Cap’n Crunch: Spendensammlung übersteigt 12.000 Dollar

Article by · 30. September 2014 ·
john t draper, captain crunch

John ‚Crunch‘ Draper im Krankenhaus.

Unbekannte Fans haben innerhalb von drei Tagen über 5000 Dollar für den US-amerikanischen Alt-Hacker John T. Draper gesammelt, der in den 70er Jahren das Blueboxing populär gemacht hat. Unter anderem der Mitbegründer von Apple, Steve Wozniak, hatte bei Gizmodo aufgrund seines Gesundheitszustandes zu Spenden aufgerufen. Der 70-jährige Draper leidet einem entzündlichen Darmleiden zuzüglich zu Herz- und Rückenproblemen.

John T. Draper machte hierzulande als Cap’n Crunch nicht nur die Figur der gleichnamigen Frühstücksflocken-Marke bekannt, er führte in den USA das kostenlose Telefonieren ein. Blinde Jugendliche hatten zuvor entdeckt, dass man durch die Übertragung bestimmter Frequenzen in die Telefonleitung kostenlos telefonieren konnte. Früher lag die Spielzeug-Flöte mit der richtigen Frequenz den Früchstücksflocken bei, die die Telefongesellschaften um Millionenbeträge bringen sollte. Später wurden die entsprechenden Frequenzen von einem Computer erzeugt und mit einem Kopfhöhrer auf den Telefonhörer übertragen. Traf es anfangs die Telefongesellschaft Ma Bell, so waren in den 90er Jahren in Europa vor allem MCI und AT&T von den Aktivitäten der Phreaker betroffen.

Draper war ein Weggefährte von Steve Wozniak und Steve Jobs. Wozniak sagte einst, ohne Blueboxing und Draper hätte es nie den Konzern Apple gegeben. Cap’n Crunch besaß allerdings im Gegensatz zu den beiden Apple-Gründern keinen ausgeprägten Sinn fürs Geld verdienen. Er blieb seinem Lebensmotto als verspielter Bastler, Techniker und Hacker treu.

captain crunch pfeiffeAllerdings galt der Gesundheitszustand des nunmehr 70-jährigen Programmierers bereits seit mehreren Monaten als angespannt. Draper arbeitete bei der Entwicklung des Projekts Thunder Cloud mit. Unbekannte haben kürzlich eine Spendensammlung für den legendären Phreaker gestartet und in drei Tagen mehr als 5000 Dollar zusammengetragen. Mittlerweile haben über 500 Personen insgesamt mehr als 12.000 US-Dollar gespendet. Damit kann Draper seine Behandlungskosten bezahlen. Er weiß noch nicht einmal, wer zur Spende aufgerufen hat, der Urheber der Sammlung blieb anonym. Auf seinem Blog hatte er vor einigen Tagen beschrieben, wie sehr er unter einer chronischen Darmentzündung und einer degenerativen Veränderung seiner Wirbelsäule leidet.

Die Bekanntmachung (nicht Erfindung!) vom Blueboxing brachte ihm eine Bewährungsstrafe in der Höhe von fünf Jahren ein, von denen er vier Monate im Gefängnis absaß. Von diesem Aufenthalt hat er sich nach eigenen Angaben nie wieder richtig erholt. Die Gefängnisstrafe stand seiner privaten und beruflichen Laufbahn stets im Weg.

Im Jahr 2001 war Draper in Köln bei einer Buchpräsentation zugegen. Damals war sein Gesundheitszustand noch deutlich besser. Evrim Sen beschrieb vor einigen Jahren seine Geschichte hier sehr ausführlich. Bei Reddit stellte sich Captain Crunch kürzlich den Fragen der dortigen Community. Seine Bildergalerie ist bei Facebook übrigens hier einsehbar.

Wer helfen möchte: Die Spendensammlung findet bei der Crowdfunding-Plattform QuiKfunder statt. Die Sammlung für Cap’n Crunch läuft noch weitere 51 Tage.

Mehr zu diesem Thema:

Flattr this!


    Leave a comment