Japan setzt Urheberrechtsreform um: härtere Strafen geplant

Die Urheberrechtsreform, die die Regierung von Japan Anfang 2019 vorgestellt hat, soll in weiten Teilen umgesetzt werden, wie das Portal Sumikai berichtet. Am Mittwoch fand die Abstimmung statt. Die neuen Gesetze sollen noch im Laufe des nächsten Jahres in Kraft treten. Es besteht aber noch Klärungsbedarf in manchen Punkten.

Japan will mehr im Kampf gegen Online-Piraten unternehmen

Die Reform des dortigen Urheberrechts soll die Online-Piraterie in Japan eindämmen. Wer künftig Animes, Computerspiele, E-Books, Mangas, Musik oder Software illegal bezieht, muss mit härteren Sanktionen rechnen. Die Regierung in Tokio will auch den Upload sehr viel härter bestrafen. Im August hieß es noch, dass das Verlinken auf Schwarzkopien mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet werden sollen. Beim Download sprach man von einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.


Im März diesen Jahres verlegte das Parlament die Gespräche mit der Begründung, dass man den Gesetzentwurf erneut überarbeiten müsse. Die Reform aus Anfang 2019 rief viele Kritiker hervor, denen die Zensurmaßnahmen des Internets und die geplanten Strafen zu weit gehen. Sie befürchten einen deutlichen Eingriff in die Meinungsfreiheit ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Verbreitung von Auszügen ganzer Werke legalJapan

Stellung genommen hat aktuell auch ein Gremium des japanischen Sonderamtes Bunka-chō (Amt für kulturelle Angelegenheiten). Demnach soll das teilweise Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Werken nicht verboten bzw. strafbar sein. Während man die Verbreitung bzw. den Download einzelner Bilder von einem Manga- oder Hentai-Werk legalisieren würde, würde man im gleichen Atemug die Verbreitung des gesamten Heftes oder Films unter Strafe stellen.

Geplante Einführung der Urheberrechtsreform in 2020

Bunka-chō, das Sonderamt des japanischen Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie, will bis Januar nächsten Jahres die Urheberrechtsreform komplett ausarbeiten. Der Gesetzentwurf soll dann im Januar von der Regierung besprochen werden.

Die Mitarbeiter von Bunka-chō haben am Mittwoch allerdings darauf hingewiesen, dass es noch Diskussionsbedarf gebe. So müsse man noch klären, in welchem Umfang man das vollständige Herunterladen von Originalwerken bestrafen will. Ausgenommen davon seien Parodien und abgeleitete Werke wie Memes. Zudem gab man bekannt, dass die einheimische Wirtschaft sehr unter der Online-Piraterie in Japan leiden würde. Die Schäden seien schwerwiegend.

anime manga japanReform will Schattenwirtschaft eindämmen

Manche Beobachter sehen die geplante Reform als Reaktion auf große illegale Portale wie Mangamura, wo Links auf Schwarzkopien im Umfang von über 600 GB vorhanden waren. Im Juli 2019 wurde der Betreiber von Mangamura.org verhaftet. Die Seite ist nicht mehr online. Allerdings gibt es viele andere illegale Webseiten, die sich mit ihrem Content an dieses Special-Interest-Publikum wenden.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild von Moujib Aghrout auf  Unsplash.com, thx!

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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