Ermittlungen gegen Xtream Codes waren langatmig

Zwei entscheidende Hintermänner von Xtream Codes haben in Griechenland gelebt. Ein Verdächtiger wurde im Rahmen der „Black IPTV“ Razzia alleine in Griechenland verhaftet. Laut einem Insider müssen die Ermittlungen mehrere Jahre angedauert haben, um die Verantwortlichen ausfindig zu machen.

Xtream Codes wohl endgültig weg vom Fenster

Die Grafik (siehe Bild weiter unten) zeigt ein Netzwerk und rechts in der Mitte mehrere rote Punkte. Das sind die beiden Männer, die in Griechenland (Thessaloniki und Athen) angeklagt werden sollen. Einer davon wurde verhaftet. Die Männer sind 27 beziehungsweise 31 Jahre alt. Sie sind gleichzeitig die beiden gesetzlichen Vertreter der Firma Xtream Codes LTD. nit Sitz in Bulgarien. Wir hatten ja schon in einem anderen Artikel anklingen lassen, wie komplex die ganze Organisation aufgebaut war und wie folgenreich die Razzia sein könnte.


Versionen der Software für alle Fälle

Unser Informant war vor fünf Jahren in ganz Europa unterwegs, um unter anderem gegen den Macher von Xtream Codes wegen illegalem IPTV-Streaming bzw. Cardsharing zu ermitteln. Damals gab es vier Versionen der Software Xtream Codes. Für Cardsharing- bzw. IPTV-Verwaltungen gab es jeweils eine kleine kostenlose und eine umfangreiche Version, die man gegen Beahlung mieten musste. Später kam dann noch eine kombinierte Version dazu, mit der man die Streaming-Piraterie in allen Segmenten verwalten konnte. Er hält die Software für grundsätzlich illegal. Darüber kann man aber sicher trefflich streiten.

xtreme codes chart

Wie hängt das Xtream Codes Netzwerk zusammen? Grafik von zougla.gr. Durchsuchungen u.a. bei zwei roten Punten unten rechts.

Vorbereitungen für die Busts nahmen einige Monate in Anspruch

Der Insider arbeitete damals für einen anderen Auftraggeber an der Aufdeckung der Geldströme. Die Geldwäsche haben die Kriminellen häufig mittels illegaler Casinos in Zypern abgewickelt. Viele Russen sollen dort ebenfalls ihr Geld gewaschen haben. Das Mastermind von Xtream Codes war nach Aussage des privatwirtschaftlichen Ermittlers sehr lange anonym. Niemand kam an seine Identität heran. Dafür waren mehrere Recherchen vor Ort in Zypern und anderen Ländern und jeweils die Unterstützung der lokalen Polizei nötig.

Black IPTV nicht ohne europäische Behörde möglich

Der Ermittler schrieb uns, so eine Organisation könne man nicht mal eben ausheben. Das benötige viele Monate Vorarbeit, um vor dem Zugriff wirklich alle Zusammenhänge aufzudecken. Bei der Razzia gegen Xtream Codes musste die Aktion zudem durch eine externe Behörde europaweit koordiniert werden, weil ansonsten Verdunkelungsgefahr bestanden hätte. Geht man ohne Eurojust oder Europol lokal gegen die Verdächtigen in nur einem Land vor, würden die Akteure in den anderen Ländern sofort damit beginnen, ihre Spuren zu verwischen. „Black IPTV“ hatte man aber von vornherein als großen Schlag gegen die Kriminellen über alle Landesgrenzen hinweg geplant.

xtreme codes razzia

Beschlagnahmte Geräte der nordgriechischen Polizei. Viel Elektronik, vergleichsweise wenig Zettel.

Viele Kunden leben in Italien

Nach Angaben der nordgriechischen Polizei liegt der finanzielle Schaden aus der Aktion des kriminellen Netzwerks bezogen auf Griechenland bei ca. 6.5 Millionen Euro. In Italien lebten sehr viele illegale IPTV-Kunden. Dort hat man nach Behördenangaben jährlich alleine 60 Millionen Euro erwirtschaftet. Das IPTV-Netzwerk soll schon seit 2015 in Italien, der Schweiz, Malta, Griechenland, den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und Bulgarien aktiv gewesen sein. Bei dem festgenommenen 27-Jährigen Griechen hat die Polizei festgestellt, dass dieser administrativen Zugang hatte. Damit konnte er Xtream Codes bis ins Detail steuern.

Ermittlungen noch lange nicht abgeschlossen

Bei den Durchsuchungen in Griechenland fand man nach Informationen der lokalen Medien diverse IPTV-Geräte, mehrere Server und Laptops, Festplatten, SIM-Karten, Kreditkarten, zwei Hardware-Wallets für Kryptowährungen, über 114.000 EUR in bar und diverse Notizen bzw. Unterlagen. Nachdem man diese fertig ausgewertet hat, muss man in absehbarer Zeit in ganz Europa mit weiteren Strafanzeigen, Durchsuchungen und Verhaftungen rechnen. Wir bleiben auf jeden Fall an dem Thema dran.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild von der helenischen Polizei-Webseite astynomia.gr, thx!

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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