Google: Konzern trackt vermehrt auch Offline-Einkäufe

Google entwickelte ein Tool, das es ermöglicht zu erheben, wie viel Geld Kunden offline ausgegeben, nachdem sie auf Online-Werbung geklickt haben.

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Google hat am Dienstag auf einer Konferenz in San Francisco für seine Werbekunden ein Tool vorgestellt, das ermitteln kann, wie viel Geld Kunden in physischen Geschäften ausgeben, nachdem sie auf Online-Werbung geklickt haben. Wenn das Programm funktioniert, könnte es helfen, Händler zu überzeugen, ihre digitalen Marketing-Budgets zu steigern, berichtet die „Los Angeles Times“.

Google trackt auch offline

Um zu beweisen, dass die Google-Online-Werbung kausal mit dem Kauf einer Ware in einem bestimmten Geschäft verbunden ist, kombiniert Google das Online-Verhalten und die Käufe in Geschäften mit der Auswertung der Bewegungsprofile, mit denen der Konzern schon länger erfasst, in welche Geschäfte Nutzer gehen, u.a. um ihnen Werbung auf die Smartphones aufzuspielen. Zur Verfolgung des Kaufverhaltens seiner Nutzer über die verschiedenen Kanäle hinweg, setzt Google sowohl Datenanalyse-Modelle, als auch maschinelles Lernen ein.

Die Idee dahinter ist, die Kunden so zu beobachten, dass man sehen kann, welche Google-Online-Ads sie anklicken und demnach Interesse für bestimmte Produkte zeigen, um dieses Interesse mit Kreditkarten-Käufen in Geschäften zu verbinden. Das wäre dann ein Hinweis darauf, dass Online-Werbung genauso Geschäften hilft, ihre Waren an die Kunden zu bringen, auch wenn der eigentliche Kauf erst Tage später stattfindet. Dazu gleicht dann Google die Klicks auf Online-Werbung von eingeloggten Google-Nutzern mit Daten zu Käufen per Kredit- und Bankkarten im Handel ab.

So gab Google an, in den USA über Partner Zugang zu 70 Prozent aller Kredit- und Bankkarten-Transaktionen zu haben. Wenn also in der Folge einem Anwender auf seinem Smartphone mehrfach von Googles Werbeprogramm Anzeigen für ein bestimmtes Produkt gezeigt werden und dieser dann mit seinem Android-Mobiltelefon in einem Geschäft eben dieses Produkt kauft, kann man davon ausgehen, dass die Google-Werbung erfolgreich war.


Noch mehr Daten für die Krake

Der Vorteil für Google wäre, dass sich auch Kaufentscheidungen nachverfolgen lassen, bei denen zwischen Anzeigeneinblendung und Transaktion etwas Zeit vergeht. Es ist also nicht nötig, dass der Kunde direkt nach dem Ansehen des Banners einen entsprechenden Kauf tätigt. Die so gewonnenen Daten ergänzen die digitalen Dossiers, die Google für Benutzer seiner Suchmaschine und anderer Dienste zusammengestellt hat. Darunter Gmail, YouTube und Android.

Auf Basis der gesammelten Daten könne zwar nicht erhoben werden, was konkret gekauft wurde oder wie viel bestimmte Personen ausgegeben haben. Aber es erlaubt Rückschlüsse über die Wirkung von Online-Werbung. Dies sagte Sridhar Ramaswamy, Google’s Senior Vice President für Werbung und Commerce. Persönliche Informationen seien bei den Einkäufen im Offline-Handel von Google nicht einsehbar. Umgekehrt könnten auch Partnerunternehmen nicht auf die von Google gesammelten Daten zugreifen, versichert Ramaswamy. Man werte nur Google-Ads nach den Profilen der Werbekunden aus, wozu man Algorithmen verwende, die Datenschutz gewährleisten (double-blind encryption). Für die wurden Patente angemeldet, sie sind kein Geschäftsgeheimnis.

Die Arten von Daten, die Google sammelt, könnten jedoch ein einladendes Ziel für Hacker werden. Dies sagte Miro Copic, Marketingprofessor an der San Diego State University. Er sprach weiterhin von einer „massiven Implikationen für die Privatsphäre“ und warnte vor den Folgen solcher Datensammlungen. Selbst wenn Google gute Absichten verfolge, könnten die Daten dennoch künftig missbraucht werden.

Fazit

Mit Google-Ads setzte das Unternehmen letztes Jahr ca. 80 Milliarden US-Dollar um. Allerdings sollten dem Gewinn nach oben keine Grenzen gesetzt werden. Daher dehnt der Konzern nun seine Kundenüberwachung in den USA auch auf Offline-Käufe aus. Sie wollen auf diese Weise Werbekunden demonstrieren, dass Online-Werbung auch dann ihr Geld wert ist. Selbst dann, wenn die User zwar auf die Werbung klicken, aber zeitnahe online nichts kaufen.

Bildquelle: Olympus E-M1, thx! (CC0 Public Domain)

Tarnkappe.info

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.