Fraudster: neues Darknet-Forum für Hacker und Drogen eröffnet

Im Tor-Netzwerk eröffnete kürzlich das neue Forum Fraudster. N3M3515 hat sich nicht zufällig für einen Ort abseits des Clearwebs entschieden.

Bildquelle: Piqsels

Im Tor-Netzwerk eröffnete kürzlich das neue Forum Fraudster. Admin N3M3515 hat sich nicht zufällig für einen Ort abseits des Clearwebs entschieden, wie er uns schrieb. In einem kurzen Interview verriet er uns, was er mit seinem Projekt so alles plant. Aufgrund der Ausfälle der Onion Services v3 war die Seite in den letzten Tagen zeitweise nicht erreichbar, doch das betraf viele Foren und Webseiten im Tor-Netzwerk.

Fraudster soll ein zensurfreies Forum werden

Fraudster

Zensur ist nicht erwünscht. Benehmen soll man sich dort aber dennoch. Ein freundlicher und respektvoller Umgangston wird grundsätzlich bevorzugt, wie es in der Ankündigung heißt. Damit würde man sich zumindest beim Umgangston schon mal von der Konkurrenz abgrenzen. Der ist woanders nicht selten unterirdisch und wirkt auf Außenstehende abschreckend.

Die Namensähnlichkeit mit Fraudsters ist kein Zufall. Der Betreiber sieht dies als Chance und nicht als Problem an. Einen ähnlichen Begriff für das eigene Forum auszusuchen, war sogar das erklärte Ziel. „Warum von null anfangen, wenn man von der Bekanntheit (Dritter) profitieren kann?“ Wie viele Personen am Betrieb von Fraudster beteiligt sind, will er uns hingegen nicht verraten. Dies bleibe ein Geheimnis für die Öffentlichkeit, kam lakonisch zur Antwort.

Ein Alleinstellungsmerkmal konnte uns der Betreiber noch nicht nennen. Doch das Forum steht noch ganz am Anfang, bislang sind noch nicht viele Postings sichtbar. Er verwendet dafür allerdings eine andere Foren-Software, wählte ein anderes Design und entschied sich für eine andere Preisgestaltung. „Man könnte auch sagen, worin unterscheidet sich BMW von Audi? Auch nicht viel. Aber wie heißt es so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft! Und für die User wird jedenfalls mal wieder was Neues geboten.“

Kein Stress mit der Konkurrenz geplant

In der Vergangenheit wurden alle neuen Mitbewerber gnadenlos von Mitglieder vom CNW durch Hacks, DDoS oder Aufdeckung der persönlichen Daten am Betrieb gehindert. Im Interview wollten wir wissen, ob man sich entsprechend dagegen abgesichert hat. „Wir wollen keinen Beef mit Crimenetwork (CNW) oder Crimemarket (CM). Wir sind alle in einem Business. Da sollten wir eigentlich zusammenhalten und uns nicht bekriegen. Wir haben einen Feind und das ist der Staat. Aber zurück zur Frage. Unsere Foren-Software ist auf dem neusten Stand, der Server ist mit einer DDoS-Protection und durch eine Firewall gesichert, alle Dienste laufen auf andere Ports.“ Nicht gebrauchte Ports habe man geschlossen.

Fraudster will nicht ins Clearweb

Wir hakten nach, warum man nur im Tor-Netzwerk erreichbar ist. Doch eine Präsenz im Clearweb ist auch nicht zu einem späteren Zeitpunkt geplant. „Im Tor-Netzwerk sind wir, um so anonym wie möglich zu bleiben. Das Clearnet ist viel zu leicht zurückverfolgen. Eine kleine Unachtsamkeit kann einem schnell das Genick brechen.“

Treuhand-System vorerst nur manuell

Ein automatisches Treuhand-System zur Absicherung der Kunden bei Transaktionen gibt es bei Fraudster noch nicht. Vorerst läuft das TH-System nur manuell. Eine automatische Absicherung der Käufer, wie in anderen Foren, ist aber geplant und schon in Arbeit. Die Gebühren sollen maximal fünf Prozent betragen. Diese würde man dann vom offen stehenden Betrag abziehen. „Wünschenswert wäre es, wenn der Verkäufer die Gebühren übernimmt, aber am Ende entscheiden das die Trade-Partner“, schrieb uns N3M3515.

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Vendoren sollen Ausrichtung des Marktplatzes bestimmen

Der Marktplatz sieht mit null Postings noch recht „überschaubar“ aus. Wir möchten vom Betreiber wissen, worauf er sich bei Fraudster eigentlich spezialisieren möchte. Eher auf Fraud, Hacking, Drogen, Falschgeld oder nachgemachte Dokumente? Oder vielleicht auf etwas ganz anderes?

„Ich würde nicht sagen, dass wir uns auf irgendwas spezialisieren. Die zukünftigen Vendoren (Händler) gestalten mit ihren jeweiligen Dienstleistungen den Marktplatz mit.“ Falls sie künftig mehr Drogen verkaufen sollten, oder es doch mehr Fraud-Angebote geben sollte, dann wäre es halt so. „Auf unserer Seite ist eigentlich fast alles erlaubt. Was nicht erlaubt ist: Kinderpornografie, Zoophilie, Waffenverkauf, Anleitungen und Tipps zum Mord sowie Auftragsmord.“ Da man sich noch im Aufbau befindet, könnten die User mitbestimmen und die Ausrichtung noch ändern. Jeder, der ein modernes zensurfreies Forum mag und gute Geschäfte abschließen will, sei dort willkommen, schließt der Macher sein Statement ab.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.