EU-Pläne zur Umgehung von E2E-Encryption – wir fragten nach

Wie kann die EU Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gewährleisten und gleichzeitig Kindesmissbrauch bekämpfen? Die Kommission hat uns geantwortet.

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E2E Bildquelle: guillaumeperigois, thx!

Die EU-Kommission brüskierte Datenschützer kürzlich mit einem Vorstoß gegen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Tarnkappe.info hat bei der Exekutive der Europäischen Union nachgehakt und wollte insbesondere wissen, wie der unmöglich wirkende Spagat zwischen Beibehaltung von E2E-Encryption und Verbrechensbekämpfung durch Hintertüren gelingen soll.

EU-Kommission: E2E-Verschlüsselung ja, Verbrechen nein

Das Presseteam der Europäischen Union formuliert vorsichtig und versucht ja nicht den Eindruck zu erwecken, man wolle auf Teufel komm raus die Privatsphäre von Millionen von Menschen gefährden. Entsprechend schwierig ist es, neue Informationen zu entlocken. „Wir möchten klarstellen, dass die in der EU-Strategie für einen wirksameren Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern beschriebenen möglichen Maßnahmen nicht gegen eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gerichtet sind“, heißt es auf Tarnkappe-Anfrage. Die Kommission lobt die Technologie, die „nützlich bei der Gewährleistung der Privatsphäre und der Sicherheit der Kommunikation“ ist. Dann kommt der Einwand: „Es ist der Einsatz von Verschlüsselungstechnologie für kriminelle Zwecke, der sofort durch mögliche Lösungen angegangen werden muss.“

Technisch überhaupt umsetzbar?

Diese derzeit noch nicht erforschten Lösungen könnten Unternehmen wie WhatsApp oder Signal ermöglichen, Kindesmissbrauch innerhalb der Ende-zu-Ende-Verschlüsselungstechnologie ausfindig zu machen. So lautet jedenfalls die Idealvorstellung. „Jede Lösung müsste sowohl die Privatsphäre der elektronischen Kommunikation und den Schutz der Kinder vor sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung, als auch den Schutz der Rechte der im Material über sexuellen Kindesmissbrauch abgebildeten Kinder gewährleisten.“


Diese Formulierungen sind bekannt. Das Vorhaben dürfte jedoch ungefähr so schwierig sein wie das Erschaffen eines Perpetuum Mobile. Tarnkappe.info wollte wissen, ob es möglicherweise bereits Tendenzen oder Vorschläge zur Umsetzung gibt. Aber Antworten, die die Technik betreffen, bleibt die Kommission weiterhin schuldig. Das weiß sie aber auch und weist auf das Verfahren hin, das sie gestartet hat und auf die Experten aus der Industrie, die daran teilnehmen. „Erst nach dieser technischen Kartierung und vorläufigen Beurteilung wäre es möglich, den weiteren Weg zu bestimmen.“

Fokus zunächst nur auf die Technik

Auf diesen Prozess möchte die Kommission zunächst ihr Augenmerk richten. Die Politik drumherum stehe folgerichtig noch nicht fest. Wir wollten zum Beispiel wissen, wie man mit Messenger-Diensten vorginge, die ihren Sitz außerhalb der EU haben. Telegram wäre etwa so ein Fall, deren Betreiber sich ja selbst als digitale Nomaden bezeichnen. Könnten kooperationsunwillige Dienste womöglich gesperrt werden? „Die laufenden Arbeiten im Rahmen des EU-Internetforums sind rein technischer Natur“, blockt man uns ab. Fragen im Zusammenhang mit der Sperrung seien nicht Bestandteil dieses Forums. Es bleibt dabei: viele offene Fragen, wenig Antworten.

 

Tarnkappe.info

Student und schon lange im Journalismus unterwegs. In der Vergangenheit Mitarbeiter für eine Vielzahl von klassischen Printzeitungen und Newsportalen. Erst für Lokalredaktionen, dann Sport und Gaming, seit Anfang 2020 im Dienst für die Tarnkappe. Abseits davon bin ich vor allem interessiert an Geopolitik, Geschichte und Literatur.