Hacktivismus laut IBM-Studie um 95 % gesunken

Hacktivismus vor dem Aus? Laut aktueller Erhebungen des IBM X-Force Threat Intelligence Index 2019 ist die Anzahl der politisch motivierten Hacker-Angriffe seit 2015 um 95 Prozent gefallen. In den ersten Monaten dieses Jahres ist kein einziger Angriff bekannt. Im Vorjahr waren es nur zwei derartige Angriffe, die IBM in den Index aufgenommen hat.

Hacker-Kollektiv Anonymous ist nahezu inaktiv

anonymous germanyAls Grund für den Niedergang des Hacktivismus wird unter anderem der Zerfall von Anonymous genannt. Die Mitglieder dieses losen Kollektivs sind seit mehreren Jahren tief zerstritten. Manche Regierungen haben Anonymous zudem für Angriffe verantwortlich gemacht, die sie gar nicht durchgeführt haben. Umso mehr man versucht hat, sich von den sogenannten „fake Anons“ abzugrenzen, umso mehr aktive Mitglieder und Interessierte wurden dadurch abgeschreckt. Dazu kommt die Tatsache, dass es den Behörden in mehreren Ländern gelungen ist, führende Hacker zu verhaften oder zu Informanten (siehe LulzSec’s Sabu) umzudrehen. Viele Interessenten haben die Verurteilungen der letzten Jahre sehr abgeschreckt. Früher hat Anonymous 45 Prozent aller Cyber-Angriffe durchgeführt. Von solchen Zahlen kann man heute nur noch träumen. Die Deutschen des Kollektivs wollten mit Attacken Artikel 11 und 13 stoppen. Bis auf das Ankündigungsvideo und die Aktivitäten bei Twitter und Facebook war von den Angriffen aber nichts mehr zu hören.


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Rückkehr des Hacktivismus jederzeit möglich

Besondere politische Zustände, wie etwa die Verhaftung von Julian Assange in der Botschaft von Ecuador, könnten jederzeit zu einem wiederholten Aufblühen des Hacktivismus führen, schreiben die Autoren der Studie. Doch die Angriffe nach der Verhaftung von Assange sind und bleiben bislang eine Ausnahmeerscheinung. Trotzdem zögert man auszusagen, dass die Ära der Hacktivisten zu Ende wäre. Es müsste nur zu extremer sozialer Ungerechtigkeit kommen, damit das Feuer wieder entfacht wird. Voraussetzung wäre zudem ein Führungsteam, das über ausgeprägte organisatorische Fähigkeiten verfügt. Oder aber eine Verlagerung der Aktivitäten in Bereiche, die man strafrechtlich kaum bis gar nicht mehr verfolgen könnte.

crimebiz.net Fake-ShopsIm Umkehrschluss sind jetzt fast nur noch die Hacker aktiv, die aus finanziellen Erwägungen heraus agieren. Ob das mal die bessere Alternative ist? Vielleicht soll diese Zeit der Entspannung lediglich der Vorbereitung auf die nächste heiße Phase dienen, mutmaßt IBM. Derzeit zirkulieren gefährliche Sicherheitslücken im Netz, wie z.B. das neue Wanna Cry, ZombieLoad und viele mehr. Es dürfte also auch ohne Hacktivisten in den nächsten Jahren keine Langeweile aufkommen.

P.S.: Den kompletten Bericht von IBM in Form eines PDF-Dokuments kann man kostenlos von hier beziehen.

Tarnkappe.info

 

 

Beitragsbild Tom Roberts, thx! (unsplash licence)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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