China Labor Watch bemängelt katastrophale Arbeitsbedingungen

Die New Yorker NGO China Labor Watch bemängelt die schlimmen Arbeitsbedingungen, die weiterhin in vielen chinesischen Werken vorherrschen.

China Labor Watch

Die New Yorker NGO China Labor Watch bemängelt die schlimmen Arbeitsbedingungen, die weiterhin in vielen chinesischen Werken vorherrschen. Da man häufig auch iDevices herstellt, wendete man sich nun mit einem offenen Brief an Tim Cook, den CEO von Apple.

China Labor Watch wendet sich mit einem öffentlichen Brief an Apple CEO

Die Watchdogs vom China Labor Watch haben sich schon häufiger wegen der miserablen Bedingungen der Arbeiter in chinesischen Fabriken an die Öffentlichkeit gewendet. In einem offenen Brief an Tim Cook bemängeln sie, dass Arbeiter pausenlos misshandelt und respektlos behandelt werden. Aufseher von Foxconn werfen ihre Stempelkarten ohne erkennbaren Anlass auf den Boden, so dass die Mitarbeiter sie aufheben müssen (siehe Video unten). In den vergangenen Jahren kam es häufiger zu Protesten, weil man den Arbeitern in Kunshan Pegatron sogar mittelfristig den Lohn vorenthalten hat.

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Ab dem 17. August müssen die Arbeiter sieben Tage am Stück arbeiten, bevor sie das Anrecht auf einen freien Tag haben. Um die hohen Vorgaben erfüllen zu können, müssen die Arbeiter auf ihre zugesicherten Pausen verzichten. Anders können sie die Produktionsquote nicht erfüllen. Der Arbeitgeber unterbricht nach Angaben von China Labor Watch zunehmend die Essenspausen. Arbeitstreffen werden dazu benutzt, um die Schicht weiter zu verlängern. Wenn die Schicht in die Urlaubszeit fällt, verschiebt man den Dienst auf einen Sonntag. Außerdem lockt man Mitarbeiter mit falschen Versprechungen in die Fabriken. Statt für drei Monate müssen sie mindestens vier Monate lang im Werk bleiben und auch in unmittelbarer Nähe wohnen.

China Labor Watch: Kein Lohn ausgezahlt. Wer aufhören will, muss dafür extra bezahlen!

Manche Arbeiter haben China Labor Watch berichtet, dass sie seit fünf Monaten keinen Lohn erhalten haben. Werksstudenten werden oftmals von der Pegatron Corporation, einem taiwanesischen Auftragshersteller für Elektroartikel, eingesetzt. Man verbietet ihnen, das Gelände zu verlassen. Wer seinen Aufenthalt vorzeitig abbricht, dem zahlt man überhaupt keinen Lohn aus. Eigentlich sollte eine Kündigung innerhalb der ersten drei Tage möglich sein. In Wahrheit lässt sich die Fabrikleitung darauf einfach nicht ein. Wer gehen will, muss für das Ausfüllen der Entlassungspapiere sogar noch extra Geld bezahlen. Außerdem teilte China Labor Watch Cook mit, dass man das Personal trotz seiner Beteuerungen einer Besserung noch immer schrecklich behandelt. Manche schreit man so lange an, bis sie weinen. Mit der E-Mail erhielt der Apple CEO auch ein Video, wo ein Fabrikarbeiter zu sehen ist, der gerade zusammenbricht.

Apple hat immer wieder eine Besserung der Arbeitsbedingungen versprochen.

Passiert ist aber in den letzten Jahren offenkundig nichts. Diese Menschenrechtsverletzungen zeigen, dass Apple hinter seiner Verpflichtung zurückbleibt, „sicherzustellen, dass jeder Arbeitsplatz eine sichere und respektvolle Umgebung für alle bietet“, wie in der kürzlich veröffentlichten Menschenrechtsrichtlinie des Unternehmens erwähnt wird. Seit Jahren weist China Labor Watch auf Probleme in den Zulieferbetrieben von Apple hin. Man tut dies in der Hoffnung, dass das Unternehmen Schritte unternehmen wird, um die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter grundlegend zu verbessern. Zudem fordert man Apple nachdrücklich dazu auf, die oben genannten Probleme mit den Werksstudenten in der Fabrik Kunshan Pegatron anzugehen.

Meinung

Leider ist zweifelhaft, ob sich dieses Mal etwas an den gruseligen Zuständen ändern wird. Apple entschuldigt sich immer wieder und gelobt Besserung. Doch das Unternehmen möchte die Geräte so preiswert wie möglich herstellen lassen. Die Fabrikbetreiber sind hingegen nur an ihrem Profit und nicht an menschenwürdigen Arbeitsbedingungen der Arbeiter interessiert. Den meisten Käufern hierzulande ist es außerdem egal, unter welchen Bedingungen ihre Luxusgüter im Fernen Osten produziert werden. Und auch die ranghohen Politiker schweigen sich allesamt aus. Von daher wird auch dieser offene Brief wohl wieder ins Leere laufen. Im März veröffentlichte China Labor Watch das Video eines Selbstmordes von einem Fabrikgebäude. Seit Ausbruch des Corona-Virus ist es für die Arbeiter nicht gerade einfacher geworden, ganz im Gegenteil.

Egal ob es etwas bringt oder nicht. Auf die Menschenrechtsverletzungen, die man tagtäglich in den chinesischen Fabriken begeht, sollte man dennoch immer wieder hinweisen. Wer die Arbeit von China Labor Watch finanziell unterstützen möchte, kann dies hier tun.

Tarnkappe.info

Über den Autor

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.