Kommissionsmitglied der SEC: Vorgehen gegen Telegram-ICO ein Fehler

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Bildquelle: Telegram, thx! (Screenshot)

Vor gut einem Monat besiegelte die US Securities and Exchange Commission (SEC) das Ende der Telegram-Blockchain wegen eines angeblich nicht registrierten Wertpapierverkaufs. Gründer Pavel Durov schimpfte wie ein Rohrspatz. Selbst aus den Reihen der SEC kommt nun Kritik auf. Das SEC-Kommissionsmitglied Hester Peirce hält das Vorgehen für einen folgenschweren Fehler.

SEC: Telegram hätte Wertpapierverkauf registrieren müssen

Hester Peirce, die selbst Teil der SEC und begeisterter Kryptowährungs-Fan ist, missfällt das Vorgehen ihrer eigenen Behörde. Die US-Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde SEC hatte im Oktober 2019 eine Klage gegen Telegram eingereicht. Das Initial Coin Offering (ICO) stelle einen nicht registrierten Wertpapierverkauf dar. Telegram machte Gebrauch vom Simple Agreement for Future Tokens, das auch SAFT genannt wird. Mit SAFTs kaufen Investoren das Recht auf Token, die später verteilt werden. So sollen Investoren die Telegram-Token nicht aus spekulativen Motiven kaufen, sondern sie nach dem Start im Netzwerk verwenden.


Verzögerungen torpedierten das Projekt

Telegram hoffte, sich so nicht registrieren lassen zu müssen. Da haben Pavel Durov und Co. allerdings die Rechnung ohne die SEC gemacht: Die Behörde sagte, Telegram verkaufe im Wesentlichen trotzdem Wertpapiere. Das Gericht verlängerte die Verzögerungen für das Netzwerk, die irgendwann zum Zusammenbruch führten. Der Rechtsstreit dauerte so lange an, dass der Blockchain-Quereinsteiger den Löwenanteil des Geldes an die Investoren zurückzahlte. Telegram einigte sich zudem mit der SEC und stimmte der Zahlung einer Geldstrafe von 18,5 Millionen Dollar zu. Ein herber Rückschlag für den Messenger-Dienst, der mittlerweile zu den Top-10 der meist heruntergeladenen Apps gehört und mit seiner Blockchain Telegram Open Network (TON) neues Terrain betreten wollte.

Hester Peirce: Wir verschrecken Innovatoren

Das Ende von TON nennt Pierce derweil ein „nicht befriedigendes Resultat“. „Telegram hatte ein operationelles Netzwerk aufgebaut, sich in gutem Glauben darum bemüht, die Bundeswertpapiergesetze bei der Beschaffung von Mitteln für den Aufbau dieses Netzwerks einzuhalten, und sich darüber intensiv mit dem SEC-Personal auseinandergesetzt.“ Peirce sagte, sie befürworte das Vorgehen daher persönlich nicht. „Ich unterstütze nicht die Botschaft, dass die Verteilung von Tokens von Natur aus eine Wertpapiertransaktion beinhaltet“, sagte sie. Sie sehe es stattdessen als „notwenige Voraussetzung für jedes erfolgreiche Blockchain-Netzwerk“.

Dann stellt sie die Frage: „Wen haben wir durch diese Klage geschützt?“ Sie selbst gibt die Antwort: „Mögliche Innovatoren, die nun die Vereinigten Staaten versuchen zu umgehen?“

Tarnkappe.info

Student und schon lange im Journalismus unterwegs. In der Vergangenheit Mitarbeiter für eine Vielzahl von klassischen Printzeitungen und Newsportalen. Erst für Lokalredaktionen, dann Sport und Gaming, seit Anfang 2020 im Dienst für die Tarnkappe. Abseits davon bin ich vor allem interessiert an Geopolitik, Geschichte und Literatur.


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