäre Höchstdauer für U-haft sind ja 6 Monate und die sind schon lange überschritten. Ewig verlängern geht ja auch nicht.

  2. To sagt:

    Hier ist immer nur die Rede von Amazon Gutscheinen.
    Was ist mit Leuten die per Bitcoin gezahlt haben.
    Diese können theoretisch auch zurück verfolgt werden.

  3. BurningBeard sagt:

    Danke Lars, dass Du uns weiter auf dem Laufenden hälst. Aber wie Du schon vor 1 Jahr gesagt hast…Nicht genaues weiss man nicht…also abwarten…hat denn irgendjemand jemals sicher von einem Downloader gehört, der Post von der Polizei o.ä. wegen lul.to bekommen hat ? Natürlich haben die Autoren ihre Rechte, aber da kommt wieder die Kosten/Nutzen Frage ins Spiel…und ehrlich gesagt gibt es sicherlich drängendere bzw. für die Allgemeinheit wichtigere Bereiche um die sich die CyberCrime Abteilung kümmern sollte

  4. P.Bateman sagt:

    Hat schon jemand brauchbaren Ersatz für lul.to gefunden? Readly ist zwar gut, deckt aber leider nur einen Bruchteil ab…


    • Meinst du de.readly.com ?

    • Tim Thaler sagt:

      Meinst du vielleicht Readfy? Diese Lese-App mit Werbung, die jeder Werbeblocker wegblockt. Wo man dann quasi alle Bücher lesen kann, ohne je ein einziges Mal Werbung zu sehen zu bekommen. Was ja irgendwie bööööse ist? :)

      Imperial Library im DN hat 183.937 eBooks, sehr viele auf Deutsch aber auch vieles schon älter oder aus dem KU-Programm – was ich eh zahle, aber da ist mir der Download zu umständlich.


  5. Leute ganz ehrlich wohnt ihr auf ‘nem Dorf oder was? Jedes 12 Jähriges Kind weiß wo bzw an welchem Kiosk ich Amazon Gutscheine kaufen kann ??

    Erst D3nken dann…….


    • Das mag ja alles sein. Wenn das allerdings jeder so gehandhabt hätte, gäbe es die Aufruhr gar nicht.

  6. charly14 sagt:

    Also das mit den Amazon Gutscheinen sehe ich gelassen. Wer´s bis jetzt noch nicht gemacht hat, gibt als weitere Adresse bei Amazon eine Lokalisation in den USA ein (mit Fake Adressen Generator). Amazon darf Adressen von US Bürgern wegen derart kleineren Vorfällen nicht herausgeben. Damit verläuft auch die Gutschein Spur von Amazon im Sand, weil Amazon generell Anfragen von ausländischen Staaten zu US Bürgern nur bearbeitet, wenn die US-Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird.
    Wenn man das beherzigt, dürfte bei den Amazon Gutscheinen wohl nichts zu befürchten sein.
    Und mit Bitcoin oder Prepaidcard war man ja ohnehin auf einer relativ sicheren Seite.

    • BurningBeard sagt:

      Ich soll in mein deutsches Amazon Konto eine Fake Adresse in den USA zusätzlich eintragen? Das macht mich automatisch zum US Bürger mit Zweitwohnsitz in Deutschland?

      • Charly14 sagt:

        Nein, das macht Dich nicht zum US Bürger. Für Amazon ist es aber dann nicht mehr ohne weitere Ermittlungen ersichtlich, ob du vielleicht doch US Bürger mit Wohnsitz in Deutschland bist. In diesem Falle würde sich Amazon nach US Recht strafbar machen, wenn es dir Daten an die Deutsche Staatsanwaltschaft weitergibt.
        Im Prinzip beruht es darauf, dass Amazon keine Lust hat, gross zu ermitteln, und alle User mit einem Wohnsitz in USA als potentielle US Bürger ansieht.

        • BurningBeard sagt:

          Habe mir das eben mal angeschaut, also Amazon akzeptiert nur eine reale Adresse in den USA. Ich soll also meinen realen Namen mit einer realen Adresse in den USA verknüpfen, die dieser Generator randomisiert für mich ausgespuckt hat ? Ich glaube nicht das das so legal ist. Da wird doch bei Nachfrage mein Konto gesperrt oder schlimmeres.

          • Karl Tasse sagt:

            Ich wohne mit meinem amazon.com Konto ja schon seit etlichen Jahren in Alaska :) Nur deutsche Kreditkarten gehen bei vielen Transatkionen nicht, da muss man dann erst wieder Gutscheine kaufen.


    • Die Leute mit denen ich gesprochen habe, haben die Gutscheine über ihren ganz regulären Amazon-Account in Deutschland gekauft, inklusive dem korrekten Namen, Adresse und Bankverbindung. Die Bezahlung mit PaysafeCards war irgendwann bei LUL nicht mehr möglich, da sind viele auf Amazon umgestiegen.

      • Anonymous sagt:

        Ich glaube dieser Tipp ist ganz schön Pseudo-Bauernschlau. Schließlich hat man sich bei Amazon.DE und nicht .COM registriert, es unterliegt also deutschem/europäischem Datenschutzrecht und die Adresse spielt (denke ich) weniger bis gar keine Rolle bei dieser Geschichte. Wer sich damit besser fühlt soll es machen, aber ich denke es wird absolut nichts bringen. Zudem ändert das nichts was die Bestellungen/Gutscheinkäufe aus der Vergangenheit betrifft

      • Tim Thaler sagt:

        Ich habe zu 99% nur mit amazon Gutschein-Karten vom Kiosk bezahlt. Aber ich habe auch hin und wieder mal nen Gutschein-Code von jemandem erhalten und kann nicht ausschließen, den da bei dem einen oder anderen Konto eingelöst zu haben. Die Leute werden sich freuen.


  7. Gerne habe ich für Euch nachgehakt, kein Problem.

    Die werden die Downloader über Amazon kriegen, nicht über die IP-Adressen. Rechtshilfeersuchen an die Muttergesellschaft von Amazon in den USA und da die meisten Gutscheine von echten Amazon-Accounts inklusive Bankverbindung, korrektem Realnamen etc. für LUL gekauft wurden, wären die Kunden leicht identifizierbar – auch Monate oder Jahre später.

    Ist halt die Frage, ob denen das der Aufwand wirklich wert ist. Das hängt vom einzelnen Staatsanwalt ab. Der eine wird es so machen, der andere anders. Der Eine hat es auf die Power-User mit 100 Käufen und mehr abgesehen, der Andere nicht. Das muss man leider abwarten…

    • Santiago sagt:

      Ein amazon-Gutschein bringt überhaupt nichts. Den kann man nämlich gekauft haben, um ihn anschließend als Preis für eine Tombola zu spenden….. Das man bei einer Tombola den Empfänger nicht kennt, ist nachvollziehbar.

      Im übrigen sagt eine amazon-Gutschein nur aus, daß man dort xx € (wer?) eingezahlt hat. Welche Bücher oder Zeitschriften wurden gekauft? Wieviel? Vielleicht handelt es sich um Werke, die urheberrechtlich nicht geschützt waren….

      Es geht nur über die IP-Adressen. Nur dann ist ein strafrechtlicher Nachweis möglich, daß dieser Nutzer in diesem Fall gegen das Urheberrecht verstoßen hat. Nur in diesem Fall kann ein lückenloser Nachweis geführt werden, welche Werke wann von wem gekauft bzw. downgeloadet wurden.

      Du schreibst: Es wurde kein Termin für die Hauptverhandlung festgelegt. Wurde denn überhaupt schon Anklage erhoben? Falls ja: Hat das Gericht darüber schon entschieden?


      • Kann ich bei den Gutscheinen nicht auch bei Amazon nachvollziehen, welche wann von LUL.to eingelöst wurden? Das wird doch auch protokolliert. Man müsste den Leuten letztlich beweisen, dass sie tatsächlich dort auch Bücher gekauft haben. Aber von LUL.to eingelöste Gutscheine sind schon ein gutes Indiz, dass man tätig werden wollte. Die Frage ist: Haben die Vollzugriff auf die Server? Können die sehen, unter welchem Account was heruntergeladen wurde? Wie einfach ist es, das miteinander zu verknüpfen? Alles Fragen, die ich mangels Details leider nicht beantworten kann.

        Ich zitiere: “Ohne Anklageerhebung könne man den zeitlichen Ablauf des Verfahrens nicht zuverlässig abschätzen, schrieb man uns zurück.” D.h. nein, bisher wurde noch keine Anklage erhoben, deswegen gibt es noch keine validen Daten über den weiteren zeitlichen Ablauf.

        • Santiago sagt:

          Natürlich kann man (vermutlich, saubere “Buchführung” vorausgesetzt) anhand des “Kundenkontos” nachvollziehen, welche Bücher mit dem amazon-Gutschein downgeloadet wurden. Nur was bringt das, wenn der Gutschein-Käufer bestreitet, selbst die Bücher downgeloadet zu haben und angibt, daß der Gutschein verschenkt wurde? Gutscheine werden häufig verschenkt und was der Beschenkte damit macht, weiß der Schenker nicht.
          Beispiel: Ich stifte einen amazon-Gutschein – regulär gekauft über eine Bankverbindung – bei einer Vereinstombola. Der Gewinner löst den Gutschein bei lul.to ein und lädt Bücher runter. Den Gewinner kenne ich naturgemäß nicht.

          Ohne die IP-Adresse wird ein strafrechtlicher Nachweis nicht funktionieren. Nur dadurch ist eine eindeutige Zuordnung der downloads möglich. Insofern kann man den Identifizierungsweg über die Gutscheine vergessen…

        • Tobias sagt:

          “Ohne die IP-Adresse wird ein strafrechtlicher Nachweis nicht funktionieren.”

          In der Tat. Das wurde hier auch schon x-mal durchgekaut. Verstehe nicht, wieso das bei Lars nicht ankommt. Für einen strafrechtlichen Nachweis müsste man belegen können, dass der Käufer eines Gutscheins auch der Downloader ist. Das ginge nur per IP-Adresse.


          • Das ist aber ein überdeutlicher Hinweis darauf, dass man die Plattform genutzt hat. Warum hat man sonst den Gutschein den LUL-Betreibern gegeben? Zum Spaß? Nun gut, die eigentliche Urheberrechtsverletzung (der Download) ist damit noch nicht bewiesen, aber der Weg bis zur Überführung ist nicht mehr so weit. Aber ich bin kein Fachanwalt für Medienrecht. Warten wir es einfach ab.

    • Ichbins sagt:

      Wobei ein Amazongutschein alleine kein echter Nachweis ist.

      Sagen wir mal “Frau Meier” hat sich einen gekauft, aber dann gemerkt: “Ach, brauch ich doch vorerst nicht!” und den dann weiter verkauft! Und das zB per Supermarktaushang. “Frau Meier” wird kaum dann vom Käufer alle Daten anfordern.

      Und die Seite sah für Laien eben sehr seriös aus … “Frau Meier” wird im Falle eines Kaufs dort kaum vermuten, dass diese Seite illegal ist – wie vermutet kaum einer. Schon gar nicht in Zeiten wo es bei Amazon & Co immer wieder ähnliche Angebote gibt …

      Aber wie gesagt, Frau Meier hat das Ding verkauft, und zwar so dass sie nicht weiß an wen – steht ja nirgendwo in einem Gesetz dass man bei solchen “Kleinanzeigen” sich die Daten des anderen merken muss. Und soooo einfach bekommt man keine Klardaten einer IP – jedenfalls nicht für “Frau Meier”, die nur vielleicht in der ganzen Zeit 100 Dinger gekauft hat. Wenn überhaupt, werden maximal die Top 10 Downloader ein Problem haben. Alle geht eh kaum, denn dann bräuchten nur alle gemeinsam an einem Strang ziehen und dann? Will man eventuell 500000 User in den Knast stecken? Die JVAs bedanken sich.


      • Wäre theoretisch möglich. Aber das klingt sehr an den Haaren herbeigezogen.

      • Santiago sagt:

        Ein weiteres Problem bei den amazon-Gutscheinen:
        Man könnte damit nicht nachweisen, wieviel und welche Bücher bezogen wurden. Man weiß nur, daß ein Gutschein erworben und bei lul.to eingelöst wurde.
        Welche Bücher wurden damit downgeloadet? Wie hoch ist ggfs. noch das Restguthaben?

        Dafür müßte man auf die “Buchführung” zurückgreifen, von der wir nicht wissen, was gespeichert und ob die (vermutlich vorhandene) Verschlüsselung geknackt wurde.

  1. 22. August 2018

    […] kann, fehlt für mehr oft einfach die Zeit. Ich soll mich wegen der strafrechtlichen Konsequenzen der Nutzer von LUL.to erkundigen? Ja, klar, mache ich gerne. Aber das kostet mich von der Anfrage bis zum fertigen Artikel bis zu […]

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