Eine neue Studie der Anti-Piraterie-Lobby warnt vor Malware und Betrug bei IPTV-Piraterie. Doch wie unabhängig sind die Ergebnisse wirklich?
Wer illegale IPTV-Abos nutzt oder Filme über dubiose Streaming-Portale schaut, riskiert Malware, Identitätsdiebstahl und Betrug. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Coalition Against Piracy (CAP). Die Anti-Piraterie-Lobby-Organisation fordert daraufhin strengere Maßnahmen gegen Anbieter und Nutzer illegaler Streaming-Dienste. Doch wie belastbar sind die Aussagen – und wer profitiert von solchen Warnungen? Überprüfbar ist die Studie schon deswegen nicht, weil momentan nur eingetragene Rechteinhaber auf sie zugreifen dürfen. Der Rest kriegt nur eine Pressemitteilung zu Gesicht.
Eine Studie des gleichen Autors, Professor Paul Watters, kam im Vorjahr zu recht ähnlichen Ergebnissen. Zumindest diese wissenschaftliche Ausarbeitung hat die Alliance for Creativity and Entertainment (ACE) im Jahr 2025 als PDF ungekürzt veröffentlicht. Es gibt noch eine Erhebung von Professor Watters aus dem Jahr 2024. Dabei geht es auch um Piraterieseiten als Verbraucherrisiko. Und ja, der Autor bläst dabei inhaltlich gesehen ins gleiche Horn.
Piraterie als Einfallstor für Cyberkriminalität?
Die neue Studie mit dem Titel „Consumer Harms And Fraud Pathways In Asia-Pacific’s Illicit Streaming Economy“ untersucht verschiedene Formen digitaler Piraterie im asiatisch-pazifischen Raum. Dazu zählen IPTV-Abonnements, illegale Streaming-Geräte, Verkäufer von M3U-Playlists oder Zugangsdaten, Account-Sharing-Modelle und Streaming-Apps aus Drittquellen.
Demnach seien Nutzer regelmäßig Betrugsversuchen, Phishing-Angriffen, Schadsoftware und Identitätsdiebstahl ausgesetzt. Besonders alarmierend: Fast jede zweite untersuchte illegale Streaming-App habe Malware enthalten. Diese könne persönliche Daten ausspähen, Geräte kompromittieren oder sie sogar Teil eines Botnetzes werden lassen. Doch wie gesagt, die Statistik betrifft nur einen Teil Asiens und wurde nicht von einer unabhängigen Stelle veröffentlicht.
Die Risiken illegaler Streams sind real, aber nicht neu
Dass Nutzer beim Download von Software aus unbekannten Quellen Risiken eingehen, dürfte kaum überraschen. Schadsoftware, manipulierte Apps, Abofallen, Werbung für illegale Inhalte und betrügerische Webseiten begleiten die digitale Piraterie seit Jahrzehnten.
Tatsächlich sind viele IPTV-Anbieter und Streaming-Portale in einem rechtlichen Graubereich oder operieren vollständig außerhalb staatlicher Regulierung. Kunden haben bei Problemen oft keinen Ansprechpartner, keine Gewährleistung und keinen Verbraucherschutz. Wer einem unbekannten Anbieter Kryptowährungen oder Geld per Direktüberweisung sendet, geht zwangsläufig ein höheres Risiko ein als bei etablierten Plattformen. Neu sind diese Erkenntnisse allerdings nicht.
Wer steckt hinter der Studie?
Genau hier lohnt sich ein genauer Blick auf den Absender. Die Coalition Against Piracy (CAP) ist keine unabhängige Forschungseinrichtung, sondern ein Zusammenschluss von Medienunternehmen, Rechteinhabern und Branchenverbänden, die wirtschaftlich direkt vom Kampf gegen digitale Piraterie profitieren. Sie gilt aber auch als Lobbyorganisation. Ihre Mitarbeiter sollen ihre „Erkenntnisse“ im Sinne der Rechteinhaber verbreiten und die Politik beeinflussen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Ergebnisse falsch sind. Allerdings verfolgt die Organisation ein klares politisches und wirtschaftliches Interesse: die Bekämpfung illegaler Streaming-Angebote.
Entsprechend überrascht es kaum, dass CAP-Geschäftsführer Matthew Cheetham fordert, Piraterie künftig nicht mehr primär als Urheberrechtsproblem, sondern als Cybersecurity-Bedrohung zu betrachten.
Anti-Piraterie-Lobby versucht Debatte zu verschieben
Diese Argumentationslinie ist nicht neu. Seit Jahren versuchen Rechteinhaber, die Debatte über Piraterie von der Frage des Urheberrechts hin zu Themen wie Verbraucherschutz, organisierte Kriminalität oder Cybersicherheit zu verschieben.
Der Grund liegt auf der Hand: Während viele Verbraucher bei Urheberrechtsverletzungen nur begrenztes Unrechtsbewusstsein zeigen, reagieren sie deutlich sensibler auf Bedrohungen wie Datendiebstahl, Malware oder Finanzbetrug.
Kritiker sehen darin eine strategische Neuausrichtung der Anti-Piraterie-Kampagnen. Statt über den Schutz von Geschäftsmodellen zu sprechen, werde der Fokus zunehmend auf die Sicherheit der Nutzer gelegt. Man sollte auch mal über die hohen Preise vieler legaler Online-Dienste sprechen, ohne die es gar keinen Graubereich in dieser Größenordnung geben würde. Dazu kommt in Deutschland die Zersplitterung des Steaming-Marktes. Immer mehr Anbieter bieten ihre Werke exklusiv an. Zuvor haben sie die Filme und Serien von den anderen Portalen abgezogen. Davon spricht natürlich keine Pressemitteilung der Anti-Piraterie-Lobby.
Nicht jeder IPTV-Dienst beinhaltet Malware
Ein weiterer Punkt bleibt in der Studie weitgehend offen: Welche Streaming-Dienste hat man denn konkret untersucht? Wie groß und somit genau war die Stichprobe? Nach welchen Kriterien hat man die Apps und Streams ausgewählt?
Die Aussage, dass nahezu die Hälfte aller getesteten Anwendungen Malware enthalten habe, klingt spektakulär. Das soll es wohl auch! Doch ohne vollständige Transparenz über die Methodik lässt sich schwerlich beurteilen, ob die Ergebnisse realistisch und auf den gesamten Markt übertragbar sind.
Zwischen professionell betriebenen IPTV-Anbietern, fragwürdigen Resellern und offensichtlich kriminellen Angeboten existieren erhebliche Unterschiede. Eine pauschale Gleichsetzung aller Piraterie-Dienste mit Cyberkriminalität greift daher einfach zu kurz.
Gesunde Skepsis bleibt angebracht
Fest steht: Nutzer illegaler Streaming-Angebote sollten sich der Risiken bewusst sein. Irreführende Links, Abofallen, der durchweg fehlende Kundenschutz und manipulierte Apps sind reale Gefahren.
Ebenso wichtig ist jedoch ein kritischer Blick auf die Quelle solcher Warnungen. Wenn die Anti-Piraterie-Lobby eine Studie veröffentlicht, die ihre eigenen politischen Forderungen stützt, dann sollte man die „Ergebnisse“ besonders sorgfältig hinterfragen.
Die Gefahr von Malware und Betrug bei dubiosen Streaming-Diensten existiert zwar. Ob daraus jedoch folgt, dass man die gesamte IPTV- und Streaming-Piraterie-Szene als Teil eines kriminellen Cyberökosystems betrachten muss, ist eine andere Frage. Zudem sollten die Rechteinhaber das Problem mal anfangen bei den Wurzeln (Ursachen) und nicht bei den Symptomen (illegale Konkurrenz) anzupacken, oder was meint ihr? Hinterlasst uns eure Meinung bei uns im Forum.





















