Spotilol
Spotilol
Bildquelle: ChatGPT

Spotilol ist der bessere Nachfolger von SpotiFuck

Das neue Tool Spotilol führt SpotiFuck weiter, entfernt Werbung aus Spotify Free und verbessert die Android-Bedienung.

Anfang des Jahres haben wir SpotiFuck schon einmal als Alternative zu den nicht mehr funktionierenden Revanced-Lösungen und Spotify Free oder Spotify Web über Brave mit aktiviertem Shield für euch ausprobiert. Die Idee dahinter war gut, aber es lief mehr schlecht als recht. Man entschied sich dagegen, erneut an der offiziellen Spotify-App herumzupatchen und damit DMCA-Klagen zu riskieren. Deswegen hat man einfach den Webplayer in eine eigene Android-App gepackt.

Das funktionierte bei unseren damaligen Test erstaunlich gut, nur war SpotiFuck als App noch ziemlich unausgereift. Besonders auf dem Smartphone merkte man immer wieder, dass unter der Haube der Webplayer lief. Die Bedienung fühlte sich auch zäh an.

Wer wollte, konnte zusätzlich die offizielle Spotify-App nur als Fernbedienung benutzen. SpotiFuck spielte die Musik ab, Spotify übernahm die Bedienung – nur so war es möglich, die Musik ordentlich zu genießen. Das war etwas speziell, aber es ging. Inzwischen hat der Entwickler SpotiFuck auf GitHub archiviert. Im Repository verweist er sogar auf Spotilol als legitimen Nachfolger.

Aus SpotiFuck wurde Spotilol

Der Entwickler Navq hat den alten Smali-Code sauber in die Programmiersprache Kotlin übertragen und darauf aufbauend eine modulare Struktur entwickelt. Der Spotify-Webplayer ist weiterhin verfügbar. Dank des Filters ist die Werbung weiterhin nicht sichtbar. Spotify Free läuft damit, wie auch bei SpotiFuck zuvor, ohne die Werbeunterbrechungen des normalen Webplayers.

Neu ist vor allem die App drumherum: Spotilol bringt inzwischen einen eigenen Player mit. Dadurch muss man sich nicht mehr ständig durch die Oberfläche des Webplayers hangeln. Auch die Mediensteuerung von Android und der Sperrbildschirm funktionieren nun vernünftig.

Der Player lässt sich endlich auch ordentlich herunterwischen und verkleinern. An der Suche wurde ebenfalls gearbeitet. Später kamen Picture-in-Picture, Landscape und ein AMOLED-Modus dazu, die alle tadellos funktionieren. Bei SpotiFuck fehlte leider genau dieser Feinschliff. Dort war der Webplayer ständig präsent. Bei Spotilol verschwindet er hingegen wesentlich besser hinter der eigentlichen App. Die offizielle Spotify-App als Fernbedienung braucht man somit nicht mehr.

Spotify, with headphones

Spotify Free geht auch über Bluetooth

Nach einigen Bugfixes des Entwicklers funktioniert Bluetooth inzwischen ebenfalls vernünftig. Mit Spotilol kann man Musik über Android an Kopfhörer, Lautsprecher oder das Autoradio schicken. Das klappt auch mit dem kostenlosen Spotify-Abo problemlos.

Dabei bleibt das Smartphone das Abspielgerät und reicht den Ton per Bluetooth weiter. Das funktioniert beispielsweise auch mit einem Echo- beziehungsweise Alexa-Lautsprecher, wenn dieser als Bluetooth-Lautsprecher gekoppelt ist. Wer Spotify Connect bisher nur dazu benutzt hat, um Musik vom Smartphone auf Alexa oder einen anderen Lautsprecher zu bekommen, braucht man dafür kein Premium-Abo mehr.

Seit Version 1.0.5 reagiert Spotilol zudem auf verbundene Bluetooth-Geräte. Wenn man beispielsweise die Kopfhörer trennt, pausiert die Wiedergabe automatisch. Nach dem erneuten Verbinden geht es weiter. Beim alten SpotiFuck war die Einbindung in Android noch wesentlich rudimentärer – nach dem Motto von frühreren Seagate Festplatten: „Sie geht oder sie geht nicht.

Spotilol

Spotilol mit eigenem CA-Zertifikat

Spotilol kann unter Android auch ein eigenes CA-Zertifikat installieren. Ein Root-Zertifikat für einen Spotify-Webplayer? Android warnt bei solchen Zertifikaten schließlich nicht ohne Grund. Eine eigene CA als vertrauenswürdig einzutragen, ist nichts, was man einfach wegklicken sollte. Adguard* braucht auch eins, um den HTTPS-Traffic auf Werbung zu prüfen und sie herauszufiltern, aber da wird es auch wirklich ausführlich erklärt und ist vertrauenswürdig.

Bei Spotilol gehört sie zum optionalen MITM-Proxy, also hat sie eine legitime Aufgabe. Die App erzeugt dafür lokal eine eigene CA und leitet die Verbindung über einen lokalen Proxy. Dadurch kann Spotify weniger eindeutig erkennen, dass sein Webplayer innerhalb einer WebView läuft. Laut Entwickler wird das Zertifikat direkt auf dem Smartphone erzeugt und bleibt auch dort.

Wer nicht weiß, was eine eigene CA unter Android macht, sollte diesen Modus einfach nicht einschalten und es ohne Zertifikat nutzen. Seit Version 1.0.6 ist der normale Betrieb ohne Zertifikat sogar voreingestellt. Spotilol funktioniert also auch, ohne dass man vorher einen zusätzlichen Vertrauensanker im System installieren muss. Der Proxy ist rein freiwillig, man sollte ihn im Idealfall benutzen, das muss man aber nicht.

Warum Spotilol die CA überhaupt anbietet, ist damit klar. Man sollte sie trotzdem nur installieren, wenn man weiß, was man da tut.

Diesmal kamen mehr als drei Revisionen

Bei SpotiFuck war irgendwann einfach Schluss. Das kennt man leider inzwischen zur Genüge von solchen Spotify-Projekten. Es erscheint eine funktionierende Version, danach kommen noch zwei Fixes und wenig später ändert Spotify etwas. Das Repository bleibt anschließend liegen.

Spotilol startete am 13. Juli 2026 mit Version 1.0.0 und am 18. August war bereits Version 1.0.10 draußen. Bei zehn Revisionen in gut einem Monat könnte man auch einfach zehnmal Kleinkram veröffentlicht haben, was hier aber wirklich nicht der Fall ist. Ein Blick ins Changelog zeigt, dass wirklich aktiv daran gearbeitet wurde.

So wurde der eigene Player beispielsweise erst nachträglich hinzugefügt. Bluetooth wurde erweitert, Abstürze wurden beseitigt und Änderungen am Spotify Web Player Audio SDK mussten aufgefangen werden. Picture-in-Picture und die überarbeitete Suche kamen ebenfalls nach und nach bei der Weiterentwicklung dazu. Mit Version 1.0.10 wurde erneut die Erkennung der Spotify-API-Hashes optimiert.

Spotify hat also in den ersten Wochen viele Dinge zum Leidwesen der Nutzer verändert, auf die Spotilol im typischen Katz-und-Maus-Spiel reagieren musste. Bisher hat der Entwickler jedes Mal nachgezogen. Ob das nächstes Jahr noch genauso aussieht? Schwer zu sagen. Dafür gibt es Spotilol noch nicht lange genug. Nach zwei oder drei Revisionen war diesmal aber wenigstens nicht wieder Feierabend.

Firebase

Firebase steckt leider ebenfalls drin

Seit Version 1.0.5 nutzt Spotilol die Dienste Firebase Analytics, Crashlytics und Firebase Performance Monitoring. Analytics zeigt dem Entwickler, wie die App genutzt wird. Crashlytics sammelt Informationen zu Abstürzen, während Performance Monitoring dabei hilft, langsame oder problematische Stellen zu finden.

Bei einer App, die auf zig unterschiedlichen Android-Geräten laufen soll, sind solche Daten für die Fehlersuche natürlich praktisch. Es ist für jeden nachvollziehbar, aber die Daten gehen natürlich an die Datenkrake Google. Wer Firebase nicht auf dem Smartphone haben will, weiß damit wenigstens, dass es drinsteckt.

Spotilol ist das bessere SpotiFuck

SpotiFuck sollte man heutzutage nicht mehr benutzen. Das Projekt ist archiviert und Spotilol hat dessen Ansatz inzwischen deutlich weitergebracht. Zum Musikhören kann man trotzdem eher zu anderen Lösungen greifen.

SpotiFLAC Mobile lief bei mir die ganze Zeit. Nur die PC-Version hatte zwischenzeitlich ihre Probleme, inzwischen funktioniert sie aber wieder. Heruntergeladene Musik landet bei mir ohnehin lieber in Navidrome. Auf Android spiele ich sie dann mit Symfonium ab.

Spotilol sollte man vor allem dann nutzen, wenn man Spotify Free direkt weiterbenutzen möchte. Dafür funktioniert der Fork inzwischen wesentlich besser als SpotiFuck. Die Bedienung ist besser an Android angepasst, Bluetooth funktioniert auch mit Alexa oder anderen Lautsprechern und ein CA-Zertifikat ist nicht erforderlich.

Wer Spotify Connect bisher nur als bequeme Brücke vom Handy zum Lautsprecher benutzt hat, kann sich unter Umständen sogar das Premium-Abo sparen. Bislang ist im Repository nach ein paar Releases nicht wieder Funkstille eingekehrt. Es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis Spotify erneut etwas ändert. Dann zeigt sich, ob der Entwickler Navq weiter nachzieht. Bis jetzt tut er es.

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Ich studiere Politikwissenschaft und Japanisch. Vorher habe ich vier Jahre bei der Bundeswehr gedient und hatte dort meine ersten professionellen Berührungspunkte mit IT, im Bereich Netzwerk Aufbau etc.