Benny, Redaktionshund von Tarnkappe.info verstorben

Im Alter von fast 16 Jahren ist gestern unser Redaktionshund Benny friedlich eingeschlafen. Er litt an Schmerzen in der Hüfte und im Rücken.

Benny in Bergisch Gladbach

Ich bin gestern mit meinem Hund den schwersten Gang überhaupt gegangen. Wir gingen zu Dritt zum Tierarzt und kamen nur zu zweit zurück. Für Benny war es eine riesen Erlösung, weil wir seine gesundheitlichen Probleme leider nicht mehr in den Griff bekommen konnten.

Wie Benny zum Redaktionshund wurde

Im Februar 2011 kam Benny zu mir. Nach dem Tod von Frodo habe ich es ganze vier Wochen ohne Hund ausgehalten. Obwohl ich überall die Bilder abgehängt oder umgedreht hatte, die Lücke war einfach zu groß. Ich bin es gewohnt, mit Hunden zu leben und ohne mag ich auch gar nicht mehr. Meine Tätigkeit für die Tarnkappe und mein Nebenjob beim Verein Oase erlauben es, dass ich derart zeitaufwändige Haustiere halten kann. Und so wurde er zu unserem Redaktionshund.

Vorher, nachher. Dazwischen liegen ca. 5 Jahre.

Ein vermittelter Hund ist wie ein Überraschungsei

Steffi Ackermann von Körbchen gesucht hat mir Benny damals besorgt. Leider musste sie ihr Hobby aufgeben. Die Bereitschaft vieler Mitmenschen sich auf eine mühsame, wenn auch qualitativ hochwertige, Vermittlung einzulassen, ist immer kleiner geworden. Da man sich den Hund anderswo wie ein Paket nach Hause liefern lassen kann, haben immer mehr Menschen davon Abstand genommen, sich von Frau Ackermann ein Tier vermitteln zu lassen. Klar, das ist anstrengend. Die Vermittlerin stellte viele bohrende Fragen. Man wurde geradezu auf Herz und Nieren geprüft.

Dabei hatte Frau Ackermann nur das Wohl des Tieres im Auge. Passt es zum Besitzer? Hat sie bzw. er genug Zeit dafür? Ist die Wohnung, der Job und die Kinder die richtigen für diesen Hund? Ihr war es stets lieber, die Interessenten springen ab, als wenn sie den Hund bei Nichtgefallen nach vier Wochen wieder abgeben. Das Tier kennt grundsätzlich keine Probezeit. Es denkt, es wäre endlich endlich angekommen. Entsprechend verwirrend ist es, wenn man die Katze oder den Hund beim Anflug vorhersehbarer Schwierigkeiten wieder zur Vermittlungsstelle bringt.

Privatsphäre, Privacy

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Manchmal kommt es anders, als man denkt…

Ich war damals noch als Chefredakteur von gulli.com tätig und hatte mir für Bennys Ankunft extra zwei Tage frei genommen. Tja, es kam anders, der Flug klappte nicht wie erhofft. Als Benny kam, musste ich tagsüber arbeiten. In der ersten Nacht war aber nicht an Schlaf zu denken. Das arme Vieh war total durcheinander. Er konnte keine Ruhe finden, wusste nicht, wo er war und warum das alles geschah. Benny kannte keinen Baum, keine Treppe, keinen Tisch, gar nichts. Er musste alles lernen, war aber sehr intelligent. Nach wenigen Tagen bewegte er sich in der Wohnung meiner Frau und meiner damaligen Wohnung in Düsseldorf, als wäre er niemals woanders gewesen.

Als erste „Amtshandlung“ hat er damals gegen den Reifen meines Autos gepinkelt und wurde kurze Zeit später krank. Aber das ist normal. Viele vermittelte Tiere fangen sich wegen dem Stress einen Virus, der ihnen sonst nichts hätte anhaben können.

Eine schwierige und teils unbekannte Vergangenheit

Benny war mega sensibel und wahnsinnig anhänglich. Beides kam mir sehr gelegen. Ich habe immer eine beinahe symbiotische Beziehung zu meinen Hunden gepflegt. Was andere Rüden eventuell genervt hätte, war für ihn genau das Richtige. Und dafür, dass er es bei uns gut hatte, hat er wirklich alles getan, um uns zu gefallen. Er wollte so viel Nähe wie irgend möglich. Am liebsten wäre er in mich hinein gekrochen, wenn er nur gekonnt hätte.

Benny
Ein Bild aus alten Tagen: Wo ist das Bällchen?

Irgendwann im Frühjahr oder Sommer 2022 wäre Benny 16 Jahre alt geworden. Wir haben an Schmerzmitteln so ziemlich alles ausprobiert, was möglich war, es brachte ihm alles keine Besserung. Außerdem hätte die Dauermedikation in den nächsten Wochen oder Monaten seine Niere endgültig zerstört. Auch an dem Punkt wären wir bald an unsere Grenzen gestoßen.

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Zudem war er zeitweise dement, was mich nicht sonderlich gestört hat. Psychisch labil war er immer, schon aufgrund seiner Geschichte. Nun ja, was will man erwarten? Er hat fünf Jahre irgendwo in der Pampa von Spanien mit zich anderen Hunden hinter Gittern verbracht. Die meisten anderen Hunde der Auffangstation waren ihm körperlich überlegen und haben ihn das auch spüren lassen. Irgendwann gelang es ihm bei Bauarbeiten zu fliehen. Er bettelte dann bei einer nahe gelegenen Fabrik. Tage später fuhr ihn aus Versehen ein Gabelstabler an. Daraufhin ging es für ihn wieder zurück ins Gefängnis.

Seine extreme Labilität und Unterwürfigkeit waren auch die Ursache, warum wir uns nie einen zweiten Hund zulegen konnten. Das hätten wir gerne getan, aber das ging einfach nicht.

Mach’s gut, Benny!

Danke für alle Bällchen, die Du gefangen und die Freude, die Du uns in den gemeinsamen 10 Jahren bereitet hast!

Jetzt wird es Dir besser gehen. Ich bin mir ganz sicher, wir sehen uns irgendwann auf der anderen Seite wieder !!!

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.