E-Book Piraterie: Autorin schlägt zurück – Kommentar

Thema E-Book Piraterie Der Artikel "lul.to wehrt sich gegen Lügen" hat es Buchautoren angetan. Eine Autorin hat eine Strafanzeige gestellt.

e-book piraterie
Foto tommy japan, thx! (CC BY 2.0)

E-Book Piraterie – In den Leser-Kommentaren auf Tarnkappe ist momentan einiges los. Besonders der Artikel „lul.to wehrt sich gegen Lügen“ hat es Buchautoren angetan. Am 01.02.2015 erhielten wir in einen öffentlichen Kommentar von Marinella C.van ten Haarlen, in dem sie sehr scharfe Worte zur Buchpiraterie findet und private Strafverfolgung ankündigt.

Marinella C.van ten Haarlen ist Autorin und lebt in Südafrika. Bekannt wurde sie durch zahlreiche Buchveröffentlichungen in Romanform (unten stellen wir einige vor). In ihrem Kommentar (hier in voller Länge nachzulesen) zu unserem Beitrag: „LUL.to wehrt sich gegen Lügen“ schreibt sie u.a.:

Lysander (von lul.to – d.Red.), in meinem letzten Schreiben erklärte ich, dass wir eine Belohnung auf Sie aussetzten, es sind zahllose IT Firmen mit der Jagd nach Ihnen beschäftigt. Jeder will die Belohnung haben…. Seien Sie versichert, Ihrem Treiben wird ein Ende gesetzt. Das kann morgen sein oder in einem Jahr, den Schaden werden Sie tragen müssen. Ich warte nur auf weitere Ergebnisse.

Zuerst schien sie noch zu glauben, Tarnkappe.info betreibe selber Buchpiraterie… nun ja da war sie wohl nicht die Einzige. Aber nur weil Spiegelbest bei uns Gastbeiträge geschrieben hat, heißt das ja nicht, dass wir auch illegal E-Books vertreiben. Oder mit allem einverstanden wären, was Buchpiraten so machen. Wir haben immer Pro & Contra berichtet, das tun wir weiterhin. Und selbstverständlich kommt bei uns auch die Gegenseite zu Wort, vielleicht kriegen wir doch noch einmal die VG Wort, den Börsenverein des Deutschen Buchhandels zu einem Beitrag. Oder Thomas Elbel.

Versagt der Staat, werden Autoren aktiv

Auffallend an van ten Haarlen Äußerungen ist die Heftigkeit, mit der sie das Thema Buchpiraterie frontal angeht: „Wir haben sehr gute Fortschritte gemacht, Ihnen auf die Schliche zu kommen. Ich habe von den Unternehmen verlangt, dass diese die Köpfe in Ihrer kriminellen Vereinigung ausmachen. Ich will Personen, keine IP Adresse. Wir werden dann den jeweiligen Behörden in jedem Land die Ergebnisse übergeben, damit die strafrechtliche Verfolgung international gegen Sie beginnen kann.

Möglicherweise ist hier jemandem die Geduldsfaden gerissen, angesichts der eher als mager zu bezeichnenden Ergebnisse zum Schutz geistigen Eigentums in den Jahren bis 2014. Politik wie auch Strafverfolgungsbehörden haben sich ja nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert in diesem Bereich – egal ob man nun jetzt plädiert für eine totale Kopie-Freiheit, Kulturflat oder rigide Eigentumsrechte. Das scheint sich nun zu ändern: Bereits in den letzten Wochen fielen die ungewöhnlichen häufigen Hausdurchsuchungen wegen E-Book-Piraterie auf:

Gerücht: Neue E-Book Razzia am 20. Januar 2015? (3.2.2015)
Spiegelbest endgültig untergetaucht  (am 02.02.2015)
E-Book Razzia dank Boerse.bz-Daten? (10.12.2014)
Die Durchsuchungen von Ebookspender.me: Spiegelbest kommentiert (12.12.2014)
Razzia richtete sich auch gegen Lesen.to  (am 15.12.2014)
E-Book-Razzia: Internes Schreiben aufgetaucht  (am 20.12.2014)
Umfrage der Woche: E-Book-Razzia – Ergebnis mit Musik
Bundesweite E-Book-Razzia & Fahndung?  (am 09.12.2014)


E-Book-Razzien aufgrund wessen Druck?

Auch wenn man kein Verschwörungs-Neurotiker ist, darf man sich schon die Frage stellen, warum ausgerechnet jetzt Polizei, Staatsanwälte und Gerichte so auffallend aktiv werden. Druck der öffentlichen Meinung kann es ja nicht sein, denn für die Öffentlichkeit gibt es offensichtlich wichtigere Themen als E-Book-Piraterie… Bleiben noch die Verlage, denen in der Tat Unsummen verloren gehen. Und Autoren, die sich (ob zu Recht oder nicht sei dahingestellt) über Buchpiraten ärgern. Über Wortwahl und Mittel van ten Haarlens kann man verschiedener Ansicht sein: „Solche Figuren, wie Sie, haben auf dem Markt nichts zu suchen. Ich weise darauf hin, dass sich auch Ihre Kundschaft der Hehlerei schuldig macht dieser Umstand dazu führen wird, dass sich leider auch die Kunden von Ihnen vor Gericht verantworten müssen.

Durch Buch-Piraterie 160.000 € Schaden?

Aufschlussreich wäre eine Aufstellung der Schadenssumme, die van ten Haarlen nennt: „Der bisher bei unserem Verlag entstandene Schaden von bisher ca. 160.000 Euro zuzüglich Zinsen und Gebühren sind von Ihnen zu tragen, wir werden diese Forderung juristisch, gleich wo, durchsetzen. Dazu kommen noch die Honorare. Dazu kommen noch die Kosten der Rechtsverfolgung.“ Interessant wäre es vor diesem Hintergrund einmal zu beleuchten, wie durch Buchpiraterie der Volkswirtschaft ein Schaden entsteht – oder ob nur der Buchwirtschaft… Gibt es dazu einen Gastartikel von dem ein oder anderen Leser?

Tarnkappe.info

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Themen: Netzpolitik & digitales Leben.